Leitartikel Kirchenblatt

Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-22-24 Pfingstausgabe
 
Der Geist des Herrn erfüllt das All mit Sturm und Feuersgluten
 
Liebe Mitchristen,
 
50 Tage nach Ostern feiert die Kirche Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, ihren Geburtstag. In Sturm und Feuersgluten kommt er auf die Jünger herab, bläst die Ängste und Zweifel aus ihren Köpfen und erfüllt ihr Herz mit brennender Liebe. Gottes Geistkraft bewirkt nach dem Zeugnis der Apostelgeschichte, dass sich die verängstigten Jünger hinauswagen und zu mutigen, begeisternden Zeugen für Christus werden. Er / sie reißt die Türen weit auf , überwindet Sprachbarrieren, lässt Kirche entstehen, als Gemeinschaft derer die zum Herrn gehren (Kirche), von ihm herausgerufen sind (Eclessia).
 
Über die treibende und alle erneuernde Kraft des Heiligen Geistes sagte Papst Franziskus in seiner ersten Pfingstpredigt als Papst:
„Der Heilige Geist ist der Geist der Einheit, was nicht Einförmigkeit bedeutet, sondern eine Rückführung von allem in die Harmonie. Die Harmonie bewirkt in der Kirche der Heilige Geist.  
Wenn wir uns vom Geist leiten lassen, führen Reichtum, Vielfältigkeit, Unterschiedlichkeit nie zum Konflikt, denn er bringt uns dazu, die Vielfältigkeit im Miteinander der Kirche zu leben. …
Die Kirchlichkeit ist ein grundsätzliches Merkmal für jeden Christen. Die Kirche ist es, die mir Christus bringt und mich zu Christus führt.
 
Der Heilige Geist lässt uns in das Geheimnis des lebendigen Gottes eintreten und bewahrt uns vor der Gefahr einer gnostischen und einer selbstbezogenen, in ihr Gehege eingeschlossenen Kirche; er drängt uns, die Türen zu öffnen, um hinauszugehen, um das gute Leben des Evangeliums zu verkünden und zu bezeugen, um die Freude des Glaubens, der Begegnung mit Christus zu übertragen. Der Heilige Geist ist die Seele der Mission. ……
 
Der Heilige Geist lässt uns den Horizont erblicken und drängt uns bis an die Peripherien des Seins, um das Leben Jesu Christi zu verkünden. Fragen wir uns, ob wir dazu neigen, uns in uns selbst, in unserer Gruppe zu verschließen, oder ob wir zulassen, dass der Heilige Geist uns für die Mission öffnet. Merken wir uns diese drei Wörter: Neuheit, Harmonie, Mission.“
Die Jünger und mit ihnen zusammen die Frauen, die das Wirken Jesu begleitet hatten, waren  im Gebet versammelt als der Geist Gottes das Haus und ihr Innerstes erschütterte und durcheinanderwirbelte. Bitten auch wir um die treibende Kraft von oben.   
 
Komm, Heiliger Geist, heile uns.
Erfülle unsere Herzen mit brennender Sehnsucht
nach der Wahrheit, dem Weg und dem vollen Leben.
Entzünde in uns dein Feuer, dass wir selber davon
zum Lichte werden, das leuchtet und wärmt und tröstet.
Lass unsere schwerfälligen Zungen Worte finden,
die von deiner Liebe und Schönheit sprechen.
Schaffe uns neu, dass wir Menschen der Liebe werden,
deine Heiligen, sichtbare Worte Gottes,
dann werden wir das Antlitz der Erde erneuern
und alles wird neu geschaffen.
Komm, Heiliger Geist, heilige uns, stärke uns,
bleibe bei uns.
 
Wolfgang Drescher, Pfarrer
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-21
 
Gleichberechtigung:  „In 300 Jahren vielleicht?“
 
Liebe Kirchenblatt-Leserinnen und Leser,
 
Sie wissen es: Mit dem Ende des Junis kommt auch das Ende des Kirchenblattes. Damit geht eine Ära zu Ende. Für mich ist sie schon mit diesem, meinem letzten Leitartikel, beendet.
 
Seit vielen Jahren schreibe ich alle paar Monate hier an dieser Stelle. Dies zu etablieren, war gar nicht so einfach. Matthias Kopp hatte angeregt, Hans Kerkhoff und mich, als studierte Theologen, mit auf die Liste der Leitartikel-Schreibenden zu nehmen. Ein Vorschlag, der anfangs bei manch einem nicht auf Begeisterung stieß. Die erste Seite des Kirchenblattes sollte den Klerikern vorbehalten sein. Herr Kopp argumentierte dagegen, er argumentierte für Meinungsvielfalt. Und tatsächlich: Jeder und jede von uns Schreibenden hat einen anderen Blick auf die Welt und das Evangelium, eine Tatsache, die Sie als Lesende hoffentlich zu schätzen wussten.
Einer meiner Schwerpunkte war, neben Frieden und sozialer Gerechtigkeit, auch die Frauenfrage in der katholischen Kirche. Ich bin milder geworden und trotzdem wurmt es mich noch immer, dass das Weiheamt ausschließlich Männern vorbehalten ist, obwohl Frauen sicher nicht die schlechteren Priester und Diakone wären, obwohl vor allem Frauen im Ehrenamt in der Kirche tätig sind. Deshalb freut es mich besonders, dass mir die Lesung vom Sonntag noch einmal die Gelegenheit gibt, mich mit dem Thema Frauen in der Kirche und in der Bibel kritisch auseinanderzusetzen.
 
Der Text der Lesung, Apostelgeschichte 1,12-14, beschreibt die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Es ist eine Phase des Übergangs, des gemeinsamen Gebets und der Erwartung. Die Jünger kehren vom Ölberg nach Jerusalem zurück und verharren im „Obergemach“, um sich auf das Kommen des Heiligen Geistes vorzubereiten. Sie, die namentlich erwähnt werden, warten in einer Phase der Orientierungslosigkeit – Jesus ist nicht mehr da, der Geist noch nicht gesandt – und „verharr(t)en einmütig im Gebet mit den Frauen und Maria…“ (Apg1,14).
 
Da sind sie also wieder, die Frauen. Einmütig mit den Jüngern vereint, vielleicht sogar eine von ihnen, gleichberechtigt. In der Kirche sind sie das aber bei weitem nicht. Im Laufe der Kirchengeschichte erfahren die in der Bibel als gleichwertige Partnerinnen und zentrale Akteurinnen dargestellten Frauen eine Marginalisierung, d.h., sie werden in ihrer Bedeutung verdrängt und diskriminiert. In Apg 1,14 sind Frauen aber Bestandteil des „Leitungsteams“, das einmütig im Gebet verharrt. Frauen waren auch bei der Geistausgießung an Pfingsten anwesend und erhielten dabei die gleichen Geistesgaben wie die Männer. Die Bibel erwähnt Frauen wie die Purpurhändlerin Lydia als Führungspersönlichkeit, Maria Magdalena war die erste Zeugin und Verkünderin der Auferstehung Jesu.
 
Ich frage mich: Was veranlasste die Entscheidungsträger in unserer Kirche, uns Frauen im Laufe der Jahrhunderte das Recht auf Gleichberechtigung abzusprechen. Das ist in unserer modernen Gesellschaft nicht mehr zeitgemäß, (oft höre ich junge Frauen ihren Austritt aus der Kirche  damit begründen und kann es ihnen nicht einmal verdenken), einer Gesellschaft, in der jeder eine Klage an den Hals bekommt, der Frauen diskriminiert. Vor dem Gesetz und vor Gott sind alle gleich, möchte man meinen.  Das müsste auch und vor allem für die Kirche gelten, die ohne das Engagement von Frauen einpacken könnte. Immerhin: Inzwischen dürfen Frauen vermehrt Leitungsaufgaben in der kirchlichen Verwaltung oder in kirchlichen Gremien übernehmen, doch die Weiheämter in der katholischen Kirche sind ihnen noch immer verschlossen. Als ob Berufung vom Geschlecht abhängen würde! Die Beschränkung auf männliche Apostel ist doch eine kulturelle und keine göttliche Entscheidung.
 
Trotz der bestehenden Situation gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass unsere Kirche es irgendwann vielleicht einmal schafft, die Gleichberechtigung und die Gleichwertigkeit von Frauen zu akzeptieren und daraus ihre Konsequenzen zu ziehen. Warum fällt mir da der Titel eines Buches von Tilman Röhrig … ein? „In 300 Jahren vielleicht“…
Ich verabschiede mich an dieser Stelle, bleiben Sie trotz allem unserer Kirche verbunden.
 
Hilde Butscher
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-20
 
Egal, waas au do kommt – I be doo !
 
Zugegeben: Etwas chinesisch mag wohl dieser schwäbische Ausdruck klingen und vielleicht sogar an sich haben… Deswegen offenbart er uns eventuell sogar auf etwas kryptische Art eine tiefe Wahrheit, wie sie nun mal oft in tiefer Meditation und Theologie vom Evangelist Johannes in seiner Botschaft an die Welt und an die Gläubigen geschrieben ist: Er verkündet den Christus als  d i e  Wahrheit schlechthin, oder auch als „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,1). Diese Wahrheit spricht er zusammenfassend in unserem heutigen Evangelium zum 6. Sonntag in der Osterzeit so aus: „Ich bin in meinem Vater. Ihr seid in mir und ich bin in euch.“ (Joh 14, 21). So die Aussage des biblischen Textes.
Und jetzt die entscheidende Frage:
Was bedeutet dies für uns, für unser Glaubensleben, für unser menschliches Leben?
Zuerst einmal bedeutet es eine Zusage, die in unserem schwäbischen Motto „Waas au do kommt – I be doo“ ausgesagt ist: Wir haben die göttliche Liebe in uns, wir sind geliebt, geachtet und geehrt und mit einer großartigen Würde ausgestattet, die uns niemand und nichts wegnehmen kann.
Dann konkreter: Wenn wir nach dem Wesen Jesu Christi nach handeln, mit ihm korrespondieren, also gut, wohlwollend, barmherzig handeln, dann wirkt dies durch Christus in uns, dann be-wirkt das von uns ausstrahlend Gutes, dann sind wir ganz bei uns, so wie wir von Gott selbst gedacht und geschaffen worden sind.
Und dann: Mittels Liebe und Heiligem Geist können wir also alles durch-leben, was uns wider-fährt. Zwar schon mal mit aufkeimender Ungeduld, teils mit ärgerlichem Hader, doch im Grunde gehalten.
Nun wohlan: Werden wir uns dessen immer wieder neu bewusst, erfreuen uns daran und nehmen diese Wahrheit in und an uns zum Maßstab und zum Grundgesetz unseres Lebens, so dass wir dann in tiefer Meditation und kryptischem Schwäbisch dankbar beten können: „Ganz gleich und egal, waas do au kommt, DU bischt jo doo“, DU bist bei mir wie mein Netz des Lebens, auf dem ich gehen, hüpfen und liegen kann: Halleluja!
Tja, egal, was auch kommen mag, dies war wohl mein letzter geistlicher Artikel in unserem traditionellen Kirchenblättle, das ja Ende Juni ausläuft. Wie alles dann weitergehen mag, was so alles kommen wird, im Grunde wird es gut sein, weil wir alle in IHM getragen sind, in allem was wir tun. AMEN!
 
Harald Stehle, Pfarrvikar der Gesamtkirchengemeinde Biberach
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-19
 
 
Ade - Kirchenblatt
 
Unser Kirchenblatt hat seinen Dienst getan. Mit dem Quartalsende wird es eingestellt, dann wird es nur noch ein offizielles Mitteilungsblatt für die neue große Kirchengemeinde Herz-Jesu geben. 80 Jahre erschien es regelmäßig, Woche für Woche, als katholisches Kirchenblatt unter dem Gedanken „Lebe und bete mit der Kirche“. Ab 1945 zunächst für die Pfarreien Gammertingen, Neufra und Burladingen. Ab dem Jahr 1948 für die Pfarreien des Lauchert- und Fehlatales, sowie der Hohenzollernalb. Später für die Pfarrverbände Veringen und Gammertingen. Und ab 2015 für unsere SE Gammertingen-Trochtelfingen.
Das Kirchenblatt war mehr als ein Mitteilungsblatt. Es berichtete von den Alltäglichkeiten und dem Leben der Gemeinden, vom Auf- und Niedergang, von Höhen und Tiefen, von Aufbruch und Veränderung und es spiegelte das religiöse Leben wider. Berichtete von Traditionen, Bräuchen, Festen, Feierlichkeiten, von zahlreichen Renovierungen der Kirchen und Kapellen. Nicht zuletzt war darin die Gottesdienstordnung aller Gemeinden zu finden und Sonntag für Sonntag stand auf dieser ersten Seite das Evangelium mit einer dazugehörigen Auslegung. 
20 Jahre durfte ich eine Betrachtung zum Evangelium schreiben und nun ein letztes Mal, da klingt schon etwas Wehmut mit. Ich habe immer versucht, diese wunderbare Botschaft Gottes mit ein paar Worten und Gedanken zu umschreiben, im Wissen, dem Evangelium darf nichts hinzugefügt, aber auch nichts weggelassen werden. Nun kommt das Ende, von verantwortlicher Stelle so gewünscht. Es gibt nur noch ein einheitliches Mitteilungsblatt und das nennt sich Pfarrmagazin.
„Alles hat seine Zeit, für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Stunde“, sagte schon der alte Weisheitslehrer Kohelet. Mit der Strukturveränderung gibt es auch in unserer Kirche eine Zeitenwende. Da hinein sprechen die Worte des heutigen Evangeliums: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren“. Viele sind verwirrt, andere verunsichert, viele enttäuscht und mancher blickt sorgenvoll in die Zukunft. Jesus richtet den Blick nicht auf die gegenwärtige Situation, sondern sein Augenmerk ist gerichtet auf das zukünftige, das Himmelreich. Deshalb seine Botschaft: „Glaubt an Gott und glaubt an mich. Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“
Das kann man so verstehen: der Himmel ist groß und weit und bietet Platz für alle. Nur das Hineinkommen ist mit ein paar Bedingungen verbunden, um dieses Ziel zu erreichen, muss man den Weg kennen. Auch darauf gibt Jesus eine Antwort. Sie fällt kurz und knapp aus, keine lange Umschreibung, für alle verständlich. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, außer durch mich.“
 Die Bedingungen sind vorgegeben, machen wir uns mit ihm auf den Weg. Setzen wir unser ganzes Vertrauen auf Jesus und lassen wir ihn mitwirken am Spiel unseres Lebens. 
 
Noch einmal an dieser Stelle allen treuen Leserinnen und Lesern ein erfülltes Wochenende und viel Freude im Marienmonat Mai.
 
Werner Eisele, Diakon
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-18
 
 
„Jesus nennt uns Freunde“
 
Mit diesem Leitwort waren die drei Erstkommunionfeiern in unseren Gemeinden überschrieben.
50 Kinder sind hier bei uns der Einladung gefolgt und haben sich auf den Weg gemacht, um Jesus, Gott und die Kirche besser kennenzulernen. Im Ideenmaterial vom Bonifatiuswerk finden sich dazu folgende Gedanken:
„Was sind eigentlich Freunde? Kurz gesagt: Freunde und Freundinnen sind selbst gewählte Familie, also enge soziale Verbindungen zu anderen, die wir uns selbst aussuchen. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Freundschaften sich positiv auf unser Glücksempfinden und unsere Gesundheit auswirken, zumindest wenn damit Vertrautheit und Verlässlichkeit einhergehen. Mit der Bibel gesprochen: „Ein treuer Freund ist ein starker Schutz, wer ihn findet, hat einen Schatz gefunden. Für einen treuen Freund gibt es keinen Gegenwert, seine Kostbarkeit lässt sich nicht aufwiegen. Ein treuer Freund ist eine Arznei des Lebens und es werden ihn finden, die den Herrn fürchten.“ (Jesus Sirach 6,14-16) Das gilt insbesondere für Freundschaften zwischen Erwachsenen, da solche im Kindes- und Jugendalter auf anderen Grundlagen basieren bzw. andere Zwecke erfüllen. So oder so: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Das Bedürfnis nach Verbundenheit stellt eins der Grundbedürfnisse dar. Unabhängig von ihrer Intensität ist es also natürlich, Freundschaft zu suchen und auch zu pflegen.
Jesus – unser Freund? Freundschaft hat immer auch etwas damit zu tun, einander auf Augenhöhe zu begegnen. Ist das mit Jesus möglich? Auf den ersten Blick müssen wir das wohl verneinen, ist er doch Gottes Sohn. Auf den zweiten Blick erzählt uns die biblische Überlieferung etwas anderes: Jesus geht auf die Menschen zu wie ein Freund, ist in ihren Häusern zu Gast, isst und trinkt mit ihnen, tummelt sich auf den Straßen und Plätzen und sucht das Gespräch. Ihm wird sogar vorgeworfen, ein Freund der Zöllner und Sünder zu sein. Um sich sammelt er zwölf Jünger, mit denen er offene und alles miteinander teilende Gespräche führt. „Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“, sagt Jesus in der zweiten Abschiedsrede im Johannesevangelium (Johannes 15,15b). Jesus selbst hebt den Abstand auf. Und am Ende gibt er sein Leben hin, nicht allein für seine zwölf Freunde, sondern für alle. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Johannes 15,13) Offene und tiefe Gespräche miteinander zu führen und die Bereitschaft, sein Leben für die Freunde zu geben, sind die beiden großen Ideale antiker Freundschaftslehre, die auch heute nicht an Bedeutung verloren haben. Jesus lebt sie und bietet uns seine Freundschaft an. „Ihr seid meine Freunde!“ – Jesus feiert Mahl mit seinen Jüngern „Mit großer Sehnsucht habe ich danach verlangt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen“, sagt Jesus in der lukanischen Erzählung vom letzten Mahl, das er mit seinen Jüngern hält (Lukas 22,15b). So viel Liebe zu seinen engsten Vertrauten, zu seinen Freunden spricht aus diesen Worten. Da sitzen welche zusammen und feiern, die miteinander vertraut sind, die Leben miteinander teilen. „Ihr seid meine Freunde!“, ist die Botschaft der Erzählung vom letzten Mahl.“
Lassen auch wir uns immer wieder neu einladen zur Freundschaft mit Jesus!
 
Sabine Teufel-Rick, Gemeindereferentin
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-17
 
Brannte uns nicht das Herz …
 
„Wir hatten gehofft…“ dieser Satz bringt schlicht und ungeschützt zum Ausdruck, was geschieht, wenn die Erwartungen, auf denen das Leben aufbaut, zerbrechen. Die beiden Emmausjünger sprechen ihn aus und gehen. Sie gehen weg von den Ereignissen, die ihr Leben bis auf die Grundmauern erschüttert haben; sie gehen weg aus Jerusalem, um den Scherbenhaufen ihrer zerbrochenen Erwartungen zurückzulassen. Vielleicht gehen sie auch von sich selbst weg und all dem, was sie hätten sein können, wieder zurück in ihr altes Leben.
 
Es fällt auf, dass die Jünger nicht stehen bleiben. Sie gehen weiter, nicht nur mit ihren Füßen, sondern auch in Gedanken, Worten und Erinnerungen. Sie versuchen, die Geschehnisse zu verstehen, indem sie erzählen, was passiert ist. Und doch kommen sie nicht weiter. Im Gehen stößt ein Dritter zu ihnen und beginnt, ihre Geschichte zu teilen und neu zu deuten, ohne sich aufzudrängen. Da beginnt sich etwas zu verschieben, ganz langsam, beinahe unmerklich. Es ist keine plötzliche Erkenntnis, sondern ein Erahnen, das sich im Weitergehen vollzieht. „Brannte nicht unser Herz in uns?“ – werden sie im Nachhinein sagen. Das Entscheidende geschieht, noch bevor es erkannt wird.
 
Darin liegt eine Spur, die weit über diese Geschichte hinausweist: Glaube zeigt sich nicht immer in Klarheit oder eindeutigen Antworten, sondern in einer Bewegung, die sich oft erst im Nachhinein erschließt.
Walburga Geiselhart lebt in Kettenacker, und viele kennen sie. Wenn sie von ihrem Weg erzählt, dann nicht von großen Entscheidungen, sondern von einem Hineinwachsen in das, was sich als richtig erwiesen hat. Schon früh stand sie an einer Weggabelung. Während ihrer Ausbildung im Internat eines Klosters wurde sie gefragt, ob sie sich ein Leben im Orden vorstellen könne. Sie dachte darüber nach, ernsthaft. Und entschied sich anders, aber nicht gegen ihren Glauben, sondern für einen anderen Weg mit ihm: für ihre Eltern, die sie brauchten, für das Leben auf dem Hof, für die Verantwortung, die dort auf sie wartete.
Was folgte, war ein Leben der Verlässlichkeit. Sie unterstützte ihre Eltern und später ihren Bruder auf dem Hof, auch als sie selbst verheiratet war, Kinder hatte und einen Beruf ausübte. Es waren keine Entscheidungen, die Aufmerksamkeit suchten, aber Burga traf sie und hat sie nie bereut.
 
Doch sie spürte auch eine Bewegung in sich: das Bedürfnis, in den Dienst für Gott einzutreten. So kandidierte sie für den Pfarrgemeinderat. Zweimal ohne Erfolg. Aber sie kandidierte erneut, wurde gewählt und brachte sich zwanzig Jahre lang ein. „Der Glaube muss lebendig bleiben“, sagt sie.
 
Und noch einmal beginnt etwas Neues. Mit über 50 Jahren setzt sie sich an das Klavier ihrer Tochter, lernt, übt und nimmt Klavierstunden, um Andachten auf der Orgel begleiten zu können. Nicht aus Notwendigkeit, sondern weil sie spürt, dass da etwas Ausdruck sucht.
 
Burga ist inzwischen 86 Jahre alt und reinigt die Kirche in Kettenacker seit über 26 Jahren. Ein leiser, stiller Dienst, der selbstverständlich wirkt, ihr aber viel Hingabe abverlangt.
Vielleicht zeigt sich darin, was die Emmausgeschichte andeutet: dass Glaube sich im Gehen bildet, im Hören, im Antworten auf das, was sich im Inneren regt. Und dass manches erst spät Gestalt annimmt.
„Brannte nicht unser Herz in uns?“ – das ist keine Frage, die sich nur auf einen Moment bezieht, sondern auf ein ganzes Leben, so wie es bei Burga war und ist.
 
Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen und Euch
Alena Wassmer, Pastoralreferentin
 
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-14-16 Osterausgabe
 
 
Ostern: das Anti-Tod- Festival
 
Es gibt für mich jedes Jahr ein geniales Festival, das die etablierte Ordnung dieser Welt total stört und durcheinanderbringt. Sie beginnt in der Nacht und wir ziehen zu einem Feuer, das die Dunkelheit durchbricht und unser Demonstrationszug trägt das Motto: „diese Nacht ist anders als alle anderen Nächte“, sie beschwört die Macht des Lebens, sie besingt das Ende von Leid, Tod und Traurigkeit. Wir versammeln uns um ein loderndes Feuer, „das für immer brennt, das für immer brennt“ und die Demonstranten und Demonstrantinnen singen das Lied vom Leben über den Tod hinaus.
Dieses Anti-Tod-Festival ist meine Lieblingsfeier im Kirchen- und Weltenjahr. Hier proklamieren Menschen das Ende des Todes. Sie stehen gemeinsam auf und wehren sich gegen die Macht, die uns nimmt, was uns lieb ist und die unsere ganzen Träume, Wünsche und Sehnsüchte nach prallem Leben zerstört. Hier feiern Menschen die unüberwindliche Stärke des Lebens. Hier singen Menschen das Lied von der Schönheit eines fortdauernden Lebens, das sich dem Tod nicht geschlagen geben muss.
Es ist ein tolles Widerstandsfest gegen die brutale Macht des Todes. Die Demonstranten/innen die bei diesem Anti-Tod-Festival mitmachen, ziehen durch die Nacht in die Helligkeit des Tages und sie sind sich bei der Feier einig, dass es etwas Stärkeres in dieser Welt gibt. Eine Kraft, die wir das „göttliche DU“ nennen, die dieser harten Wirklichkeit einen völlig neuen „Dreh“ geben kann.
Ich freue mich sehr auf diesen jährlichen Anti-Tod-Demonstrationszug.
Wir feiern ihn in Trochtelfingen bewusst mitten in der Stadt im Freien und nicht hinter schalldichten Kirchenmauern, also laut, sichtbar, bewusst, ökumenisch und mit großem Selbstbewusstsein. Wir sind der Überzeugung, wir haben eine gute Botschaft im Gepäck. 
 
„Tod wo ist dein Stachel?“
Ätsch, wir kennen EINEN, der Ihn Dir zieht und Dir den Garaus macht!   
 
Matthias Kopp, Pastoralreferent
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 13
 

 

Hier fängt Zukunft an
 
Unter diesem Motto setzt sich Misereor mit ihrem Partner in Kamerun dafür ein, Chancen zu ermöglichen und Zukunft zu sichern. Zukunft ist mehr als eine Zeitform: Sie ist gestaltbar, ein Möglichkeitsraum, den wir mit unseren Wünschen, Entscheidungen und Ideen prägen. Zukunft beginnt auch dort, wo junge Menschen Chancen erhalten, ihre Stärken zu entfalten und Verantwortung zu übernehmen. Berufliche Bildung ist dabei ein wichtiger Schlüssel: Sie schafft Perspektiven, stärkt Selbstbestimmung und fördert gesellschaftliche Teilhabe. Doch der Zugang zu und die Qualität von beruflicher Bildung sind weltweit ungleich verteilt. In Kamerun ist fast die Hälfte der Bevölkerung unter 15 Jahre alt. Viele Jugendliche zieht es auf der Suche nach Ausbildung und Arbeit in die Hafenstadt Douala – das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Doch Ausbildungsplätze sind rar und die Ausbildungskosten stellen für viele Familien eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Mitarbeitende der Misereor-Partnerorganisation CODAS Caritas Douala unterstützen junge Menschen in Douala dabei, ihre Talente zu entfalten und eigene Wege in eine Ausbildung oder die Selbstständigkeit zu finden – für eine bessere Zukunft.
 
Hier fängt Zukunft an.
 
Diese Überschrift passt auch für das Evangelium des heutigen Sonntages, die Auferweckung des Lazarus. Wie schon am letzten Sonntag bei der Begegnung am Jakobsbrunnen, kommt es auch heute vor allem auf das Gespräch zwischen Jesus und den Schwestern des Lazarus an. Behutsam führt Jesus sie zur Erkenntnis und zum Bekenntnis, dass er der „Messias“ ist und in ihm Leben in Fülle ist.
Wie an den vergangenen beiden Sonntagen geht es auch in dieser Geschichte um die Grundfrage, die Johannes in seinem ganzen Evangelium bewegt, eine Frage, die auch heute höchst aktuell ist: Wie kommen Menschen zum Glauben an Jesus? Schrittweise wird auch Martha zum Glauben an Jesus geführt – schrittweise, genauso wie die Frau am Jakobsbrunnen und der Blindgeborene in Jerusalem. Schrittweise kommen Menschen zum Glauben an Jesus: Zuerst ist er nur ein Rabbi oder ein Prophet. Dann aber kommt schließlich das Bekenntnis: Du bist der Retter der Welt. Und Jesus offenbart sich in dem, was er sagt und tut als „Licht und Leben“. Auch wir kamen und kommen schrittweise zum Glauben – von den Anfängen in der Kindheit bis heute. Auch die Kinder kommen schrittweise zum Glauben: zuerst in der Familie und in der Schule, in der Vorbereitung auf den Weißen Sonntag und auf die Firmung in unseren Pfarrgemeinden. Es sind Stufen, Stationen auf dem Weg zu einem erwachsenen Glauben, wie wir hoffen. Wie steht es um unseren Glauben, liebe Christen? Was antworten wir auf die Frage Jesu an Martha: „Glaubst du, dass ich die Auferstehung und das Leben bin?“ Können wir vertrauen, dass unsere Verstorbenen bei Gott leben? Und dass wir selbst nach unserem eigenen Tod bei Gott leben dürfen?
Wie die Frau am Jakobsbrunnen, der Blindgeborene in Jerusalem und Martha aus Betanien zum Glauben an Jesus gefunden haben, so sollen auch wir unseren Glauben an Jesus in dieser Fastenzeit erneuern und stärken. Und erneut die Frage beantworten: Wer ist Jesus für mich?
Das Bekenntnis der Marta ist das Grundbekenntnis der Christen. Jeden Sonntag beten wir im Glaubensbekenntnis der Messe: „Ich glaube an Jesus Christus“ und „ich glaube an die Auferstehung der Toten“. Allzu selbstverständlich sprechen unsere Lippen das aus. Doch leben wir auch tatsächlich aus diesem Glauben? Schenkt uns dieser Glaube Hoffnung und Kraft in den alltäglichen Herausforderungen des Lebens? Darauf kommt es an. Wenn ich mich wie versteinert fühle, wenn Umstände mich wie lebendig begraben sein lassen und ich die Macht des Todes hautnah spüre, dann entscheidet es sich, ob mein Glaubensbekenntnis auch ein Lebensbekenntnis ist oder nur ein Lippenbekenntnis. Möge die Hoffnung auf Gott uns wie Marta wirklich tragen, dann können wir die Todesfurcht überwinden in unserem Reden und Handeln! (Brigitte Schmidt, in Gottes Wort im Kirchenjahr)
 
Ich wünsche eine gesegnete Fastenzeit, Vorbereitung auf Ostern
Wolfgang Drescher, Kooperator
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-12
 
Dees isch jo ällerhand - doch wen wundert‘s?
 
Es ist schon erstaunlich, was in so einem schwäbischen Spruch wie „dees isch jo ällerhand“ alles darin steckt: man erlebt etwas Außergewöhnliches, man ist erstaunt und gleichzeitig ist man vielleicht sogar empört darüber. Ja und der schwäbische Ausdruck „dees isch jo ällerhand“ beschreibt auch eine Situation, die eben außergewöhnlich, eben erstaunlich und gleichzeitig vielleicht sogar empörend ist: und das ist das Wunder, beschrieben im heutigen Evangelium zum vierten Fastensonntag: ein Blinder kann wieder sehen. Ein Blinder wird durch Christus, Jesus geheilt. Diese Begebenheit verstört die damals gängige Sicht auf die Dinge: die Pharisäer können sich keinen Reim darauf machen, wer der große Heiler ist, und letztlich will der Evangelist Johannes in ein großes Glaubensbekenntnis führen, was da heißt: Jesus ist der Menschensohn, er ist der Herr, er ist der Christus! Alle, die dieses Zeugnis hören und lesen, sollen in ihrem eigenen Glauben an Christus gestärkt werden. So die Theologie, so die biblische Botschaft.
 
Und was steckt jetzt für uns nun darin, für uns, die wir das Evangelium als eine heilige Schrift im heiligen Geist in unserem Glauben lesen? Was kann es uns eröffnen, so dass wir im Glauben gestärkt unser Leben mit Christus Leben? Ich denke, die Tatsache geheilt zu werden, hier sogar das Augenlicht wieder zu bekommen, ist menschlich gesehen eine Wucht, „ällerhand“, wunder-bar!
 
Ich konnte das selbst in den letzten Wochen erleben, als ich, wie quasi mit einer Hiobsbotschaft beginnend, eine Augen- Not- OP aufgrund einer Netzhautablösung höchsten Grade erlebte. Mir ist geholfen worden in medizinischer Kompetenz, zum richtigen Zeitpunkt in einem perfekten Operationsstil. Das Resultat: Ich bin von einer Erblindung gerettet worden und sehe nun im Heilungsprozess täglich mehr und mehr und mehr…
Nun waren es die Ärzte, die ganz konkret in ihrer Kunst mich befreit haben. Aber: Steckt für den gläubigen Menschen und auch für den Menschen nicht sodann ein tiefes, dankbares Gefühl des Geheilt-seins aufgrund des Getragen-seins in Gott, in und mit seinen Schutzengeln, umgeben von lieben Menschen, die mit einem durch dieses Tal gehen und gegangen sind? Stellt sich dann für den Gläubigen nicht in einem tieferen Sinne dar - mit und durch die Kompetenz der Ärzte, deren Berufsethos und Einstellung zu ihrer Arbeit-, was der Gläubige mit dem Geist Christi identifizieren kann? Ist nicht der ganze Prozess von Hiobsbotschaft bis Heilung durch den guten Verlauf ein Zeichen des Getragen-seins in Gott, der es gut meint? Wen wundert`s?
 
Im Hören und Meditieren des heutigen Evangeliums spiegelt sich in einer tieferen Dimension das Gehalten-sein in Gott, das, was ich heilsam durch die Menschen erlebt habe! Und in dieser Sicht der Dinge bleibt neben der tiefen Dankbarkeit auch, wie es der Geheilte im Evangelium gesagt hat, eine Verbundenheit mit Christus, der und dessen Geist das Wunderbare bewirkt: und das isch doch ällerhand! Oder?
 
Allen einen gesegneten und Geist-inspirierten vierten Fastensonntag: Harald Stehle, Vikar - Gesamtkirchengemeinde, Biberach
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-11
 
 

Wer wählt, bestimmt – wir gehen zur Wahl

 

Am kommenden Sonntag wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Wir entscheiden mit unserer Stimme mit, wer das Land in den kommenden Jahren gestaltet – von Bildung über Umwelt bis Wirtschaft. Zum ersten Mal gilt ein geändertes Wahlrecht. Wir haben zwei Stimmen, die eine für eine Person im Wahlkreis, die andere für eine Partei auf Landesebene. Und das Wahlalter wurde auf 16 Jahre herabgesetzt.

Wählen zu können ist ein Recht, das nicht hoch genug geschätzt werden kann. Jede Stimme zählt gleich viel – welch schöner Gedanke. Durch unsere Wahl entsenden wir als Gesellschaft unsere Vertreter, jeder Wahlberechtigte kann so aktiv an Demokratie mitwirken. Lange genug wurde in unserer Geschichte um das Wahlrecht gekämpft. Eine Wahlpflicht gibt es nicht – es gibt aber durchaus eine moralische Pflicht, wählen zu gehen, der wir nachgehen sollten, weil sonst Demokratie nicht funktioniert. Will heißen: Demokratie hat einen Anspruch darauf, dass wir wählen gehen.Damit wir uns recht verstehen: Bestimmt gibt es viele Nichtwähler, die trotzdem sehr politisch sind und bewusst nicht zur Wahl gehen. Ob sie sich aber über die Wirkung ihres Verhaltens im Klaren sind, darf bezweifelt werden. Durch ihr Nichtwählen tragen sie nämlich ganz entscheidend zum Ausgang von Wahlen bei. Ihre Wahl-Enthaltung kommt unter Umständen Gruppierungen zugute, die sie nie unterstützen wollten und die unserer Gesellschaft mehr schaden als guttun. Nicht zu wählen schadet keiner Partei. Wähle ich hingegen, kann ich eine Partei klar der anderen vorziehen. Es funktioniert auch nicht, einer Partei einen Denkzettel verpassen zu wollen und deshalb eine andere zu wählen. Man bedenke die Folgen.In jedem Fall ist es also problematisch, sich nicht an Wahlen zu beteiligen. Gegen den Standpunkt, es bringt ja eh nichts, ist zwar wenig auszurichten, objektiv ist er aber nicht haltbar. Wahlen bestimmen über mein tägliches Leben. Ob Kindergarten, Landwirtschaft oder Klimaschutz. Wer wählt, bestimmt auf jeden Fall mit. Im Idealfall wählen wir begründet unter Berücksichtigung unserer eigenen Interessen, zum Wohle der Allgemeinheit.Was heißt das für uns Christen? Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, finden, dass wir Christen aufgrund unseres Glaubens besonders aufgefordert sind, unsere Stimme abzugeben. Denn das Christentum ist eine zutiefst politische Religion, Jesus hat sich für die Schwachen und gegen die Mächtigen eingesetzt, wenn sie ihre Macht missbrauchten. Deshalb sind wir als Christen aufgerufen, aktiv an der Demokratie teilzunehmen. Unser Grundgesetz beinhaltet schließlich urchristliche Kerngedanken und Werte. Christen sollten also wählen gehen, um Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen und christliche Werte wie Nächstenliebe und Gerechtigkeit aktiv mitzugestalten. Das ist unsere staatsbürgerliche moralische Pflicht und gleichzeitig die Möglichkeit, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen, die das Leben von uns allen betreffen. So können wir helfen, Gottes Schöpfung zu bewahren und aktiv an einer gerechten Gesellschaft mitwirken. Wir können unsere Werte und Prinzipien wie Nächstenliebe, Solidarität, Gerechtigkeit, Respekt vor Andersartigkeit und Verantwortung in die Politik einbringen.Ob die am Sonntag zur Wahl stehenden Parteien diese Grundwerte in ihrem Wahlprogramm verankert haben, müssen wir als Wähler oder Wählerin selbst entscheiden. Das ist in unserer medialen Welt, in der Lüge nicht mehr recht von Wahrheit unterschieden werden kann, zugegebenermaßen gar nicht so einfach. Sicher aber ist: Jegliche Formen von menschenverachtendem Extremismus und Populismus stehen in absolutem Widerspruch zu unseren christlichen Werten und gefährden das demokratische und friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Wo wir am Sonntag unsere zwei Kreuze setzen, können und dürfen nur wir mit unserem Gewissen ausmachen. Es überhaupt zu tun, bedeutet aber, Verantwortung zu tragen für ein Miteinander aus dem Glauben. Gehen wir zur Wahl!Wir wünschen Ihnen und unserem Ländle eine gutüberlegte und verantwortungsvolle Entscheidung. Hilde Butscher und Matthias Kopp Wir unterstützen diesen Wahlaufruf:
 
Vertreter/in der Kommunen       
Fischer Katja, Bürgermeisterin Trochtelfingen
Traub Reinhard, Bürgermeister Neufra
Rautenberg Maik, Bürgermeister Veringenstadt
Schmidt Andreas, Bürgermeister Gammertingen
Eiffler Daniel, Bürgermeister Hettingen
 
Vertreter/Innen der Kirche
Drescher Wolfgang, Pfarrei Herz Jesu
Winter Olaf, Pfarrer, Pfarrei Herz Jesu       
Danner Bärbel, Pfarrerin Mariaberg
Nottbrock Renate, Diakonin Mariaberg
Kopp Matthias, Pastref. Pfarrei Herz Jesu
Butscher Hilde, ehem. PGR Vorsitzende Gammertingen
                                                                                                              

 

 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-10
 
Was ist denn so wichtig, dass wir es unbedingt weitersagen müssen???
 
Wir leben in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche. Digitalisierung, Globalisierung u.v.m. erzeugen Forstschritt, aber auch Verunsicherung. Deshalb ist es wichtiger denn je, für uns als Kirche der Frage nachzugehen, was und wer gibt uns Orientierung, Halt und ein festes Wurzelwerk das uns trägt. Es ist Gottes Wort, das Evangelium. Es bleibt die Frage. wie bringen wir es zu den Menschen.
 
Im heutigen Evangelium nimmt Jesus drei seiner Jünger beiseite und steigt mit ihnen auf den Berg Tabor. Was ihnen da widerfahren ist, muss überwältigend gewesen sein. Einrichten wollten sie sich dort oben. Wohl nicht wegen der schönen Aussicht und des herrlichen Blickes. Sie spürten vielmehr, die Nähe und Herrlichkeit Gottes.
 
Befällt nicht auch uns manchmal eine Sehnsucht nach einer solchen Nähe Gottes, wie die Jünger sie dort oben erfahren durften? Wären wir nicht gern selbst dabei gewesen? Was wäre, wenn uns Gott tatsächlich auf die Seite nehmen, uns einladen würde. Würden wir mitgehen, ohne wenn und aber? Oder würden wir uns Bedenkzeit einräumen, jetzt passt es gerade nicht, ein anderes Mal gerne. Ich finde, Gott will auch uns immer wieder mitnehmen, doch in der Hektik und im Getriebe des Alltags hören wir seine Stimme nicht. Sie geht unter in unserer lauten Welt. Manchmal verzichten wir sogar bewusst auf die Einladung Gottes.
 
Für die drei Jünger hieß es schließlich, wieder herunter vom Berg, zurück in den Alltag. Dabei wären sie doch so gerne dort oben geblieben. Hütten wollte Petrus bauen, diese schöne Erfahrung für immer genießen. Doch daraus wurde nichts. Der kurze Augenblick, dieses schöne Erlebnis von Gottes Herrlichkeit, vor allem aber die Gewissheit seiner Gegenwart, sie sollte den Jüngern Kraft und Zuversicht geben. Tabor war für sie eine wichtige Etappe, eine Lebenserfahrung, ein kurzer aber kostbarer Augenblick auf ihrem Lebensweg.
 
Ende Januar war ich bei der feierlichen Investitur der neuen Pfarrei Herz-Jesu Gorheim. Wer dabei war, erlebte eine selten gewordene Atmosphäre: Eine vollbesetzte Kirche, zahlreiche Zelebranten, eine feierliche Liturgie, umrahmt vom Gesang der 150 Chormitglieder aus verschiedenen Kirchenchören der Raumschaft. Allein das Bild in der Klosterkirche vermittelte eine Aufbruchstimmung. Es schien, als würden alle Probleme und Beschwernisse wie die verbleibenden fragen erst einmal abfallen.
 
Wie immer und überall im Leben wird auch in der neuen Pfarrei auf diese zauberhafte Erfahrung des Anfangs der normale Alltag folgen. Es wird nicht möglich sein, das kirchliche Leben neu zu erfinden. Vielmehr gilt es, was in den Gemeinden gewachsen ist und Früchte trägt zu stärken und zu erhalten. Dazu sind wir alle aufgerufen. Hoffnung gibt uns das Evangelium.
 
Die Jünger, von denen die Rede ist, das sind wir. Uns gilt diese Botschaft und die Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. 
 
Ich wünsche Ihnen allen einen gesegneten Sonntag, eine erfüllte Fastenzeit und viel Freude an der Weitergabe des Glaubens.
 
Werner Eisele, Diakon
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-8-9
 
 
Fastenzeit – Zeit mich neu zu entdecken
 
Beim Blick auf die vorösterliche Bußzeit, wie sie auch genannt wird, fallen mir Dinge ein, auf die Menschen verzichten: Alkohol, Schokolade, Fleisch, andere kulinarische Delikatessen, weniger Partys, weniger Medienkonsum…
Es gibt auch den wertvollen Blick darauf, was ich in der Fastenzeit „mehr“ machen kann: Mehr helfen, öfters zuhören, bewusste Besuche, mehr Zeit verbringen mit den Menschen, die sonst zu kurz kommen, über den Tellerrand schauen, teilen mit bedürftigen Menschen, einen Blick in mein Inneres werfen, ein versöhnendes Gespräch suchen, Schritte auf Gott zu und mit Gott wagen…
Nicht umsonst ruft uns das größte katholische Entwicklungshilfswerk in Deutschland, Misereor in der Fastenzeit dazu auf, uns für benachteiligte Menschen einzusetzen.
Wir sind aufgerufen, uns solidarisch zu zeigen mit der weltweiten Menschengemeinschaft, besonders mit denen, die nicht von Luxus und materiellem Wohlstand beschenkt sind und doch ihr Leben irgendwie meistern müssen.
Seit 1958 unterstützt Misereor Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien, um Armut, Hunger und Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Der Fokus liegt auf Hilfe zur Selbsthilfe, unabhängig von Kultur oder Religion.
Die diesjährige Aktion steht unter dem Leitwort: „Gemeinsam träumen – Liebe sei Tat.“
„Es erinnert uns daran: Liebe ist nicht nur ein schönes Wort oder ein Gedanke – sie zeigt
sich in konkreten Handlungen, in kleinen Gesten, im Miteinander. Die Fastenzeit lädt uns
ein, bewusst hinzuschauen, wo Liebe sichtbar wird, und uns selbst zu fragen, wie und vor allem was wir dazu beitragen können.
Misereor nimmt das zum Anlass und lädt Sie ein: Machen Sie sichtbar, wo Liebe sich als
Tat zeigt – in Gemeinde, Familie, im Alltag. Jede kleine Tat, jedes aufmerksame Wort,
jede helfende Hand zählt – und jede einzelne davon ist ein Zeichen von Gottes Gegenwart in der Welt.
Indem wir unsere Erfahrungen teilen, entsteht ein lebendiges Bild der gelebten Liebe,
das Mut macht, die Fastenzeit bewusst zu nutzen und in der Osterzeit daran anzuknüpfen. Wir erkennen: Liebe wirkt – nicht irgendwann, nicht irgendwo, sondern
hier, heute, durch uns alle gemeinsam.“ Hannah Braucks, Misereor
 
In unserer digitalen Welt gibt es viele Angebote auch über Smartphone und Email die Fastenzeit „anders“ zu gestalten, als die restlichen Wochen im Jahr.
Wenn Sie Lust dazu haben, schauen sie doch als Familie oder Paar im Internet rein bei der „7 wochen Aktion“ von der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e. V.
Dieses Jahr geht es unter dem Motto „7 Wochen WERTvoll“ um folgende wöchentliche Impulse:
·      Was ist würde- und WERTvoll für uns? 
  • Welchen WERT hast du, habe ich, haben wir füreinander? 
  • Wie feiern wir unsere Unterschiede WERTvoll?  
  • Welche Momente machen unsere Zeit WERTvoll? 
Wer sich lieber hier vor Ort und mit echten menschlichen Begegnungen auf den Weg machen möchte, ist bei den ökumenischen Exerzitien im Alltag richtig.
Bei all dem wünsche ich Ihnen einen wachen und ehrlichen Blick auf sich selbst, ein offenes Ohr für die Menschen um sie herum und hier und da eine mutmachende Begegnung mit dem Gott, der uns am Ende der Fastenzeit mit neuem, verwandeltem Leben beschenkt!
Sabine Teufel-Rick, Gemeindereferentin
 
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-7
 
Salzstreuer griffbereit halten. Licht bitte anlassen.
 
 „Was bleibt, wenn sich alles ändert?“
Der Vorgängerartikel hat diese Frage sehr konkret beantwortet. Pfarrbüro bleibt. Erreichbarkeit bleibt. Menschen bleiben, die zuhören, organisieren, begleiten, mitdenken. Wer anruft, wird gehört. Wer trauert, bleibt nicht allein. Wer feiern will, findet offene Türen. Das ist nicht besonders spektakulär, aber es ist so nah am Evangelium. Jesus hat schließlich auch nicht mit großen Erklärungen und Anweisungen begonnen, sondern mit Nähe.
Und vielleicht ist das schon der erste Hinweis: Der Herr scheint eine besondere Vorliebe für das Unspektakuläre zu haben. Für Dinge, die einfach da sind und wirken. Salz zum Beispiel. Licht. Beides fällt nicht durch Größe auf, sondern durch Wirkung und oft bemerkt man sie erst, wenn sie fehlen.
Natürlich ändert sich auch einiges. Weniger Eucharistiefeiern. Neue Gottesdienstzeiten. Wortgottesdienste auch an Feiertagen. Das fühlt sich erst einmal nach Abschied an. Nach „früher war da mehr Lametta“. Aber vielleicht ist es eher ein Umlernen. Ein Neu-Hinhören. Jesus sagt nicht: Ihr habt möglichst viele Gottesdienste zu organisieren. Er sagt: Ihr seid Salz. Ihr seid Licht. Punkt.
Und Salz wirkt nicht, indem es sich wichtigmacht. Es löst sich auf. Es mischt sich ein. Es macht anderes haltbar. Licht wiederum steht einfach da. Es zeigt Richtung. Es blendet nicht, wenn man es richtig platziert. Vielleicht geht es gerade genau darum: weniger Programm, aber mehr Wirkung. Weniger Gewohnheit, aber mehr Bewusstsein.
Die Pastoralkonzeption 2030 der Erzdiözese Freiburg traut Gemeinden genau das zu. Sie sagt im Grunde: Ihr könnt das. Nicht alles. Nicht allein. Aber miteinander. Und mit dem Herrn, der bekanntlich gern mit wenig anfängt. Fünf Brote, zwei Fische, zwölf ziemlich unterschiedliche Jünger. Der Rest … ist Geschichte.
Besonders schön wird das beim Blick auf die Gemeindeteams. Wachsame Augen, offene Ohren, ein Gesicht vor Ort. Das ist keine Verwaltungsidee, sondern sehr nah am Evangelium. Menschen, die sehen, wo etwas fehlt. Die merken, wenn jemand aus dem Blick gerät. Die nicht alles selbst machen müssen, aber wissen, wann etwas wichtig wird. Salz eben. Licht eben. Keine Scheinwerfer, dafür aber stabile Stehlampen.
Und über allem steht ein beruhigender Gedanke: Der Herr ist nicht nervös. Er hat keine Angst vor weniger Personal, veränderten Zeiten oder neuen Strukturen. Er hat schließlich selbst gesagt, dass das Reich Gottes eher wie ein Senfkorn und nicht wie ein Großprojekt funktioniert.
Was bleibt also, wenn sich alles ändert?
Vertrauen. Nähe. Verantwortung. Und ein Gott, der mitten drin ist und sagt: Ihr seid es schon. Salz. Licht. Macht weiter. Ich bin da.
Denn eines ist sicher: Salz, das sich nicht auflöst, nützt niemandem. Und Licht, das aus Angst vor Kritik ausbleibt, auch nicht.
Ermutigt durch Jesu Zuspruch wünsche ich Euch und Ihnen allen einen gesegneten Sonntag.
Pastoralreferentin Alena Wassmer
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 6
 
Was bleibt, wenn sich alles ändert?
 
Zunächst die gute Nachricht: Gammertingen bleibt in der neuen Pfarrei Sigmaringen Herz Jesu ein wichtiger Knotenpunkt, an dem es ein verlässliches Team von hauptamtlichen Mitarbeiter/innen gibt, die sich um die Seelsorge und die persönlichen Belange, Anliegen und Bedürfnisse der Gemeindeglieder kümmern. Außerdem bleibt in Gammertingen das Pfarrbüro erhalten, das gut besetzt ist und das günstige Öffnungszeiten bietet. Zudem sind wir über Telefon fast jederzeit erreichbar bzw. melden uns in kürzester Zeit zurück, wenn Sie ihr Anliegen auf Band gesprochen haben oder hinterlassen Ihnen eine Handynummer.
Taufanmeldungen, Anmeldungen für Eheschließungen, Beerdigungsanfragen, Gottesdienstplanung, Erstkommunion- und Firmvorbereitungsfragen und Anliegen werden über das Pfarrbüro seriös abgewickelt. Messintentionen können Sie weiterhin ganz unkompliziert über das Pfarrbüro anmelden. Seelsorgebesuche, Krankenkommunion oder Krankensalbungsangebote können Sie ebenfalls mit uns vereinbaren und wir werden Sie gerne zuhause besuchen. Wenn Sie die Goldene Hochzeit bzw. andere besondere Feiern in Planung haben, bei denen Sie sich eine Unterstützung wünschen, so wenden Sie sich wie bisher vertrauensvoll an unsere Sekretärinnen im Pfarrbüro. Hier erhalten Sie auf alle ihre Fragen eine qualifizierte Antwort.
 
Was ändert sich? In Zukunft wird die Zahl der Eucharistiefeiern zurückgehen. Das hat mit dem Weggang von Pfarrer Wolfgang Drescher im Sommer zu tun und mit der Auszeit von Pater Anoob aus Straßberg, der zusammen mit Pfarrer Olaf Winter nach den Sommerferien für die Eucharistiefeiern zuständig sind. Der Anteil und die Angebote von Wortgottesfeiern ist davon nicht betroffen. Die Gemeinden vor Ort werden sich darauf einstellen müssen, wichtige Kirchenfeste als Wortgottesfeiern zu zelebrieren, damit wichtige Feiertage nicht unter den Tisch fallen.
 
Was ändert sich? Ab Pfingsten werden in allen Pfarreien von Gammertingen bis Sigmaringen über Pfullendorf und Meßkirch die Gottesdienstzeiten angepasst. Die Eucharistiefeiern am Vorabend beginnen um 18.30 Uhr. Die Eucharistiefeiern am Sonntag beginnen um 9.00 Uhr oder um 10.30 Uhr. Diese festgelegten Zeiten sollen für Verlässlichkeit und Sicherheit sorgen. In der Knotenpunktkirche St. Leodegar in Gammertingen wird es immer ein Angebot am Sonntag um 10.30 Uhr geben und zwar als Eucharistiefeier. Nur in seltenen Ausnahmesituationen tritt an die Stelle der Eucharistiefeier eine Wortgottesfeier. Auch die bisherigen Eucharistiefeiern am Wochentag werden sicher einen neuen Rhythmus erhalten und können nicht wie bisher bedient werden.
 
Was ändert sich? Die Gemeindeteams vor Ort bekommen ein neues Gewicht und eine verstärkte Bedeutung. Sie sollen Mitsorge tragen, damit das Leben vor Ort nicht verkümmert und es weiterhin pastorale Angebote, Feiern und Feste gibt und die Belange der einzelnen Gemeinden, in denen sie mitorganisieren nicht unter die Räder kommen. Sie haben wachsame Augen und Ohren für die Anliegen ihrer Mitglieder und sollen der Gemeindearbeit ein Gesicht geben. Sie können und müssen natürlich nicht die ganze Arbeit schultern, aber Sie dürfen im Blick behalten und mit überlegen, was für eine lebendige Gemeinde nötig ist. Der Pfarreirat hat übergeordnete Aufgaben zu erledigen. Die neuen Gemeindeteams werden durch Gemeindeversammlungen gewählt oder berufen. Wir werden diese Gemeindeversammlungen mit einem Samstag- oder Sonntagsgottesdienst verbinden. In der Predigt kann auf Sinn und Zweck des GT’s eingegangen werden und die Kandidaten/innen werden namentlich vorgestellt. Danach kann man das Team bestätigen oder wählen, je nach Entscheidungslage vor Ort.
 
Folgende Termine sind vorgesehen: Feldhausen/Harthausen am Sa. 28.2. um 18.00 Uhr, Neufra am So. 1.3. um 8.45 Uhr, Kettenacker am Sa. 7.3. um 18.00 Uhr, Gammertingen am So. 8.3. um 10.15 Uhr, Steinhilben am Sa. 21.3. um 18.00 Uhr, Trochtelfingen am 22.3. um 10.15 Uhr.
Die Gemeindeversammlungen sind immer direkt im Anschluss an die o.g. Gottesdienste.
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 2026-5
 
Ich will euch zu Menschenfischern machen!
 
Im Mittelpunkt des Sonntagsevangeliums steht die Berufung der ersten Jünger. Mitten aus ihrem Alltag, mitten in ihrer Arbeit und fast beiläufig begegnet Jesus diesen Menschen, ruft er sie in seine Nachfolge. „Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen“ sagt er zu Simon und Andreas und auch Johannes und Jakobus wird er mit ähnlichen Worten berufen haben. Die vier lassen buchstäblich alles stehen und liegen und folgen Jesus nach.
„Ich werde euch zu Menschenfischer machen“ sagt Jesus zu diesen gestandenen Männern, die Tag für Tag, Nacht für Nacht die schwere Arbeit des Fischfangs auf den See Genesaret tun, ihre Netze ausgeworfen haben. Der Erfolg ihrer Arbeit ist nicht nur von Ihrem Können und ihrer Erfahrung abhängig, sondern von Wind und Wetter und auch vom Glück.
Menschenfischer klingt nach Bauernfänger, so als ob sie Menschen mit mehr oder weniger Gewalt an den Haken nehmen und für ihre Zwecke vereinnahmen sollen.  
„Menschenfischer“ im Sinne Jesus ist jedoch positiv gemeint: Menschen sollen in großer Zahl für Jesu gewonnen werden. In einer modernen / zeitgemäßen Übersetzung heißt es deshalb auch: „Ich werde euch zu Menschen machen, die andere für Gott gewinnen.“ Das ist der Auftrag mit dem Jesus die, die ihm nachfolgen in die Welt schickt. Dazu müssen sie aber zunächst einmal mit ihm gehen, ihn kennenlernen, seine Botschaft und seine Art und Weise diese den Menschen nahe zu bringen. 
Es sind Fischer, keine Gelehrten und bibelkundigen Männer, die Jesus zu Menschenfischern machen will, die er damit beauftragt Menschen für Gott zu gewinnen. Es sind Menschen, wie Du und ich, die Jesus damals und euch heute damit beauftragt, den anderen das Evangelium zu verkünden. Das beschränkt sich nicht nur auf die Theologen, die Pfarrer, und die Hauptamtlichen der Kirche: „Jeder Getaufte ist, unabhängig von seiner Funktion in der Kirche und dem Bildungsniveau seines Glaubens aktiver Träger der Evangelisierung“, so Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Evangeli Gaudium“.
Ich glaube, dass jeder und jede einzelne Getaufte den Auftrag hat, Menschen für Gott zu gewinnen, Menschenfischer zu sein. Freilich im Rahmen der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Die Eltern und Großeltern für ihre Kinder und Enkel, in der Arbeitswelt für die Kolleginnen und Kollegen, im ganz alltäglichen Leben für die Menschen, die mir begegnen. Es geht dabei nicht darum viel von Jesus oder Gott zu erklären. Vielmehr geht es darum durchscheinen zu lassen wie wir unsere persönliche Beziehung mit Gott, mit Jesus leben und pflegen, woraus wir die Kraft für unser Leben schöpfen. Vieleicht kann jemand zeigen, welchen Gewinn er aus dem Glauben hat. Manche können auch die Liebe, die Freude, die Zuwendung die Jesus selbst vorgelebt hat, an andere Menschen weitergeben.
Menschen für Christus gewinnen, das kann auf vielfältige Weise geschehen und das ist die bleibende Sendung der Kirche und jedes / jeder Einzelnen.
 
Ich wünsche einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche
 
Pfarrer Wolfgang Drescher
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 04-26
 
Herausforderung, Umbruch und Neuanfang: Der magische Termin 1. Januar 2026!
 
Es ist soweit: Zum 1. Januar 2026 treten wir in ein neues Zeitalter der kirchlichen Struktur im Erzbistum Freiburg. Nie gab es in der Geschichte der Diözese einen solch gravierenden Strukturwandel. Unser ehemaliger Vikar und heutiger Generalvikar Christoph Neubrand ist ein wesentlicher Mitarchitekt dieser Reform und gibt uns seine Perspektive für die Herausforderungen eines „neuen Denkens“ mit auf den Weg in die Zukunft. Neubrand unterstreicht die „Alternativlosigkeit“ der Kirchenentwicklung 2030. „Das Projekt sei eine Reaktion auf die Finanzsituation und auf die rückläufige Zahl sowohl der Ehrenamtlichen als auch hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ohne die Kirchenentwicklung wäre das System in diesen drei Bereichen an die Wand gefahren. Jetzt haben wir Handlungsspielräume. Ich bin mir sicher, dass wir die richtige Richtung gewählt und auch längerfristige Perspektiven geschaffen haben.“ Für Neubrand endet an dieser Stelle dann wohl auch das, was die Bistumsleitung und die Verantwortlichen auf den übergeordneten Ebenen dafür tun können. Vielleicht ist es wie mit dem Trainerteam einer Fußballmannschaft. Je nach Entwicklung des Spiels kann es nur noch in begrenzter Weise in das Geschehen auf dem Platz eingreifen und muss den Dingen ihren Lauf lassen. In der Hoffnung, dass die Spieler/innen die Lage richtig erfassen und entsprechend reagieren. Auf das kirchliche Leben übertragen heißt das: Es kommt spätestens jetzt in hohem Maße auf diejenigen an, die schon bisher die Kirche an ihrem Ort getragen haben. Meist ohne viel Aufhebens, nicht selten eher unauffällig im Hintergrund, mitunter über lange Zeiträume hinweg und oft außerhalb eines Gremiums und ohne „offiziellen Posten“. Diejenigen, die dort, wo sie leben, entscheidend dazu beitragen, dass in ihrem unmittelbaren Umfeld und rund um ihren Kirchturm Glaube, Hoffnung und Liebe erfahrbar bleiben – nach innen wie auch nach außen. Sie werden weiterhin dringend gebraucht und sollten sich nicht zuletzt aufgerufen fühlen, in den neuen Gemeindeteams mitzumachen und dafür Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen.
Ohne die Gemeindeteams wäre das „Projekt Kirchenentwicklung“ nicht komplett.
Wie überhaupt die Bedeutung des Engagements vor Ort – ob im Gemeindeteam oder in vielen anderen Feldern – kaum zu überschätzen ist. Denn was im Nahbereich nicht existiert, kann auch auf der großen Ebene kaum wachsen. Die Gemeindeteams sollen der Kirche vor Ort „ein Gesicht geben“, so wurde immer wieder zu Recht betont. Dazu brauchen sie die Begleitung und Unterstützung der Hauptamtlichen, aber auch die Freiheit und die Ermutigung, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Das Datum des 1. Januar 2026 markiert tatsächlich einen Neuanfang. Und darin sollte auch ein „Zauber“ wohnen, wie es in dem bekannten Gedicht von Hermann Hesse heißt. Zumindest eröffnen sich mit diesem Umbruch auch neue Perspektiven und Chancen. Diese zu erkennen und zum Wohle des Ganzen und aller Gläubigen in der jeweiligen Pfarrei zu nutzen ist die Aufgabe der nächsten Monate und Jahre. Um es mit dem Slogan der zurückliegenden Pfarreiratswahlen auszudrücken: „Auf geht’s!“
(Aussagen von Generalvikar Christoph Neubrand zur „Kirchenentwicklung 2030“ aus dem Pfarreimagazin „von Herz zu Herz“)
 
 
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 52-03  Weihnachtsausgabe
 
 
S‘ Chrischtkindle kommt wia jedes Johr“  -  Die Gnade der Weihnacht
 
Tief eingegraben in Seele und Gedächtnis sind die kindlichen Weihnachtsgefühle, wenn die Türe aufging, das Glöckchen klingelte und man den festlich geschmückten Christbaum mit Krippe und Geschenke sah und man gesagt bekam: „Jetzt war’s Chrischtkindle da“. Heute, etwa 60 Jahre danach wird klar, dass dieses Feiern von Weihnacht so etwas wie tiefes friedlich stimmiges Glück im Kinderherz unbewusst erscheinen ließ. So ein Gefühl, das nun vergleichbar im Erwachsenenalter bei mir entsteht, wenn ich nach dem Abspann der 6. Kantate des Weihnachtsoratoriums von J.S. Bach in tiefstem innerem Ruhezustand empfinden kann: „Dem gibt es nichts hinzuzufügen“. Und wenn ich dann noch den Schlusschoral mitschwingen lasse mit der geistlichen Aussage: „Bei Gott hat seine Stelle, das menschliche Geschlecht“, dann ist das ein Erfassen der Gnade der Weihnacht. Ja, die Gnade der Weihnacht führt uns zu unserem innersten Kern unseres Menschseins, lässt uns ganz bei uns sein, bringt mit sich schwingend einen großen Einklang mit sich und der Welt.
Mehr gibt es dann nicht zu sagen, mehr kann man nicht sagen, denn: „Dem ist eben nichts hinzuzufügen“. Mehr geht nicht, da es ein göttlicher Moment ist. Eben Gott in mir, Gott im Menschen, im Zeichen des Kindes in der Krippe. Theologisch als die Erfüllung aller Sehnsüchte des Menschen in prophetischen Ankündigungen benannt, eben der Friedensfürst, der Heiland, der Sohn Gottes für die Welt. Wenn gängig die Betonung auf göttliche Erlösung der Menschheit durch die Geburt Christi betont wird, so kann man menschlich in einem säkularen Umfeld von Aufleuchten der eigenen Bestimmung als Mensch sprechen. Gott wird sozusagen in mir neu geboren, alle Jahre wieder; wie jedes Jahr, so auch in Zukunft.
Schauen wir, was dieses Weihnachtsereignis mit uns macht, wenn wir es wieder neu begehen, feiern und uns vor Augen führen. Wenn wir ganz bei uns sind, in göttlichen Momenten und in göttlicher Kraft, getragen in weihnachtlicher Stimmung und Tradition. So können wir nach außen wirken und zu-frieden leben: dann bewegt uns nicht nur das kindlich empfunden „Chrischtkindle“, sondern der alles durchdringende Gott, der uns so zu weihnachtlichen Menschen macht.
 
In diesem Sinne euch allen die Gnade der Weihnacht!
 
Harald Stehle, Vikar Gesamtkirchengemeine Biberach
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 51
 
Was folgt nun?
 
In wenigen Tagen geht das Jahr 2025 zu Ende. Ein neues steht schon vor der Tür und das bringt eine große Veränderung mit sich. Die kirchliche Landschaft in unserer Diözese wird sich völlig verändern. Es entstehen 36 Groß-Pfarreien. Der eine oder andere blickt sicherlich mit etwas Sorge auf diese Veränderung. Leben, heißt sich wandeln.
 
Nun steht die Kirche vor diesen Herausforderungen und der Frage: ist Veränderung nötig – ja oder nein? Wenn man auf die Entwicklung der zurückliegenden Jahre schaut, lässt sich leicht feststellen, Religion spielt in unserer Welt eine immer geringere Rolle. Die Kirchenbesucherzahlen gehen seit Jahren drastisch zurück, die Austrittszahlen steigen rasant. Der Bischof reagiert mit einem neuen Modell. Noch weiß niemand genau um die Folgen. Eines ist sicher, auch wir müssen uns verändern, neue Wege gehen. Es wird auch in Zukunft Orte mit intensivem kirchlichem Leben geben, aus denen sich der Glaube entwickelt. Es wird aber auch Gemeinden geben, wo sich das kirchliche Leben verändert. Es wird Aufbrüche geben, genauso Abbrüche von liebgewordenem müssen wir uns verabschieden.
Auch in der Kirche gilt es mit ungeschöntem Blick die heutige reale Situation zu erkennen und dann Prioritäten zu setzen. Das kann nicht heißen, den Dingen einfach ihren Lauf lassen. Die Frage heißt, ist nicht gerade in dieser Zeit und Situation in der sich unsere Kirche befindet neues Vertrauen in die Kraft und Dynamik des Evangeliums von Nöten.
 
Dieser 3. Adventssonntag trägt den Namen Gaudete, d.h. Freue dich. Im Mittelpunkt steht Johannes der Täufer, Rufer und Mahner in der Wüste. Er spricht auch in unsere Zeit, kehrt um, was krumm ist soll gerade werden, was uneben soll eben werden. Dieser Johannes sitzt im Gefängnis, dort wartet er auf seinen Prozess. Aber im Innersten seines Herzens wartet er auf den, den die alten Propheten vor langer Zeit angekündigt haben. Einen der kommen soll, die Welt zu verändern. Eines Tages hörte er in der dunklen Zelle des Gefängnisses, er ist gekommen, er ist da, der langersehnte Messias. Hat es sich also doch erfüllt, was verheißen war. Es fällt ihm schwer zu glauben, die Zweifel lassen ihm keine Ruhe. So schickt er Boten zu Jesus und lässt ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir weiter warten. Die Antwort Jesu ist überraschend. Er gibt keine eindeutige Aussage, sondern sagt zu den Boten, berichtet dem Johannes was ihr gesehen habt. Blinde sehen, Lahme gehen, Kranke werden gesund und den Armen wird das Evangelium verkündet und selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.
 
Fassen wir Mut, gehen wir im Vertrauen, dass Gott mit uns geht. Stellen wir uns den Herausforderungen unserer Zeit. Sind wir nicht nur Zaungäste, sondern Mitarbeiter im Haus Gottes und gehen getreu der alten lateinischen Antiphon miteinander Gottes Wege.
 
Herr wir vertrauen auf dein Wort, es wirkt durch alle Zeiten fort.
Erlöse uns du bist getreu, komm schaffe Erde und Himmel neu.
 
Einen gesegneten 3. Advent und eine gute Woche wünscht
 
Werner Eisele
Diakon SE Gammertingen-Trochtelfingen
 
 
 Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 50
 
Advent – Mein Weg zur Krippe
 
Schon wieder sind wir mitten in der Adventszeit, die leider viel zu oft übervoll ist mit Terminen, Feiern und organisatorischen Aufgaben. Wir vergessen dabei allzu oft, wofür der Advent eigentlich da ist: Zur Vorbereitung auf das wunderbare Weihnachtsfest, auf das Geschenk der Geburt Jesu. In der äußeren Vorbereitung sind wir Profis: Lichterketten, Tannenbäume, Glitzerkugeln und schillernde Dekorationen stehen längst schön arrangiert bereit. Doch wie sieht die Vorbereitung in unserem „Innenraum“ aus? Ist der Weg in unser Herz bereitet?
 
Vielleicht finden Sie dazu ein Angebot in unseren Pfarreien, zum Beispiel eine Rorate mit Frühstück und bereichernden Begegnungen, einem adventlichen Sonntagsgottesdienst oder einen ansprechenden Text beim lebendigen Adventskalender…?
Wer andere Zugänge bevorzugt, könnte sich bewusst Zeit nehmen, um einen spirituellen Artikel zu lesen oder die hervorragende Musik zahlreicher Konzerte in unseren Kirchen auf sich wirken lassen. So können wir dem Geheimnis von Weihnachten in „unserem Innenraum“ ein Stück näherkommen, zur Ruhe finden, sich besinnen, was tatsächlich wichtig ist.
Johannes der Täufer lädt uns im Sonntagevangelium ein, umzukehren, dem Herrn den Weg zu bereiten. Dieser Text, bei dem Jesus längst ein erwachsener Mann ist, wird uns ganz bewusst in der Adventszeit geschenkt. Was wir an Weihnachten mit der Geburt des Jesuskindes beginnen, die menschgewordene Liebe Gottes, wird an der Taufe Jesu im Jordan bekräftigt: „Dies ist mein geliebter Sohn!“
An Heiligabend feiern wir den kleinen, noch unscheinbaren Anfang der Friedensbotschaft und der grenzenlosen Zuwendung Gottes zu uns Menschen, die sich im Wirken Jesu nach und nach verdeutlicht und entfaltet haben!
Das Reich der Liebe und der Gerechtigkeit hat vor über 2000 Jahren begonnen und kann mit unserem Zutun auch heute wachsen. Mit unseren Werken und Worten der Liebe, des gegenseitigen Respekts, mit Bemühungen zu Dialog und friedlichen Lösungen können wir den Weg hin zum Hoffnungslicht im Kleinen, wie im Großen bereiten.
Die Adventszeit lädt uns Jahr für Jahr ein, den Weg zur Krippe mit unseren Herzen zu gehen, ganz egal, ob es in uns hell erstrahlt mit Lametta, Hochglanz und Glitzer oder ob es gerade finster und unaufgeräumt ist. Weihnachten kommt – so oder so und das Schöne ist, dass Jesus uns an der einfachen Futterkrippe mit offenen Armen empfängt. „Komm zu mir so wie du bist“, lautet die Einladung des Gottessohnes!
 
Öffnen wir aufs Neue unsere Herzen für die Botschaft der Liebe und den Ruf nach Frieden. Wir selbst, die Welt, die Menschheitsfamilie und dein und mein Nächster brauchen diese Hoffnung so dringend. Vielleicht wird dann der Vers aus dem Adventslied -Macht hoch die Tür- ein Stück wohltuende Wirklichkeit „…meins Herzenstür dir offen ist…Ach zieh mit deiner Gnade ein...“.
 
Einen beschenkten 2. Advent wünscht Ihnen Sabine Teufel-Rick, Gemeindereferentin
 
 
 
Leitartikel Kirchenblatt Nr. 49
 
Zwischen Endzeitstimmung und Wäschekorb
 
Es gibt Bibeltexte, bei denen man spontan denkt: „Herrje, das klingt aber dramatisch!“ Und unser Sonntagsevangelium gehört definitiv dazu. „Einer wird genommen, einer bleibt zurück.“ „Wie in den Tagen Noahs.“ „Ihr wisst weder Tag noch Stunde.“ Das ist nicht gerade das Material, aus dem beruhigende Abendlektüre besteht. Aber Jesus erzählt diese Bilder nicht, um uns nervös zu machen. Er erzählt sie, um uns aufzuwecken – und zwar nicht nur wach im Sinne von „aufmerksam“, sondern im Sinne von geistlich und gesellschaftlich präsent.
 
Wenn Jesus von den Tagen Noahs spricht, dann zeichnet er ein Bild eines Lebens, das scheinbar einfach normal weiterläuft: essen, trinken, heiraten. Mit einem Wort: Routine. Und wenn man das heutige Leben betrachtet, müssen wir erkennen: Es gibt Menschen, die können sich eine solche Routine leisten – und es gibt Menschen, die diese Routine überhaupt erst möglich machen. Vor allem Frauen kennen dieses Prinzip nur zu gut. Während „man“ damals wie heute aß, trank und heiratete, wer hat gekocht, organisiert, Kinder gewickelt, Familien emotional zusammengehalten? Wer hat sich um die alten Eltern gekümmert, die Geburtstagsgeschenke besorgt, Konflikte moderiert und gleichzeitig im Beruf funktioniert? Die Antwort ist oft: Frauen. Wenn Jesus also von Menschen spricht, die seelenruhig weitermachen, während sie das Entscheidende übersehen, lohnt es sich zu fragen: Wer hatte damals wie heute überhaupt die Möglichkeit, nicht hinzuschauen? Feministische Exegese hilft uns dabei, die blinden Flecken des Textes zu erkennen: Viele biblische Geschichten erzählen von Männern, aber die Lasten der Frauen bleiben unsichtbar. Wachsamkeit heißt also auch, zu sehen, wer im Hintergrund die Arbeit trägt, die das „normale Leben“ erst ermöglicht.
Und dann kommt diese berühmte Stelle: „Zwei werden auf dem Feld sein, einer wird genommen, einer bleibt zurück.“ Aus Hollywood- Filmen kennen wir diese apokalyptischen Vorstellungen. Tatsächlich geht es Jesus aber nicht um einen himmlischen Abholservice der Gerechten, sondern darum, dass man mitten im Alltag den entscheidenden Moment verpassen kann. Mit etwas Humor könnte man sagen: Gott ruft nicht an und sagt: „Ich komme heute zwischen 9 und 13 Uhr. Bitte bleiben Sie zuhause.“ Nein. Der Punkt ist vielmehr: Lebt so, dass ihr jederzeit mit euch im Reinen seid. Und ehrlich: Wenn Gott plötzlich vorbeischaute – welche Version von uns würde er antreffen? Die, die versucht, alles für alle zu machen, bis sie selbst zusammenbricht? Die, die sich nicht traut, Grenzen zu setzen? Die, die ihre eigene Stimme kleinredet, weil man ihr das so beigebracht hat? Auch das gehört zur Wachsamkeit: auf mich selbst achten, meine Würde, meine Bedürfnisse, meine Stimme. Gott ruft nicht zur Selbstaufgabe – sondern zur Selbstachtung.
 
Als Jesus dann den Vergleich mit dem Einbrecher bringt, entsteht fast so etwas wie ein kleines komödiantisches Bild: „Wenn der Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt…“ Ich stelle mir das ein bisschen so vor, als ob Jesus heute sagen würde: „Wenn du wüsstest, wann dein Computer abstürzt, würdest du nochmal ein Backup machen.“ Der Kern bleibt derselbe: Wachsamkeit ist kein Dauerstress und kein patriarchales „Seid brav und passt auf!“, sondern eine Einladung, mit offenen Augen und offenen Herzen zu leben.
 
Und aus feministischer Sicht heißt das heute: nicht jede Ungerechtigkeit schlucken, nicht in Strukturen erstarren, die Frauen unsichtbar machen, nicht akzeptieren, dass die Welt sich „normal“ nennt, obwohl vieles nicht normal ist. Wachsam sein bedeutet solidarisch zu sein – besonders mit denen, die weniger Macht haben: Frauen, queere Menschen, Migrant*innen, all jene, die im Alltag übersehen werden. Es bedeutet, auf die Stimmen zu hören, die zu lange überhört wurden.
 
Am Ende ruft Jesus nicht zur Angst, sondern zur Freiheit. Er sagt nicht: „Hab Angst vor der Zukunft“, sondern: „Lass dich nicht betäuben. Lass dich nicht kleinmachen. Sei präsent. Sei mutig.“ Wachsamkeit ist deshalb ein Akt des Widerstands gegen alles, was deine Würde verkleinern will. Und Humor? Der bewahrt uns davor, verbissen zu werden. Denn wer lachen kann, bleibt wach. Und wer wach ist, ist bereit für Gottes Zukunft – egal, wann sie kommt.
 
Einen gesegneten Sontag wünscht Ihnen und Euch allen,
Pastoralreferentin Alena Wassmer
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 48
 
Weihbischof Dr. Birkhofer weiht Klaus Georg Klein zum Ständigen Diakon
 
 „Weil ich gerne helfen möchte. Den Mitmenschen Stütze und Halt geben in schwierigen Situationen.“ So beschreibt Klaus Georg Klein aus Trochtelfingen seine Motivation für die Weihe zum Ständigen Diakon. Gemeinsam mit fünf weiteren Männern wird er am Sonntag (23.11., 10.00 Uhr) von Weihbischof Dr. Peter Birkhofer in einem festlichen Gottesdienst im Freiburger Münster zum Ständigen Diakon geweiht. „Ständig“ bedeutet, dass Klaus Georg Klein immer Diakon bleiben wird und nicht zu einem späteren Zeitpunkt die Priesterweihe empfängt. Der Gottesdienst wird im Internet auf www.ebfr.de/livestream übertragen.
Klaus Georg Klein ist 57 Jahre alt und arbeitet seit 42 Jahren bei DHL, aktuell als stellvertretender Standortleiter im Zustellstützpunkt Engstingen. Am längsten war er als Verbundzusteller über 26 Jahre in Steinhilben, seinem Geburtsort, tätig. „Man bekommt so einiges mit, durch die tägliche Arbeit als Zusteller. Oft sind wir die einzigen Ansprechpartner, die ältere oder einsame Menschen noch haben. Ein freundliches ‚Grüß Gott‘ wirkt manches Mal Wunder“, berichtet er.
Auch in seiner Kirchengemeinde St. Martin in Trochtelfingen ist Klein seit Jahrzehnten engagiert: Er war Mitglied des Pfarrgemeinderats, zehn Jahre lang Ministrantenbeauftragter und wirkt als Lektor, Kommunionhelfer, Wortgottesdienstleiter sowie seit 23 Jahren im Abschiedsgebet und im Krankenbesuchsdienst. Zudem hat er ein Trauercafé ins Leben gerufen. „Meine Frau und meine Kinder unterstützten mich, wo sie nur können. Damit ich meiner Berufung nachgehen kann, hält mir meine Frau oft den Rücken frei. Wir sind im ständigen Austausch und arbeiten Hand in Hand“, betont er.
Eingesetzt wird der neue Diakon in der Seelsorgeeinheit Gammertingen-Trochtelfingen. „Ich möchte der Kirche vor Ort ein Gesicht, eine greifbare Ansprechperson bieten, damit die Kirche vor Ort lebendig bleibt und neue Akzente setzen“, erklärt Klein. Zu den anstehenden Aufgaben zählen für ihn Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, ebenso verschiedene Kirchenfeste und Veranstaltungen. „Die größte Herausforderung wird die zeitliche Abstimmung mit Familie, Beruf und Berufung sein.“
Glaube, Familie und Nächstenliebe – Leitmotiv eines Diakons
Besondere Schwerpunkte möchte Klein in der Seniorenpastoral setzen, aber auch die Kinder und Jugendlichen liegen ihm am Herzen: „Vor allem die Senioren, aber auch die Kleinsten in unserer Gesellschaft, die sich nicht mehr oder noch nicht wehren können, liegen mir am Herzen. Dies ist auch mein diakonischer Schwerpunkt.“ Sein theologischer Ansatz ist für ihn einfach: „Helfen egal wie, wo, wem, warum – aber jetzt. Wenn jemand Hilfe benötigt und danach fragt, dann braucht er jetzt Unterstützung, und die möchte ich ihm zukommen lassen, soweit ich es ermöglichen kann.“
Nach vielen persönlichen Schicksalsschlägen ist dem angehenden Diakon der Glaube immer wichtiger geworden: „Er gab mir die Kraft, um alles durchzustehen, den Halt, den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren und die Ausdauer, anderen zu helfen.“ Entscheidende Wegpunkte in seinem Leben waren die Übernahme von Betreuungen – zunächst für seine Mutter, später für seinen zehn Jahre jüngeren Cousin. „Der Tod meiner Mutter hat mich nochmals kräftig getroffen, aber auch dermaßen gestärkt, so dass ich imstande war zum zweiten Mal eine Betreuung zu übernehmen“, sagt er.
Begeistern kann sich Klein für seine liturgische Arbeit: „Ich engagiere mich in der liturgischen Arbeit der Kirche, bei Andachten im Freien und im Trauercafé und schenke Zeit im Seniorenheim. Besonders motiviert mich, gemeinsam mit anderen neue Wege für die Kirche vor Ort zu gestalten.“ Als Leitwort für seinen Dienst wählt Klein einen Satz aus dem Matthäus- Evangelium (Kapitel 25, Vers 40): „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Dazu sagt er: „Es ist ein Aufruf zur Nächstenliebe, zur Hilfe für Schwache
und Benachteiligte in der Gesellschaft.“
 
 
Aus dem Intranet der Erzdiözese Freiburg
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Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 47
 
Volkstrauertag 2025
80 Jahre nach Kriegsende
 
Bei einem Treffen der Seelsorgeteams der katholischen und der evangelischen Gemeinde mit den Bürgermeistern / der Bürgermeisterin unseres Einzugsgebiets, war der Volkstrauertag ein wichtiges Thema. Als Gedenktag für die Opfer der Weltkriege und Mahnung zum Frieden ist er nicht nur ein weltlicher Gedenktag, sondern ein gemeinsames Anliegen. Deshalb beschlossen wir den Gottesdienst in der Kirche und die Feier am Ehrenmal stärker miteinander zu verknüpfen u.a. dadurch, dass ein Vertreter der Stadt im Gottesdienst die Lesung liest und wir im Gegenzug bei der Feier am Ehrenmal unseren Beitrag einbringen in Gebet und Segen.
Der Volkstrauertag hat in diesem Jahr, 80 Jahre nach Kriegsende, als Mahnung für den Frieden ein besonderes Gewicht. Dazu aus dem Grußwort der Kirchen:
 
Bischöfin Kirsten Fehrs, Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland,
Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
 
Die Erinnerung an das 80-jährige Kriegsende fällt in eine Zeit, in der in Europa erneut ein Krieg stattfindet und in der die Demokratie, auch in Deutschland, von innen wie von außen angegriffen wird. Fragen von großem Ernst müssen vor dem Hintergrund unserer geschichtlichen Erfahrungen beantwortet werden: Stehen wir ein für die Demokratie, für Menschenwürde als leitendes Prinzip aller Ordnung und die gleiche
Freiheit aller? Bieten wir denen, die den Grundsatz der Gewaltfreiheit in den zwischenstaatlichen Beziehungen missachten und damit den Frieden zerstören, die Stirn?
Vor dem Hintergrund der Ereignisse in der Ukraine kommen bei vielen Menschen aus der Erlebnisgeneration des Zweiten Weltkriegs eigene schmerzhafte Erfahrungen hoch. Nicht wenige haben Angst. Wir schulden gerade auch diesen Menschen unsere Solidarität. Der Volkstrauertag ist ein solches Zeichen generationsübergreifender Solidarität. Gerade im Zusammenhang mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sehen wir, wie problematisch es ist, wenn Erinnerung – wie etwa in der Russischen Föderation – dazu benutzt wird, heutige Gewalt zu rechtfertigen.
Das trägt nicht zur Heilung bei, schürt Angst und Hass und bringt Menschen auseinander statt zusammen. Zu einer heilsamen, Versöhnung ermöglichenden Erinnerung gehört, aufrichtig und wahrhaftig zu sein. Das gilt auch für die Bereitschaft, sich den Verletzungen der Anderen ebenso zu stellen wie den eigenen. Wenn diese Bereitschaft heute von rechtspopulistischen Kräften infrage gestellt wird, spaltet das die Gesellschaft und verstellt die Möglichkeit zur Versöhnung.
Am angemessenen Umgang mit den Toten zeigt sich die Menschlichkeit einer Gesellschaft.
Im Angesicht des Todes stellen sich die großen Fragen nach dem Sinn des menschlichen Lebens. Es ist nicht zuletzt dieser Moment gemeinsam erfahrener Verwundbarkeit, der uns Hoffnung auf die Möglichkeit eines versöhnten Miteinanders schöpfen lässt und uns neue Gemeinschaft schenkt!
 
In diesem Sinn lade ich herzlich zu den Gottesdiensten und Gedenkfeiern ein.
Ihr Pfarrer Wolfgang Drescher
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 46
 
Randale im Gotteshaus
 
„Randale im Tempel von Jerusalem, Jesus rastet aus.“  So hätte eine Schlagzeile in den Jerusalemer Nachrichten vor rund 2000 Jahren lauten können. Im Evangelium begegnet uns am Sonntag ein zorniger, aggressiver Jesus. Mit einer Geißel treibt er die Viehhändler samt ihren Tieren aus dem Tempel. Ebenso die Geldwechsler, ihre Tische stößt er um, die Münzen klimpern über den Boden … Was macht Jesus, sonst ein zutiefst friedvoller Mensch, so wütend?
Zu jener Zeit war der Tempel ein kommerzieller Ort. Um ihn herum war damals geradezu eine Opfertier-Industrie entstanden. Rinder, Schafe und Tauben wurden verkauft. Viehzüchter, Viehhändler, Geldwechsler, nicht zuletzt die Sadduzäer, die Tempelpriester - sie alle lebten prächtig von diesem System. „Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“, sagt Jesus zu den Händlern.
Aber warum waren die Tiere überhaupt da? Im Tempel wurden Tieropfer dargebracht, von den Händlern kaufte man das zu opfernde Tier. Die Geldwechsler indes sorgten dafür, dass die Tempelsteuer gezahlt werden konnte. Der Opferkult zur Zeit Jesus war also zum Geschäft zwischen Gläubigen, Geldwechslern und Priestern geworden. Mehr noch: Er war ein vermeintlicher Handel zwischen Gott und den Pilgern nach der Vorstellung, ich gebe Gott etwas und Gott gibt mir dafür etwas zurück. Die Kommerzialisierung trieb den Opferkult so auf die Spitze.
Das alles dürfte Jesus so wütend gemacht haben, dass er ausrastete. Vielleicht war er aber auch darüber enttäuscht, dass man im Tempel, im Haus seines Vaters, immer noch glaubte, man müsse Gott blutige Opfer bringen, um ihn gnädig zu stimmen. Dabei hatte doch schon Jahrhunderte zuvor Abraham in dramatischer Weise lernen müssen, dass Jahwe keine Menschenopfer will. Und nun das: Jesus kommt in den Tempel und muss mit ansehen, wie ein Tier nach dem anderen zum Opferaltar gezerrt wird. Kein Wunder, dass er zornig wird und zur Geißel greift. Dass er zuschlägt, steht im Evangelium nicht.
Was würde Jesus uns wohl sagen, wenn er heute und hier in unsere Kirche käme? Wäre er damit einverstanden, wie wir unseren Glauben praktizieren? Oder wäre er genauso enttäuscht wie damals im Tempel? Wäre er enttäuscht über den Rückgang der Gläubigen, derer, die sich noch für die Kirche interessieren? Betrachtet man die Beteiligung bei der Pfarrgemeinderatswahl, sind es nicht mehr allzu viele…
Was würde er den kirchlichen Würdenträgern sagen, was uns Gläubigen? Setzen wir uns dem Geißel schwingenden Jesus im Geiste zu Füßen und hören ihm zu: „Warum kümmert ihr euch so wenig um die Armen?“, höre ich ihn fragen. Ja, wir leben in einem Sozialstaat, Gott sei Dank. Auch wenn derzeit - zu Recht oder zu Unrecht – an ihm gerüttelt wird. Und ja, auch die Kirche leistet ihren Beitrag auf dem weiten Feld der Diakonie. Doch das entbindet uns als Gemeinde  und uns als Christen nicht davon, dass auch wir uns engagieren. Für Menschen in Not, egal, worin diese Not auch immer bestehen mag. Jesus hat sich diesen Menschen, den Randexistenzen der Gesellschaft, zugewandt. Davon sind wir heute weit entfernt, unsere Gemeinden erreichen vor allem Menschen der bürgerlichen Mitte...
„Warum sind die Frauen nicht gleichberechtigt?“ Auch das könnte Jesus uns fragen. Bibel und Kirche lehren, dass Gott den Menschen als Mann und Frau mit gleicher Würde geschaffen hat. Und doch ist die Hälfte der Christen vom Weiheamt ausgeschlossen. Dabei erfahren wir in der Bibel, dass zu Jesus Jüngerkreis in einer zutiefst patriarchalischen Gesellschaft viele Frauen gehörten. Und in den ersten christlichen Gemeinden war das nicht anders, Frauen übernahmen wichtige Funktionen. Auf diese Tatsache verweisen heute nicht nur feministische Theologinnen. Doch Konsequenzen hat die Kirche bis heute nicht gezogen…
„Randale im Tempel“ gab es damals, vor zweitausend Jahren. Und „Randale im Tempel“ gibt es auch in unseren Tagen: Hunderttausende von Katholiken verlassen jedes Jahr eher lautlos die Kirchen in Deutschland. Das darf uns nicht kalt lassen, sollte uns vielmehr zum Handeln zwingen. Nicht nur die kirchlichen Würdenträger, sondern auch uns vor Ort. Vielleicht schaffen wir es, in Zukunft durch (von der Strukturreform erzwungene) neue Formen kirchlichen Lebens die „Randale im Tempel“ etwas abklingen zu lassen.
 
Hilde Butscher, Vorsitzende des PGR der SE Gammertingen-Trochtelfingen
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 44 und 45 Herbstausgabe
 
 
Die Würfel sind gefallen, der neue Pfarreirat steht!
 
Am vergangenen Samstag und Sonntag stand die Pfarreiratswahl der Erzdiözese Freiburg ganz im Focus des Interesses. In unserer Gegend waren 54.000 Wähler/innen aufgerufen, ihre Stimmen für die sich zur Verfügung gestellten Kandidaten /innen per Onlinewahl, per Briefwahl oder über den klassischen Urnengang zu verteilen. Wir in unserer SE hatten drei Kandidaten/in die zur Wahl standen.
Das vorläufige Wahlergebnis lautet: Markus Wolf aus Gammertingen erhielt 528, Marion Sellane aus Neufra erhielt 349 und Markus Kohler aus Trochtelfingen erhielt 304 Stimmen. Die ersten beiden Kandidaten haben es in den Pfarreirat geschafft.
Wir sind sehr dankbar, dass wir geeignete Kandidaten/in gefunden haben, denn die Unsicherheit und die neuen Herausforderungen bei einem so großen Pfarreigebilde sind enorm groß. Wir alle stellen uns die Frage, wie soll das in Zukunft weitergehen? Der neue leitende Pfarrer Stefan Schmid aus Meßkirch ist da sehr optimistisch. Er schreibt im Konradsblatt Nr. 42 vom 19. Oktober, „die Menschen hier sind praktisch, bodenständig und auch unkompliziert, einfach schaffig.“ Aus seiner Sicht werden sich die Dinge nach anfänglichen Schwierigkeiten langsam entwickeln und der Kirchenmotor wird nach Ruckelstart früher oder später ruhig schnurren. Sein Gebetsruf lautet: „Jetzt gib mir die Gelassenheit und die nötige Ruhe, um an all die Herausforderungen heranzugehen.“ Auch unser kath. Landesvater Winfried Kretschmann hat vor Kurzem unsere Region mit folgenden Worten gewürdigt: „Diese Region ist vielfach gesegnet. Mit einem reichen kulturellen Erbe und innovativen Unternehmen, mit einer einzigartigen Landschaft, vor allem aber mit Leuten, die anpacken und das Zusammenleben gestalten.“ Kretschmann und Schmid setzen also ganz betont auf die kreativen Kräfte der Bevölkerung, die noch Lust, Kraft und Mut hat, das kirchliche Leben nicht vor die Hunde gehen zu lassen. Sie rechnen noch mit der Gestaltungskraft der Menschen und mit ihrer kirchlichen Verwurzelung.
 
Eine der größten Herausforderungen sieht das neue Kernteam der Pfarrei um Stefan Schmid (Ltd. Pfarrer), Frank Scheifers (Ltd. Referent), Simon Dreher (stellv. Ltd. Pfarrer) und Pfarreiökonom Andreas Rösch beim hauptamtlichen Personal. „Wir haben wenig Priesterweihen und wir haben zu wenig neue pastorale Mitarbeitende. Manche Stelle werden wir deshalb zukünftig nicht mehr besetzen können. Bei der Größe unserer Pfarrei ist das sicherlich ein großes Problem, für das wir Lösungen finden werden müssen. Eine weitere Herausforderung wird sein, die Menschen weiter zu motivieren und bei allen Sorgen nicht die Nerven zu verlieren.“
Die künftige Struktur des neuen Gebildes sieht so aus: 24 gewählte Mitglieder aus den ehem. Seelsorgeeinheiten bilden den Pfarreirat. Hinzugewählte Mitglieder aus Gruppierungen und Verbänden (Caritas, etc.) kommen hinzu. Ihre Aufgaben sind: 1. Entwicklung und Beschließung pastoraler Ziele (Schwerpunkte) 2. Initiieren von innovativen Projekten 3. Finanzierung und Umsetzung von Projekten 4. Beruft oder bestätigt die Gemeindeteams vor Ort und beruft Kirchort- und Kompetenzteams 5. Unterstützt die Aktivitäten und die Eigenständigkeit kirchlicher Gruppen, Verbände und geistlicher Gemeinschaften vor Ort. 6. Vertretung der Kirche in der Öffentlichkeit 7. Personalentscheidungen 8. Verantwortung für den Haushalt und die Vermögensverwaltung
 
Hoffen wir sehr, dass das Kirchenschiff auf offener See nicht untergeht und wir als Kirche vor Ort den Leitstern nicht aus den Augen verlieren, den wir in der Botschaft Jesu immer wieder finden können. Möge es uns gelingen auf die leise Stimme der Geistkraft Gottes zu hören, die gute Ideen hat, damit wir nicht auf Grund laufen. Mit einer gehörigen Portion Zwangsoptimismus und Hoffnungssinn packen wir das Neue an.
 
 Aus Konradsblatt Nr. 42                      Hier wird unsere Pfarrei neu detailliert vorgestellt!
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 43
 
 
Ja, guck amol doo naa: des isch ja a riesa Ding… !
oder: „Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land…“
 
So dürfte sinngemäß die schwäbische Übersetzung vom Beginn des edlen Liedes lauten, das wir zum Kirchweihfest singen: Ein Haus voll Glorie schauet. Die große Glorie, der Glanz, das Edle, was uns vielleicht sogar mit einer Gänsehaut überzieht, wird dabei besungen. Zu Ehren des Hauses Gottes, das wir an Kirbe, dem Kirchweihfest, besingen.
Landauf, landab wird in dieser Zeit des Kirchenjahres dieses Fest begangen; das Haus Gottes strahlend gefeiert. Ja, Grund genug über das Haus Gottes zu meditieren, nachzudenken und es zum Gegenstand dieses Artikels zu machen.
Natürlich wird in erster Linie das Gebäude gefeiert, der gottgeweihte Ort, in dem wir uns versammeln um zu beten, zu feiern, Gottesdienst zu halten. Ja, es ist ein besonderer Ort, an dem wir in andächtige Stimmung kommen können, unserem Gott schon gebäudemäßig, via Kirchengebäude nahe zu sein. Strahlend in unseren Dörfern und Städten zu sehen; quasi als Künder des ewigen Gottes weit über alle Land. „Aus ewgem Stein erbauet von Gottes Meisterhand“, so heißt es weiter in diesem Lied. Ja, es hat etwas Ewiges, Heiliges an sich, wenn die Steine sich so wunderbar formen, dass sie Gottes Meisterhand darin erkennen lassen. Halten wir sie in Ehren, als den Ort, wo Gott selbst, der HERR, wohnt.
Und es gibt einen zweiten Aspekt, den das Haus Gottes, erbaut durch ewge Steine aus Gottes Meisterhand birgt. Es sind w i r , die lebendigen Steine, wie es der Apostel Paulus sagt, die das Haus Gottes aufbauen. Es sind w i r ,  die Gott sichtbar machen, so an seinem Reich mitaufbauen und als lebendige Steine die Kirche bilden. Wenn wir unser Leben christlich, geformt durch unseren Herrn Jesus Christus, leben, ihn in die Welt tragen und uns als Gemeinschaft aller Gläubigen in der steinernen Kirche versammelt und dann hinausgehen in die je eigene Welt, dann formen wir als lebendige Steine, als Geist inspirierte Steine das Haus Gottes, das durch uns von innen heraus in Glorie, in Gnade strahlt; weit über alle Land!
 
Lassen wir uns an diesem Kirchweihfest von dieser Glorie der Kirche bestrahlen, damit wir im alltäglichen Leben die innere Glorie nicht vergessen. Halleluja!
 
Harald Stehle, Gesamtkirchengemeinde Biberach
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 42
 
Gott sei Dank – Oder Glück gehabt
 
Oft sprechen wir diese Worte aus, ohne dass uns die Bedeutung bewusst wird. Nach dem Glück sind wir Menschen immer auf der Jagd. Alles was wir tun, planen, unser ganzes Handeln entspricht immer der Sehnsucht nach Glück und Erfolg. Doch was ist Glück? Der eine sieht es im Besitz, der andere in der Zufriedenheit, Erfolg im Beruf, in einer glücklichen Familie. Man könnte sagen, das Glück hat viele Namen. Wir nennen Glück oft das, was wir nicht haben. Was wir haben, finden wir oft nicht der Rede wert. Es ist ja für uns selbstverständlich, deshalb jagen wir nach dem Glück, wie ein Kind nach der Seifenblase. Immer wenn man meint, es gefunden zu haben, zerplatzt der Traum.
Doch hat das Glück nicht auch einen besonderen Namen – „Gott.“ Wenn man ihn für sich gefunden hat, dann findet man das Glück überall. Im Beruf, in der Familie, in der Arbeit und Ruhe und auch in der großen weiten Welt. Auch dann, wenn mancher Wunsch unerfüllt bleibt, wenn Sorgen drücken, wenn man auf das eine oder andere verzichten muss.
Glück hat viele Namen, aber glücklich darf sich schätzen, wer Gott begegnet. Davon berichtet das heutige Evangelium. Es erzählt von 10 Aussätzigen, alle unheilbar krank, ausgestoßen aus der Gemeinschaft. Heute würde man sagen, austherapiert, ihre Lage aussichtslos. Dann hatten sie das Glück, Jesus zu begegnen. Aus der Ferne riefen sie ihm zu: Jesus Meister, hab Erbarmen mit uns. Als Jesus das Elend dieser Ausgestoßenen und von Krankheit entstellten Menschen sah, schickte er sie zu den Priestern, der Gesundheitsbehörde der damaligen Zeit. Und während sie gingen, wurden sie rein. Als einer von ihnen seine Heilung erkannte ist er überzeugt, dass Gott an ihm gehandelt und ihn gesund gemacht hat. Er allein kehrt zu Jesus zurück. Er pries Gott mit lauter Stimme, dann warf er sich Jesus zu Füssen und dankt ihm.
Im Verhalten dieses unbekannten Fremden liegt der Sinn dieser Erzählung. Alle 10 machten die gleiche Erfahrung, aber nur er entdeckt, in dem was mit ihm geschah, dass Gott ihn angerührt hat. Er erkennt, dass man Gott nur ehren kann, indem man umkehrt und ihm dankt. Die anderen kehrten zurück in ihr alltägliches Leben mit der Erkenntnis, Glück gehabt.
Geht es uns nicht auch so? Solange wir körperlich fit und gesund sind, erfolgreich im Beruf und Alltag u.v.m. fällt uns unsere Undankbarkeit gar nicht ins Auge. Gottseidank sagen wir oft, doch danken wir Gott wirklich? Deshalb gelten die Worte Jesu uns: Sind nicht alle 10 gesund geworden, wo sind die übrigen 9! Ist keiner umgekehrt, außer diesem Fremden?
Eine alte Lebensweisheit scheint sich zu bestätigen: Nicht die Glücklichen sind dankbar, sondern die Dankbaren sind glücklich.
 
Ich wünsche Ihnen allen einen gesegneten Sonntag und eine dankbare Woche.
 
Werner Eisele, Diakon SE Gammertingen-Trochtelfingen
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 41
 
 
Ackerboden – Der Stoff, aus dem wir Menschen sind
 
In diesen Tagen feiern wir in unseren Gemeinden Erntedank. Ein schönes Fest mit Tradition, das Dank der herrlichen Altäre und kreativen Dekorationen viele Menschen, groß und klein, staunen lässt, über die Pracht und Vielfalt der Schöpfung! Ein herzlicher Dank an alle fleißigen Hände, die ein Stück der wundervollen Natur in unsere Gotteshäuser zaubern! Es lässt uns einmal mehr dankbar werden, über den geschenkten Schatz der Erde!
Dazu habe ich einen bedenkenswerten Artikel im Materialheft „Erntedank 2025“ der landpastoral gefunden. (Quelle: www.landpastoral.de)
 
„Der sogenannte „Zweite Schöpfungsbericht“ in der Bibel (Gen 2,4b-9) ist nicht so bekannt wie der erste, der von der Erschaffung der Erde in sieben Tagen erzählt.
Aber er ist nicht weniger faszinierend und auch nicht weniger aussagekräftig.
 
In diesem zweiten Schöpfungsbericht wird erzählt, dass es auf der von Gott erschaffenen Erde erstmal nur Ackerboden gibt – sonst nichts. Keine Feldsträucher und keine Feldpflanzen und vor allem: Keine Menschen. Und was macht Gott? Er nimmt ein wenig Erde vom Ackerboden und formt daraus einen Menschen.
Der Mensch, hebräisch „adam“, gemacht aus Ackerboden, hebräisch „adama“. Das sind wir also laut biblischem Schöpfungsbericht: Geschöpfe aus nichts anderem als Ackerboden. Lebendig wird der Mensch, indem Gott diesem Geschöpf aus Ackerboden Lebensatem in
die Nase bläst. Welch anschauliches, irgendwie kindlich naives und doch unglaublich faszinierendes Bild, das so viel aussagt über uns Menschen, unseren Platz in der
Schöpfung und unsere Beziehung zur Natur.
 
Natürlich wissen wir, dass der Mensch ein wesentlich komplexeres Wesen ist als ein simpler Klumpen aus Lehm und doch steckt eine tiefe Botschaft in diesem biblischen Bild – zeitlos gültig und aktueller denn je.
Welchen Hochmut haben wir Menschen entwickelt im Lauf der Jahre: Wir spielen Gott, überschreiten Grenzen, machen uns selbst zu Herren über Leben und Tod, wir
manipulieren und selektieren. Wir glauben, alles in der Hand zu haben und bleiben doch vergängliche Wesen, angewiesen auf den Lebensatem Gottes. Egal was einer
erreicht, erschafft, wie mächtig oder reich er ist, am Ende kehrt er zurück zur Erde.
 
„Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück“, das sagen wir, wenn wir einen Menschen zu Grabe tragen. Vergängliche, irdische Wesen sind wir, Teil des natürlichen Kreislaufes der Natur. Am Ende hauchen wir den Lebensatem wieder aus und kehren zurück zum Urstoff.
Das Wort Demut beschreibt jene Haltung, die uns angesichts dieser Tatsache gut zu Gesicht stehen würde.
Das lateinische Wort für Demut lautet „humilitas“ und kommt von Humus, Erde, Boden. Was für ein schöner Zufall, wenn es denn überhaupt einer ist: Demut ist der Mut, die eigene Erdhaftigkeit, Geschöpflichkeit und Vergänglichkeit anzuerkennen und der Natur und den Mitmenschen mit Respekt und Würde zu begegnen.
In dieser Verbundenheit des Menschen zur Erde liegt eine große Verantwortung. Eine Verantwortung, die immer mehr aus dem Blick zu geraten scheint. Dann nämlich, wenn wir die Erde ausbeuten durch einen Lebensstil, der der Erde den Atem raubt.“
 
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten und erfüllten Sonntag!
 
Sabine Teufel-Rick, Gemeindereferentin
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 40
 
Es war einmal ein Reicher und ein Armer.
 
Liebe Mitchristen!
 
So beginnen viele Märchen. Auch Jesus beginnt mit dieser Gegenüberstellung – und er malt sie recht drastisch aus – den Reichtum und das Elend. Die meisten von uns werden sich eher auf der Seite des Reichen sehen – da kann einem im Blick auf das Ziel des Lebens schon Angst werden.
Aber nicht um Angst zu machen, eine Höllenpredigt zu halten, erzählt Jesus diese Geschichte, sondern um aufzurütteln, dass wir den Armen / die Armut vor unserer Türe nicht übersehen, nicht achtlos vorbeigehen, sondern im Rahmen unserer Möglichkeiten unser Herz und unsere Hand nicht verschließen.
Und so passt dieses Evangelium gut zur Caritaswoche – mit der Bitte um Unterstützung für die vielen Angebote mit denen die Caritas „Hilfe“ leistet, sei es in den verschiedenen Beratungsstellen und Einrichtungen, zu denen u.a. auch unser Kindergarten, die Sozialstation und der Hospizdienst gehören.
„Öffnet Türen“ lautet das Leitwort der Caritas in diesem Jahr. Im Aufruf unseres Bischofs zur Caritaswoche schreibt er: Die Einladung der Caritas soll dabei besonders jene erreichen, die draußen gelassen werden, vor der Tür. Weil sie zu klein sind oder zu alt um sie zu öffnen, weil sie nicht gut riechen oder ansteckend sind, weil sie nicht ins Muster passen oder weil die Türschwelle zu hoch ist und es keine Rampe gibt. Mit unserer Spende helfen wir der Caritas, dort zu helfen, wo wir persönlich an Grenzen stoßen.
Der Schriftsteller Erich Kästner, der Vielen durch seine Kinderbücher wie „Das doppelte Lottchen“ bekannt geworden ist, war ein prominenter Gegner des Nationalsozialismus. Er hat in dieser Zeit den folgenden Text verfasst, in dem er deutlich macht, dass eben nicht DIE Anderen allein verantwortlich dafür sind, dass sich die Welt hin zum Positiven verändert. Quelle leider unbekannt)
Er schreibt: „Wir wollen nicht auf gut Glück und auf gut Wetter warten, nicht auf den Zufall und den Himmel harren, nicht auf die politische Konstellation und die historische Entwicklung hoffen, nicht auf die Weisheit der Regierungen, die Intelligenz der Parteivorstände und die Unfehlbarkeit aller übrigen Büros. Wenn Millionen Menschen nicht nur neben-, sondern miteinander leben wollen, kommt es auf das Verhalten der Millionen, kommt es auf jeden und jede an, nicht auf die Instanzen. Wenn Unrecht geschieht, wenn Not herrscht, wenn Dummheit waltet, wenn Hass gesät wird, wenn Muckertum sich breit macht, wenn Hilfe verweigert wird – stets ist jeder Einzelne zur Abhilfe mit aufgerufen, nicht nur die jeweils „zuständige“ Stelle. Jeder ist mitverantwortlich für das, was geschieht, und für das, was unterbleibt. Und jeder von uns und euch muss es spüren, wann die Mitverantwortung neben ihn tritt und schweigend wartet. Wartet, dass er handele, helfe, spreche, sich weigere oder empöre, je nachdem.“  Soweit Erich Kästner.
Wir alle sind in diesem Sinne aufgefordert, uns für der Botschaft Jesu, für Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen, dort wo wir in unserem Leben hingestellt sind und nach Gleichgesinnten Ausschau zu halten.
Noch einmal zurück zum Evangelium vom Reichen und dem Armen:
Nicht um Angst zu machen erzählt Jesus, diese Geschichte, sondern um aufzurütteln, dass wir den Armen / die Armut vor unserer Türe nicht übersehen, nicht achtlos vorbeigehen, sondern im Rahmen unserer Möglichkeiten unser Herz und unsere Hand öffnen.
 
Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen
 
Pfarrer Wolfgang Drescher
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 39
 
Online, per Brief oder im Wahllokal: Pfarreiratswahl 2025
 
Es sind nur noch wenige Wochen bis zur Pfarreiratswahl im Erzbistum Freiburg: In der neuen Pfarrei Herz Jesu Sigmaringen sind am 19. Oktober 2025 alle wahlberechtigten Katholikinnen und Katholiken aufgerufen, einen neuen Pfarreirat zu wählen. Vom 5. bis zum 17. Oktober besteht zudem die Möglichkeit einer online-Wahl.
Am 04.09.2025 sichtete der Wahlvorstand um Herr Roland Bürkle die eingegangenen Wahlvorschläge. Nun stehen die Kandidierenden endgültig fest und geht es so richtig los: Jetzt werden die Stimmzettel gedruckt und die Kandidierenden mit Flyern, Plakaten oder auf der Homepage bekannt gegeben. Schließlich werden die Wahllokale vorbereitet und weitere Helferinnen und Helfer engagiert. Der Höhepunkt ist für den Wahlvorstand jedoch der eigentliche Wahltag und die Stimmauszählung: „Wir müssen dann sehr genau arbeiten, damit keine Stimme unter den Tisch fällt. Aber dann sehen wir die direkten Ergebnisse aus der Wahl im Wahllokal und aus der Briefwahl. Hinzu kommen dann noch die online-Stimmabgaben.“
 
Online, per Brief und im Wahllokal wählen
Bereits zum zweiten Mal nach 2020 können im Erzbistum Freiburg die Pfarreiräte online gewählt werden. Damit haben die Wahlberechtigten drei Möglichkeiten, ihr Wahlrecht auszuüben: Persönlich im Wahllokal je nach Öffnungszeit der Wahllokale bereits am 18. und 19. Oktober, auf Antrag per Briefwahl und online zwischen dem 5. und 17. Oktober. Alle Informationen, die für die unterschiedlichen Möglichkeiten der Stimmabgabe nötig sind, erhalten die Wahlberechtigten in der Wahlbenachrichtigung Mitte September 2025.
Für die Onlinewahl gelten nach der Wahlordnung dieselben Regeln wie für die Präsenzwahl und Briefwahl: Die Wahl ist allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim.
Und so funktioniert die Online-Wahl: Die Wahlberechtigten erhalten ihre individuellen Zugangsdaten, melden sich damit an und sehen dann online den auszufüllenden Stimmzettel. Sobald der Stimmzettel geöffnet wurde, kann er keiner konkreten Person mehr zugeordnet werden. Auch die weiteren Schritte sind einfach: ankreuzen – absenden – fertig!
Sie haben 2 Stimmen zu vergeben!
 
Aufgaben des Pfarreirats
Der Pfarreirat ist zentrales Organ der Pfarrei, das gemeinsam mit dem Pfarrer als Pastoralrat und als Organ der Vermögensverwaltung Verantwortung für den kirchlichen Auftrag trägt. Dazu gehören die
  • Festlegung der wichtigsten Ziele und Schwerpunkte in der Pfarrei
  • Stärkung von Teams, Gruppen und Verbänden sowie deren Eigenständigkeit
  • Vertretung der Kirche in Gesellschaft und Öffentlichkeit
  • Beratung zu Personalentscheidungen
  • Verantwortung für Haushaltsplanung und Vermögensverwaltung
 
Stimme abgeben und mitbestimmen! – Pfarreiräte gestalten die Kirche vor Ort aktiv mit!
Für den Wahlvorstand bietet das ehrenamtliche Engagement als Pfarreirat die Chance, etwas für die Menschen vor Ort zu bewegen und den sozialen Zusammenhalt zu stärken: „Die Pfarreirätinnen und Pfarreiräte arbeiten mit Menschen aus allen Teilen der Pfarrei zusammen, die gemeinsam für eine lebendige und glaubwürdige Kirche eintreten.“ Durch die Mitbestimmung in pastoralen Entscheidungen, Förderung gemeinschaftlicher Projekte und verantwortliches Haushalten leiste der Pfarreirat einen wesentlichen Beitrag zum kirchlichen Leben und zur Gemeinschaft vor Ort.
 
Weitere Informationen & Ansprechpartner
Informationen zur Pfarreiratswahl gibt es unter https://pfarreiratswahl.ebfr.de sowie auf der Webseite der Pfarrei unter https://www.dekanat-sigmaringen-messkirch.de/pfarreiratswahl/.
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 38
 
Kaffeeduft in der Morgenstille
 
Morgens, wenn alle schlafen und es noch kühl und dunkel ist, beherrscht eine erhabene Stille das Haus. Diese Stille vermag jedes noch so kleine Geräusch hervorzuheben, so als ob es das einzige Geräusch sei, das auf dieser Welt ertönt, als ob es besonders wichtig und dringlich wäre und keine andere Wahl hätte, als in diesem Moment zu ertönen.
 
In dieser Stille sitze ich mit meinem Kaffee, der wohl den betörendsten Duft überhaupt verströmt, weil die Stille ihm den Raum dafür bietet, und spreche mit Gott. Ich erzähle IHM von meinem gestrigen Tag, gehe alle Etappen mit IHM durch. Wie in einem Fotoalbum blättere ich durch meine Erinnerungen und bleibe an einigen Bildern hängen, andere überblättere ich schnell. Ich erzähle IHM von Gesprächen, Begegnungen und für - mich besonders typisch – auch von all den Fettnäpfchen, die ich am Tag zuvor nicht ausgelassen habe. Ich erzähle IHM das alles, als ob ER nicht selbst dabei gewesen wäre, als ob ER nicht Grund und Ursache für mich, für mein Leben, ja für alles wäre. Ich erzähle IHM das alles, weil ich es brauche, ich brauche dieses Gespräch, um bei IHM zu sein. Und in dieser Stille wird mir mal wieder so schonungslos klar, wer ER ist. Er ist Gott, der Gott, der das Meer geteilt hat, er war es, der die Welt erschaffen hat mit allem was lebt, er war es , der seinen Sohn hingegeben hat, um die Menschheit der Macht des Todes zu entreißen und um ihr das Ewige Leben zu schenken – mir das ewige Leben zu schenken.  Wenn ich nur darüber nachdenke, auch ohne es in Gänze überhaupt begreifen zu können, bekomme ich Gänsehaut und ich beginne zu zittern. Im Hebräischen wird dieses Zittern mit Ehrfurcht in Verbindung gebracht, man beginnt zu zittern, wenn man anfängt zu erahnen, womit man es in Wirklichkeit zu tun hat, dass man es mit GOTT zu tun hat. Und dieser GOTT, der alle Macht hat, ist in Jesus Mensch geworden um den Menschen nah zu sein – mir nah zu sein.
 
Hier in der Stille ist es mir ganz klar, voller Ehrfurcht sehe ich, was es bedeutet Jesus nachzufolgen, es bedeutet ihn immer an die erste Stelle zu setzten. Sich nicht vereinnahmen zu lassen, von Anforderungen, die Freunde oder gar Familie an einen stellen. Das bedeutet sich selbst und die Beziehung zu Gott nicht aus den Augen zu verlieren. Nicht weil es sich besonders lohnt – und das tut es natürlich – sondern weil ich nicht anders kann, angesichts all dessen was ich über IHN weiß und dem, was ich mit IHM erlebt habe. All das ist so überwältigend, dass kein Einsatz zu hoch dafür scheint, um bei ihm zu sein. Und jegliche Aussicht auf irgendeinen Besitz scheint einfach nur lächerlich im Vergleich dazu, dass der Retter der Welt ein wahrhaftes Interesse an mir hat und mich tatsächlich liebt. Nicht irgendwann einmal, sondern hier und jetzt.
Ich trinke meinen Kaffee aus und bete: Danke Herr, dass du mich gefunden hast und so lange gewartet hast bis auch ich begriffen habe, dass ich ohne dich nicht sein kann. Amen
 
Liebe Leser*innen ich wünsche Ihnen und Euch allen einen gesegneten Sonntag mit duftendem Kaffee und liebevollen Momente in der Zweisamkeit mit IHM – unserm GOTT.
Pastoralreferentin der Seelsorgeeinheit Gammertingen-Trochtelfingen
Alena Wassmer
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 31-37 Sommerausgabe
 
Krieag ii des, worum ii bätt ond bitt – au in dr Sommrzeit?
 
Tja, das ist eine durchaus verständliche, aber auch etwas heikle Frage. Wie oft haben Beter für etwas gebetet, das dann doch nicht eingetreten ist. Wie oft sind Beter dann verzweifelt und haben den Zweifel an Gottes Güte aufkeimen lassen. Wie oft haben Beter dann gesagt, dass sie das Beten eben lassen. Ja, wie oft …? Und dabei wird doch klar im heutigen Evangelium gesagt: „Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet.“ (Lk 11,9) Wie passt das zusammen oder wie ist das zu verstehen?
Nun, es ist gut, dass wir überhaupt Gott unsere Bitte an ihn richten. Dabei dürfen wir sicher sein, dass er unsere Bitte hört und wir dürfen darauf vertrauen, dass er sie auch er-hört. Damit geben wir Gott die Möglichkeit, sich für uns spürbar unserer Bitten anzunehmen. Und das ist eben der Punkt: Gott nimmt sich unserer Bitten auf Seine Art und Weise an. Gott sorgt sich um unser Wohlergehen auf Seine Art und Weise. Und Gott schickt eine Gebetserhörung auf Seine Art und Weise. Sich auf Seine Art und Weise einzustellen, einzulassen und darauf vertrauen, ist die richtige Gebetshaltung und Gebetserwartung, auf die es beim richtigen Beten und Bitten ankommt. Und wenn wir das grundsätzlich glauben und Gott als dem lieben Gott vertrauen, dann können wir ge-trost einen für uns guten Sinn in seiner Antwort suchen und finden; egal, ob die Erhörung so erfolgt, wie ich es mir wünsche, oder eben auf eine andere Art und Weise, die ich dann ergründen muss. Dass ich mich jedoch auf diesen Prozess begebe und einlasse, hilft mir schon in meinem Gebet oder gar in meiner Not. Nämlich, dass ich jemand meine Bitten anvertrauen kann und glaubend weiß, dass Gott mir hilft. Ich weiß, dass dies oft menschlich nicht immer einfach ist, doch es hilft geistlich.
Jetzt wünschen wir uns zum Beispiel einen schönen Sommer: Erholung, Entspannung und sonnige Tage. Oft kommt er auch so in der Art, wie wir es uns wünschen und ausdenken.  Tja, und wenn wir uns nicht nur beklagen, dass uns vielleicht nicht ein super sonniger Sommer präsentiert wird, so wie wir es uns erhofften, kann doch das Sich-Einlassen auf den anders gearteten Sommer sogar Sonne in unserem Herzen aufscheinen lassen. Denn Gott will, dass wir uns erholen, entspannen und sonnige Gedanken und Empfindungen habe sollen, weil er es gut mit uns meint; eben auf Seine Art und Weise.
Und in dieser Grundhaltung bete und bitte ich, dass jedem eine schöne Sommerzeit geschenkt wird; egal wie er sich dann tatsächlich, äußerlich gibt.
Möge uns so eine wunder-bare Sommerzeit geschenkt werden.
 
Harald Stehle, Vikar in der Gesamtkirchengemeinde Biberach
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 30
 
 
Fromm und kirchenkritisch
 
Verabschiedung von Pastoralreferent Matthias Kopp
 
Wir leben in einer Zeit der Umbrüche und Veränderungen. Dies gilt für die große Welt und die Weltkirche, dies gilt auch für unsere Seelsorgeeinheit Gammertingen-Trochtelfingen, die ab dem 1. Januar 2026 Geschichte sein wird. Pünktlich zu dieser Veränderung und einige Monate vor Pfarrer Wolfgang Drescher verlässt unser Pastoralreferent Matthias Kopp die lokale Kirchenbühne und geht, man kann es kaum glauben, in den Ruhestand. Mit ihm geht einer, der unsere Gemeinden menschlich und theologisch geprägt hat.
 
Als Matthias Kopp 1993 als Pastoralreferent unter Pfarrer Tröndle nach Gammertingen kam, wurde der gerade auch zum Pfarrer von Feldhausen, Kettenacker und Neufra bestellt. Aus damaliger Sicht zu viel für einen Pfarrer – deshalb bekam Neufra einen Pastoralreferenten als Gemeindeleitung. Denn, so sagte es damals das Kirchenrecht, „in Notsituationen kann ein Laie die Gemeindeleitung übernehmen.“ So entstand als Pilotprojekt das „Neufraer Modell“, später gab es diese Gemeindeleitung durch Laien ganze elfmal in der Diözese. Inzwischen ist das Neufraer Modell aber Geschichte. Trotzdem lebt Matthias Kopp noch immer im Pfarrhaus in Neufra, war jahrelang zuständig für Kommunion, Firmung, Ministranten und vieles mehr. Seit ein paar Jahren ist er schwerpunktmäßig für Trochtelfingen da, in den regelmäßigen Gottesdiensten zusammen mit Pfarrer Ekkehart Rossbach wird deutlich, wie wichtig ihm die Ökumene ist.
 
Mit seinen Gottesdiensten und seinen tiefgründigen, oft auch humorvollen  Ansprachen hat er es geschafft, auch Menschen anzusprechen, die nichts mit der Kirche am Hut haben. Den Beerdigungsdienst in unserer Seelsorgeeinheit hat Matthias Kopp grundlegend geprägt, er hat Muslime und aus der Kirche Ausgetretene angemessen und würdevoll beerdigt. Nie war es für ihn eine Frage, sich für die „kirchlichen Außenseiter“ einzusetzen. Fromm und kirchenkritisch  - bei Matthias Kopp passt das prima zusammen.
Für unsere Kirche vor Ort war und ist unser Pasti Kopp ein echter Gewinn, eine Ergänzung und ein guter Ausgleich zu Pfarrer Drescher, der ihn stets machen ließ, obwohl er es selber nicht gemacht hätte. So konnten die beiden prima zusammenarbeiten, waren sich nie Konkurrenz. Anders hätte es Matthias Kopp auch nicht so lange in Gammertingen ausgehalten…
 
Am kommenden Sonntag verabschiedet die Seelsorgeeinheit ihren Pasti nach 32 Jahren  in den Ruhestand, obwohl dieser offiziell erst am 1. Januar 26 beginnt. Matthias Kopp ist da wie immer pragmatisch: „Im Juli ist (hoffentlich) besseres Wetter als im Dezember und wir können nach dem Dankgottesdienst draußen feiern.“  Und so lädt er - und mit ihm das Seelsorgeteam und der Pfarrgemeinderat - die ganze Seelsorgeeinheit am Sonntag um 10 Uhr zum Dankgottesdienst in die Stadtpfarrkirche St. Leodegar ein. Anschließend findet ein Stehempfang mit Häppchen und Getränken auf dem Kirchplatz statt.
Kommen Sie zahlreich und feiern Sie mit uns. Wir freuen uns auf ihr Dabei-Sein!
 
Hilde Butscher,
Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der SE Gammertingen-Trochtelfingen
 
 
 
Leitartikel für Kirchenblatt Nr. 29
 
 „Nur wer sich bewegt, bewegt etwas“
 
Eine alte Lebensweisheit, die gilt für alle Lebensbereiche in Schule, Beruf, Familie, im alltäglichen Leben, auch im kirchlichen Alltag. Leben heißt sich regen, Stillstand bedeutet Rückschritt.
Ich möchte an dieser Stelle einmal vom katholischen Männerwerk berichten, der Lindenberg-Gebetswache, der ich selber seit 35 Jahren angehöre und die am Sonntag, 2o.Juli ein großes Jubiläum auf dem Lindenbergt feiert. Im Mittelpunkt steht nicht ein großer Festakt, sondern ein Dankgottesdienst mit unserem Erzbischof Stefan Burger.
Ganz bescheiden, in aller Stille und ohne großes Aufsehen, haben wir in den vergangenen Jahrzehnten viel bewirkt und bewegt, Wir dürfen auf 70 Jahre Gebetswache zurückschauen, eine einmalige Sache, die es nur in unserer Diözese gibt. Eine wahre Erfolgsgeschichte, denn um die 1000 Männer kommen jährlich auf den Lindenberg um für eine Woche für den Frieden in der Welt zu beten. Männer, die miteinander beten, die gibt es noch, sogar seit 70 Jahren auf dem Lindenberg bei St. Peter im Schwarzwald, an dem Ort, den Menschen seit Jahrhunderten besuchen um im Vertrauen auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria um Hilfe und Beistand zu bitten und um sich im Gebet für Gott und dessen Wirken zu öffnen. 
Der Ursprung der Gebetswache geht auf ein politisches Ereignis im Jahre 1955 zurück. Der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer reiste im Sept. 1955 nach Moskau, um in einer schwierigen Mission die letzten 10 000 deutschen Kriegsgefangenen heimzuholen. Zuvor reiste er in die Schweiz zum großen Friedensheiligen Bruder Klaus, um eine ganze Nacht in der Ranft im Gebet für ein gutes Gelingen zu beten. Er hat sich nicht nur auf sein politisches Geschick und seine diplomatische Erfahrung verlassen, sondern auch auf Gottes Wirken und seinen Beistand.
„Nur wer sich bewegt, bewegt etwas“, unter dieser Devise haben sich vor 70 Jahren auf Initiative von Prälat und Männerseelsorger Alois Stiefvater 30 Männer aus der Diözese auf den Weg gemacht, um in Flüeli, der Heimat des Schweizer Nationalheiligen Nikolaus v. der Flüe Anbetung zu halten. Mit diesem Gebet wollten die Männer die schwierige Mission von Bundeskanzler Adenauer bezüglich der Freilassung der Kriegsgefangenen unterstützen.
Nach seiner Rückkehr aus Moskau und der Heimkehr der letzten 10 000 Kriegsgefangenen hat sich die Gebetswache auf dem Lindenberg fest etabliert und besteht nun seit 70 Jahren. 
Vor dem Jubiläumsgottesdienst wird von Erzbischof Stefan Burger eine vom Männerwerk gestiftete Friedensglocke geweiht. Sie wird zukünftig einmal täglich von der auf dem Lindenberg weilenden Gebetsgruppe geläutet. Getreu dem Motto des Hl. Bruder Klaus: Friede ist allweil in Gott.
 
Zum Schluss noch ein Gedanke zum Sonntagsevangelium: Jesus antwortet auf die Frage, wer ist mein Nächster mit einer Geschichte, die nachdenklich macht: gestern und heute, mich und dich!
 
Ihnen allen eine friedvolle Zeit und einen gesegneten Sonntag
 
Werner Eisele, Diakon SE Gammertingen-Trochtelfingen
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 28
 
„Friede diesem Haus“
 
Die Friedensbotschaft Jesu und der Wille zur Versöhnung aller Menschen guten Willens ist angesichts der aktuell eskalierenden Lage in Nahost, dem Krieg in der Ukraine und Gewaltverbrechen in vielen anderen Ländern der Erde ein dringender und notwendiger Gegenpol zur Gewaltspirale der Mächtigen und Rücksichtslosen!
Ohnmächtig stehen wir vor den vielen Tragödien der Kriege und dem Leid der Menschen, die alles verloren haben, nicht nur Materielles, Liebgewonnenes, sondern oft auch Familie, Freunde, ihre Lebensgrundlage und ihre Perspektive!
Ein Hoffnungsschimmer ist in diesen ausweglos scheinenden Situationen schwer geworden. Viele Menschen höre ich sagen: Ich kann die Nachrichten des Tages schon gar nicht mehr anschauen, das endlose Leid überfordert und drückt nieder.
Trotz allem sollten wir Christen für Frieden eintreten, ihn unablässig einfordern und einklagen und immer wieder um Gottes Hilfe dazu bitten.
 
Mir fällt ein Gebet ein, das bereits aus dem 14. Jahrhundert überliefert ist:
 
Christus hat keine Hände, nur unsere Hände,
um seine Arbeit heute zu tun.
Er hat keine Füße, nur unsere Füße,
um Menschen auf seinen Weg zu führen.

Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen,
um Menschen von ihm zu erzählen. 
 
Jesu schickt im Evangelium des Sonntags die 72 Jünger aus, um allen Völkern die frohe Botschaft zu bringen. Wir Menschen können und sollen Einfluss nehmen, uns für Frieden und Versöhnung einsetzen. Frieden im eigenen Herzen und mit anderen ist harte Arbeit, ist Ringen, ist Nachgeben und Kompromisse finden. Mit Gottes Hilfe und Geleit können wir es versuchen.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine friedvolle Woche!
 
Sabine Teufel-Rick, Gemeindereferentin
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 27
 
Peter und Paul
 
Nicht nur die Kirche, sondern auch viele Städte feiern an diesem Sonntag die Heiligen Petrus und Paulus als ihren Patron mit Kirchen- oder Stadtfesten.
 
Petrus und Paulus, zwei recht unterschiedliche Persönlichkeiten, wenn man ihren Weg zum Glauben anschaut: der eine von Anfang an mit dabei und der Wortführer unter den Zwölf; der andere zunächst ein scharfer Gegner dieses neuen Weges. Wenn wir sie heute gemeinsam feiern, dann weil es auch und dies vor allem, eine letzte Gemeinsamkeit gibt: ihre unermüdliche Arbeit im Weinberg des einen Herrn Jesus, ihr Einsatz bis in den Tod unter Kaiser Nero in Rom.
 
Die Texte des Festtages helfen uns, einen Eindruck von diesen beiden Aposteln zu gewinnen. Im Evangelium steht die erneute Berufung des Petrus im Mittelpunkt. Nachdem er Jesus auf dem Leidensweg dreimal verleugnet hat, bekennt er nun dreimal seine Liebe und erhält vom auferstandenen Herrn den Ehrentitel „Petrus - Fels der Kirche“ und die Vollmacht zu binden und zu lösen, in die Gemeinschaft aufzunehmen und auszuschließen. Sein Erkennungszeichen sind die beiden Schlüssel, seine Hoheitszeichen. So ist Petrus der Fels der Kirche, erprobt und erschüttert, letztlich aber doch gehalten, beständig und bestätigt. „Herr, du weißt alles, du weißt, dass ich dich liebe!“
 
In der Lesung legt der Apostel Paulus Rechenschaft ab über seinen Weg zum Glauben. Er weiß sich als vom Herrn selbst berufen und bekehrt vom Verfolger zum Bekenner. Aufgrund seiner persönlichen Erfahrung wusste sich Paulus als Apostel Jesu Christi. Er wollte seine Missionstätigkeit aber nicht auf eigene Faust beginnen, sondern sich zurückgebunden wissen an die Urgemeinde in Jerusalem, verbunden mit den Säulen der Kirche - Petrus und Jakobus. Entschieden tritt er dafür ein, dass sich die Neubekehrten nicht zuerst zum Judentum bekennen müssen mit allen Geboten und Verboten. Aber, und davon berichtet er selbst und die Apostelgeschichte, begibt er sich nach Jerusalem um den „Segen“ für seine Mission zu erhalten. 
 
Petrus und Paulus - zwei recht unterschiedliche Persönlichkeiten. Und doch verbindet sie eine letzte Gemeinschaft, beide sind sie unerschütterliche Zeugen für Christus bis hin zum Martyrium unter Kaiser Nero.
 
Das gemeinsame Fest der beiden großen Apostel Petrus und Paulus – Amt und Charisma - sagt uns, dass man auf verschiedene Weise Christ sein kann und dass in der Kirche Christi Platz sein muss für Progressive und Konservative, für Ängstliche und Mutige. Wichtig ist der Blick auf den, dessen Hand uns alle hält, der den Petrus zum Fels der Kirche und den Paulus zum Apostel unter den Heiden machte.
 
Ich wünsche einen gesegneten Sonntag, Fest der Apostel Petrus und Paulus
Pfarrer Wolfgang Drescher
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 24-26 Pfingstausgabe 
 
Was bleibt, wenn sich alles ändert?
 
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das ist ein Naturgesetz, denn Gewohnheiten sind wichtig, richtig und sichern unser Überleben. Sie senken ganz entscheidend unseren Energieverbrauch, sie geben uns Sicherheit und Halt und sie sind wie Leitblanken durch die Wechselfälle des Lebens. Wir müssen nicht jeden Tag alles neu überdenken, alles in Frage stellen, das Rad von Neuem erfinden, neue Abläufe entwickeln. Bewährtes ist geprüft, eingeübt und gibt das Gefühl von Verlässlichkeit. Mit der neuen Kirchenreform 2030 wird nun Vieles anders werden, aber Gewohntes und Vertrautes wird es auch geben. Was ändert sich?
 
Die Seelsorgeeinheit Gammertingen-Trochtelfingen wird aufgelöst. Wir gehören dann zur Pfarrei Sigmaringen Herz Jesu. Der leitende Pfarrer ist ab Januar 2026 nicht mehr Pfarrer Drescher, sondern Dekan Stefan Schmid wird leitender Pfarrer. Der leitende Referent heißt Frank Scheifers. Das Pfarrgebiet ist so groß, dass man noch einen Ökonomen zur Seite gestellt bekommt. Er ist eine Art Geschäftsführer für Gebäude, Kirchen, Kapellen, Gemeindehäuser, Personal der Kirchengemeinden, usw. Pfarrer Drescher wechselt bis zu seiner Pensionierung Mitte nächsten Jahres in den Stand eines Kooperators, eines mitarbeitenden Priesters. Der hiesige Pfarrgemeinderat wird verabschiedet. Der neue Rat wird im Oktober gewählt und heißt Pfarreirat. Er hat seinen Sitz in Sigmaringen. Jede bisherige SE wird durch zwei Pfarreiräte vertreten. Der neue Pfarreirat besteht aus Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen und Vertretern von verschiedenen Institutionen (z.B. Caritas, Sozialstation, Krankenhaus, Experten usw.). Dieses neue Gremium entwickelt und beschließt die pastorale Ausrichtung und Arbeit der neuen Pfarrei. Der Pfarreirat entscheidet über die Finanzen, über Stellenbesetzungen, vertritt die Kirche in der Öffentlichkeit und unterstützt die Gemeindeteams, Gruppen, Verbände, Chöre, Frauengemeinschaften, Ministranten, Organisten, Mesner/innen und überhaupt das Ehrenamt vor Ort. Der Pfarreirat wird eine Größe von 30 bis 40 Personen umfassen. Alle Priester und Hauptamtlichen bilden eine Art Seelsorgeteam. Die Aufgabenfelder der Hauptamtlichen werden vielfältiger und sind nicht mehr ausschließlich einem festen Ort zugeschrieben. Flexibilität wird gewünscht! Dabei wächst die Chance, dass man seinen Begabungen entsprechend eingesetzt wird. Die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter/innen wird kleiner, weil es immer weniger Bewerbungen in allen pastoralen Berufen gibt.
 
Was bleibt? Gammertingen ist ein wichtiger Knotenpunkt innerhalb der großen Pfarrei und bekommt eine bestimmte Anzahl an Hauptamtlichen zugesprochen. Der Pool aller Hauptamtlichen wird aber aushelfen, wenn Not an Frau/Mann ist und bestimmte Dienste vor Ort gebraucht werden. Taufen, Eheschließungen, Beerdigungen, Erstkommunionen, Firmung und die Vorbereitung zu den Sakramenten werden weiterhin vor Ort gefeiert. Vermutlich werden wir die bisherige Taufpraxis nicht mehr in gleicher Weise aufrechterhalten können, sondern auf Taufsonntage umstellen müssen. Nur so können wir Planungssicherheit für alle gewähren. Das Pfarrbüro mit unseren Sekretärinnen Jutta Lieb und Sabine Wern steht Ihnen ganz zuverlässig zur Seite. Alle ihre Anliegen werden in gleichem Maß wie bisher bearbeitet. In GA wird es auch am Sonntag eine verlässliche Eucharistiefeier geben. In den Gemeindekirchen der übrigen Orte wird es hoffentlich regelmäßig eine Wortgottesfeier geben. Ab und zu wird hoffentlich eine Heilige Messe auch in ihrer Gemeindekirche stattfinden können.
 
Mit Abstrichen müssen sie rechnen. Aus dem Pool der Hauptamtlichen bleiben Frau Teufel-Rick und Frau Wassmer vertraute und wichtige Ansprechpartnerinnen, Pfarrer Winter aus Veringenstadt wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der nächstgelegene Priester sein, der als Kooperator Teil des Seelsorgeteams am Knotenpunkt GA sein wird. Die vertrauten Kirchenräume werden bleiben, die Gesichter der Hauptamtlichen werden bunter und vielfältiger. Das kann ein großer Gewinn werden. Die Gemeindeteams vor Ort werden ihrer Gemeinde weiterhin ein Gesicht geben und sich redlich darum bemühen, dass wichtige Feste gefeiert werden (Beispiel: Fronleichnam). Das GT wird versuchen, das Leben vor Ort so vielfältig wie möglich zu gestalten und die Lebendigkeit zu erhalten. Dazu braucht es viele Menschen, die sich in den Gruppen vor Ort weiterhin tatkräftig engagieren. Gemeinde lebt von Persönlichkeiten, die sich innerlich und äußerlich einbringen und ihre Begabungen dem großen Ganzen zur Verfügung stellen.
 
Für den zu wählenden Pfarreirat im Oktober bitte ich Sie daher von ganzem Herzen: Überlegen Sie sich ernsthaft, ob das nicht eine lohnende Aufgabe für Sie wäre. Ihr Talent ist gefragt! Bringen Sie sich ins Gespräch und rufen Sie mich bitte an oder machen Sie Vorschläge für geeignete Personen. Handy 0173/300 11 74 Matthias Kopp
 
Was bleibt, wenn sich alles ändert??? Das hängt wesentlich von uns allen ab! Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt, so lautet eine Liedstrophe. Eine weiterhin lebendige, glaubwürdige, kirchlich orientierte Gemeindearbeit ist dann möglich, wenn Sie uns helfen. Machen Sie mit auf der Baustelle „Kirche vor Ort“. Ihr Beitrag zählt!!! Ob als Pfarreirat/rätin, ob als kreativer Geist im Gemeindeteam, im Chor, bei den Minis, in der Frauengemeinschaft, im Seniorenwerk, im Lektoren- und Kommunionhelferdienst, als Organist/in, als Mesner/in, als Jugendarbeiter/in, als Katechet/in, im Dekodienst, im Beerdigungsdienst und als Liturge/in bei den Wortgottesfeiern, usw. Sie sind unsere große Hoffnung!!!
 
Matthias Kopp, Pastoralreferent der SE Gammertingen - Trochtelfingen
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 23
 
 
On fire – 100 Jugendliche lassen sich firmen
 
On fire. – so lautete das Leitwort unserer diesjährigen Firmvorbereitung. Eine Person, die „on fire“ ist, brennt für etwas. Sie befindet sich in einem scheinbar unaufhaltsamen und energiegeladenen Zustand. Sie ist in ihrem Element. Sicher waren wir alle auch schon einmal so richtig „on fire“, haben für einen Menschen oder eine Sache gebrannt. Im Christentum ist das Feuer ein Symbol für den Heiligen Geist. So können wir in der Bibel lesen, dass sich der Heilige Geist in „Zungen wie von Feuer“ gezeigt hat. Die Kraft dieses Geistes ist es, die in der Firmung zugesagt wird. Sie befähigt die Gefirmten, ihr Leben und ihren Glauben eigenverantwortlich zu gestalten.
Im November 2024 haben sich 100 Jugendliche aufgemacht, um sich auf die Firmung vorzubereiten. In einem ersten intensiven Workshop haben sie sich zunächst mit ihrer eigenen Identität beschäftigt und sich die Frage gestellt, wie sie ihren Glauben in der Welt authentisch und verantwortlich leben können und wollen.
In einem zweiten Workshop haben sich die Jugendlichen anhand von 11 Stationen mit dem Heiligen Geist, seine Gaben und Früchten beschäftigt und haben am eigenen Leib erfahren, dass es Aufgaben gibt, die nur in einer funktionierenden Gemeinschaft bewältigt werden können. Die Jugendlichen haben miteinander gebetet und ihrem Glauben künstlerisch Ausdruck verliehen.
Zusätzlich durften die Jugendlichen aus 15 verschiedenen Projekten diejenigen wählen, für die sie brannten. Zum Beispiel gingen einige junge Männer und Frauen als Sternsinger*innen los um Spenden für das Kindermissionswerk zu sammeln. Andere fanden sich in einer Gesprächsgruppe zum Thema Fremdenfeindlichkeit zusammen oder tauschten sich zum Thema Feminismus und Glaube aus. Wieder andere machten die Erfahrung des Gefunden Werdens -selbst in tiefster Dunkelheit – mit der Hundestaffel des DRK. Einige Jugendliche setzten sich mit dem - immer noch gegenwertigen Problem - des Rassismus auseinander und machten sich Gedanken darüber, welche Haltung sie als verantwortungsvolle Christ*innen zu diesem Thema einnehmen wollen und können. Zwei junge Frauen haben bereits im Januar angefangen, den Firmgottesdienst vorzubereiten. Wieder andere Jugendliche haben den langen Weg nach Augsburg nicht gescheut, um einen Tag im Gebetshaus – einem modernen Kloster, in dem 24/7 gebetet wird – zu verbringen und sich inspirieren zu lassen. Viele Jugendliche haben sich intensiv mit den biblischen Texten zum Heiligen Geist beschäftigt. Sie haben gemeinsam mit den Konfirmand*innen verschiedene Texte meditiert, gelettert und bibelgeteilt. In diesen Texten haben sie auch die Verse gefunden, die sie von nun an begleiten sollen und sie in Epoxidharz gegossen. Eine große Gruppe hat sich den Fragen des Glaubens gestellt und diese intensiv diskutiert. Ganz praktisch wurde es beim Bau und dem Ausprobieren eines Bumerangs, der sinnbildlich für alle Botschaften stand, die die Jugendlichen in die Welt hinaussenden. Sehr eindrucksvoll wurden die Jugendlichen über Nachhaltigkeit und den christlichen Schöpfungsauftrag in der Stadtmühle Gammertingen aufgeklärt. Ein besonderes Highlight war auch das Backen und der Verkauf von Osterbrot. Die Jugendlichen buken und verkauften über 60 Brote und spendeten den gesamten Erlös an die Kinderkrebshilfe Tübingen e.V., als Zeichen ihrer Nächstenliebe und ihres Wunsches, die Welt ein Stückchen besser zu machen.
Ganz bewusst nahmen sich die Jugendlichen vor, möglichst viele Gottesdienste mitzufeiern. Dabei waren die Karwoche und die Feier der Versöhnung besondere Höhepunkte.
Am Freitag 30. Mai und Samstag, 31. Mai werden nun diese Jugendlichen, unsere Firmand*innen von Weihbischof Würtz gefirmt und damit mit dem Heiligen Geist besiegelt. Damit ist die Initiation – die Aufnahme in die Gemeinschaft der Katholik*innen – für sie abgeschlossen. Unsere Firmand*innen werden vor den Weihbischof treten, weil sie bereit sind, weil sie on fire sind, weil sie authentisch und eigenverantwortlich ihren Glauben leben wollen.
Und ich bitte Sie und Euch alle, für unsere 100 Firmand*innen, um die Kraft des Heiligen Geistes zu beten, damit es ihnen gelingt, die Nachfolge Christi anzutreten.
Bitten wir für sie, wie Jesus selbst uns auffordert, wenn er im Evangelium sagt: „Bittet und ihr werdet empfangen.“
 
Ein gesegneten Sonntag wünscht Ihnen und Euch Pastoralreferentin Alena Wassmer
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 22
 
 
Habemus papam! Der Neue ist eine Überraschung! Er war nicht gesetzt!
 
Robert Francis Prevost, ein Amerikaner des Nordens und des Südens (Peru) wird überraschenderweise am 8. Mai (Befreiung Deutschlands aus der Diktatur des Nationalsozialismus) zum 267. Papst der Kirchengeschichte gewählt. Weißer Rauch stieg aus dem symbolträchtigen Kamin der Sixtina empor, nach nur 4 Wahlgängen stand der neue Papst fest. Sein bescheidener, schüchterner Auftritt auf der Mittelloggia des Petersdoms folgte kurz nach 19 Uhr. Mit roter Mozetta allerdings ohne Hermelinbesatz, damit setzt er ein anderes Zeichen als Franziskus. Gerührt war der Außenseiter bei seinem ersten Auftritt. Unsicher und irritiert über seine Wahl. Schön menschlich, natürlich, schlicht! Seine erste Botschaft war klar und deutlich. Frieden für alle in einer zerrissenen Welt. „Ein entwaffneter und entwaffnender Friede, demütig und beharrlich.“ „Helft ihr uns, und untereinander Brücken zu bauen, mit dem Dialog, mit der Begegnung, um uns alle zu vereinen, um ein einziges Volk zu sein. Danke, Papst Franziskus!“ Seine Worte zeigen seine Ausrichtung. Er steht in den Fußstapfen seines Vorgängers. Er wird politisch bleiben und die Rechte der Armen nicht aus dem Blick verlieren. Er wird ein Bewahrer der Schöpfung sein und die Mächtigen an den Schutz des Lebensraums Erde erinnern. Er wird sich gegen einen ungezügelten Kapitalismus zur Wehr setzen, denn sein Name ist Programm.
 
Bereits Leo XIII hat für Päpste eine revolutionäre Sozialenzyklika geschrieben und sich gegen die Verelendung der Arbeiter im beginnenden Industriezeitalter zur Wehr gesetzt. Mit glasklaren Worten fordert er Rechte für die Arbeiter/innen und Schutz für ihr Wohlergehen. Eine Kirche auf der Seite der Schwachen. Sein Namensgeber hat diplomatische Beziehungen zu vielen Staaten der Welt aufgebaut, um als moralisches Korrektiv wirken zu können und mit Hilfe der Diplomatie das Wohl der Völker zu mehren. Auch der neue Papst ist ein begnadeter Diplomat. Sicher ist das der Grund seiner Wahl. Man suchte einen Vermittler, einen Kompromisskandidaten zwischen Traditionalisten und Reformeifrigen in der kath. Kirche. Der neue Papst beschwört die Einheit. Das könnte allerdings auch ein Schwachpunkt sein. Ich halte Einheit in der Vielfalt für den richtigen Ansatz. In Asien, Afrika und Lateinamerika darf die kath. Kirche anders sein als in Europa. Wir müssen in unserer Kirche lernen, die unterschiedlichen kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu akzeptieren. In unserer Kirche vor Ort darf es andere Standards geben, als in anderen Teilen der Welt. Vielfalt ist notwendig, weil wir nur so der Entwicklung in die Tiefe und nach vorne gerecht werden. Das Diktat der Einheit kann Kreativität und Anderssein ersticken. Vielfalt ohne den Blick auf die Einheit zu verlieren ist das Gesetz der Stunde. Diese Fähigkeit wünsche ich mir persönlich von unserem neuen Papst. Er soll ein Brückenbauer sein, er soll sein diplomatisches Geschick für den Zusammenhalt der Kirche einsetzen und er soll der Vielfalt der Kirchenmodelle Raum bieten, damit sich die Kirche schöpferisch und fantasievoll weiterentwickeln kann. An jedem Ort der Welt ein bisschen anders. Ungleichzeitigkeit ist keine Gefahr, sie ist eine Bereicherung. Leo XIV ist Sohn von Migranten, ist Weltenbummler, ist ein kluger Kopf, ist Vielsprachler, ist Gefühlsmensch, ist Ordensmann, ist Sportler, ist spiritueller Mensch und darum hoffe und vertraue ich darauf, dass sein Pontifikat Impulse für unsere Kirche setzen kann.
 
Meine Gebete sind ihm sicher!!! 
Bei seiner Amtseinführung haben mich folgende Worte besonders berührt: „Ich wurde ohne jegliches Verdienst ausgewählt und komme mit Furcht und Zittern zu Euch als ein Bruder, der sich zum Diener eures Glaubens und eurer Freude machen und mit Euch auf dem Weg der Liebe Gottes wandeln möchte… der möchte, dass wir alle eine einzige Familie sind.“
 
Er ist kein amerikanischer Narzisst, kein Großmaul, kein Deal Maker, kein Egozentriker mit großen Sprüchen, kein Feind der Demokratie und des Rechtsstaates. Seine Markenzeichen sind: Barmherzigkeit, Mitgefühl, Frieden, Dialog, Begegnung, synodale Kirche, Dialog und Liebe zu Gott und den Menschen. Das macht Hoffnung! Natürlich wird er nicht die kath. Kirche in meinem Sinne umkrempeln und plötzlich die Gleichberechtigung der Frauen einläuten. Er wird nicht Frauen ins Priesteramt heben und sie zu Bischöfinnen weihen. Er wird morgen nicht Wiederverheiratete Geschiedene rehabilitieren und die rigide und verengte Sexualmoral korrigieren. Er wird noch nicht die Kirche basisdemokratisch ausrichten und den Missbrauchten eine ordentliche Entschädigung zukommen lassen. Aber er wird Akzente setzen, die mich optimistisch stimmen. Aus Erfahrung weiß ich, dass man in seinem Amt zu ungewohnter Größe und Reife wachsen kann und über sich selbst hinauswachsen kann.
 
Das wünsche ich Ihm von Herzen! Gott steht ganz sicher auf seiner Seite. Wir sollten ihm alle einen Vertrauensvorschuss schenken. 
 
Gott mit Dir, Papst Leo XIV!
 
Matthias Kopp, Pastoralreferent der SE Gammertingen-Trochtelfingen     
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 21
 
Was solla mr macha, wenn du goascht?
 
Ganz einfach, kurz und bündig kann man die Antwort aus dem heutigen Evangelium (Joh 13, 31ff.) geben, so wie sie Jesus seinen Jünger gegeben hat: „Liebt einander!“ (Joh13,34a). Jetzt ist das natürlich ein großes Wort, das viele Facetten der Liebe allgemein benennt. Deswegen macht es Jesus etwas konkreter: „Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben“ (Joh13, 34b). Nun kann man weiter fragen: Und wie hat Jesus seine Jünger, seine Kinder, wie er sie nennt, geliebt? Darauf bekommen wir eine Antwort, die auf die Grundhaltung Jesu zu den Menschen hindeutet: Seine Liebe zu den Menschen zeigt sich, indem er sie in ihrer Persönlichkeit wahrnimmt, achtet und ehrt, sie mag und ihnen mit Barmherzigkeit, Entgegenkommen und Würde begegnet.
Diese Grundhaltung wird nun in unterschiedlicher Gewichtung und Differenzierung jeden Tag von Ihm neu gelebt. Davon können wir in den Evangelien viel lesen: einmal wird die Liebe in Ermutigung, Verständnis und Fürsorge gelebt (z.B. Umgang mit der Ehebrecherin), ein andermal wird die Liebe mit Verzeihung, Empathie und Stärkung gelebt (z.B. Umgang mit Zachäus, dem Zöllner).
So können wir viele Situationen und Facetten der Liebe bei Jesus erkennen. Und dies alles gibt er sozusagen weiter, so dass auch dann, wenn er nicht mehr da ist, wir in seinem Sinne weitermachen können. „Was solla mr macha, wenn du goascht?“ wird also positiv beantwortet. Bei aller Traurigkeit, die ein Abschied immer mit sich bringt, wird von Jesus ein schönes Vermächtnis gegeben: Liebt einander! Und ein weiterer Gedanke dazu zeigt, dass der Grund eines solchen Verhaltens Gott selber ist.
Jesus fühlt sich, laut Johannesevangelium, immer eins mit dem Vater. Der Vater lebt also in Ihm mit all seiner Liebe. Das tut er, weil Gott die Liebe an sich, die Quelle aller Liebe, ist. Und so kann auch Jesus die Liebe des Vaters an seine Jünger weitergeben und es für alle sichtbar machen: „Dann werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“
 
Werden wir uns als Christen wieder neu bewusst, dass unser Herr Jesus Christus uns liebt und wir seine Liebe in Fülle ausleben dürfen und sogar sollen, damit es uns und allen Menschen gut gehen soll.
Auf dass uns das in der Grundhaltung der Liebe gelingt, wünsche ich allen einen gesegneten, schönen Sonntag!
 
Harald Stehle, Vikar: Gesamtkirchengemeinde Biberach Stadt
 
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 20
 
Ein Hirt und eine Herde
 
Die Älteren von Ihnen kennen sicherlich noch das Bild, als der Schäfer durch den Ort zog, über die Wiesen und Äcker und seine Schafherde fest im Blick hatte. Und wie die Schafe vor allem auf die vertraute Stimme hörten und ihrem Hirten gehorchten. Das heutige Evangelium steht als Sinnbild dafür.
 
In vielen Häusern hing früher ein Bild des guten Hirten, auch bei mir in der Wohnung hängt noch ein solches. Jesus sitzt in der Mitte, auf seinem Schoß hält er ein kleines Lamm in den Händen, jammernd vor ihm das Mutterschaf. Die Tiere rings um ihn haben alle den Blick auf ihn gerichtet. Der Himmel hinter seinem Rücken ist bedrohlich dunkel, vor ihm dagegen verschwindet die Abendsonne und kündet das Ende des Tages an.
Die Worte des heutigen Evangeliums und dieses Bild vermitteln so etwas wie Schutz und Sicherheit. Sie klingen nach Geborgenheit, Vertrauen und spiegeln die Güte Gottes wider. So ist Gott, so ist Gott zu uns Menschen. Gott beschützt uns, er sorgt für uns, er ist wie ein Hirte für seine Schafe. Er führt uns zum frischen Wasser, weidet uns auf duftenden, sattgrünen Auen im Frühling, so wie es im Psalm 23 heißt: Ich bin der gute Hirt, sagt Jesus, ich kenne die meinen, und die meinen kennen mich. Stimmt das? Kennen wir Jesus? Ist er unser Hirt und sind wir seine Schafe?
 
Viele haben heute damit ihre Schwierigkeiten, sie wollen kein Schaf sein, schon gar kein Herdentier, immer mit der Masse mitlaufen, dazu noch ein Wiederkäuer und ab und zu noch geschoren werden. Daher finden manche, die Schafherde und Hirte, die passen nicht mehr zu ihnen. Zu Kindern vielleicht schon, aber als Erwachsene da muss man den Lebensweg heute schon selber gehen und sich immer wieder neu entscheiden. Wir müssen selber Verantwortung tragen, nichts mit grünen Auen, frischem Wasser und gar nicht alles immer geregelt. Wer will noch ein einfaches Schaf sein? Der Hirte aus den Tagen unserer Kindheit, ja der scheint bei vielen weit weg.
 
Dann zeigt der Tod von Papst Franziskus ein ganz anderes Bild. Gläubige aus der ganzen Welt zeigen ihre Verbundenheit und trauern um das Oberhaupt der katholischen Kirche. 1,4 Milliarden Menschen zählen in der Zwischenzeit zu dieser großen Herde. Tausende nahmen an den Trauerfeierlichkeiten teil, Zehntausende säumten die Straßen und gaben dem Papst das letzte Geleit. Die führenden Staatsoberhäupter gaben sich ein Stelldichein und Repräsentanten aus Wirtschaft und Gesellschaft zeigten ihre tiefe Verbundenheit. Für eine kurze Zeit stand die Welt still. Am Ende der Trauerfeier nahmen die Armen und die Ausgestoßenen Abschied vom Oberhaupt der Kirche.
 
Wir alle wurden mit einer neuen Realität konfrontiert. Das zeigt, nicht das Evangelium muss sich verändern, nein wir sind es, die anfangen müssen zu verstehen. Dazu braucht es den Hirten, wir brauchen eine Kraft und das Licht von oben. Nur so kann die Kirche glaubwürdig werden und den Menschen von heute den lebendigen Gott zu verkünden, den Jesus seinen Vater nennt.
 
Ihnen allen einen gesegneten Sonntag
Werner Eisele. Diakon SE Gammertingen-Trochtelfingen
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 19
 
Nachruf Papst Franziskus
  
 
von Erzbischof Stephan Burger
 
 
Die weltweite Kirche ist in diesen Stunden in Trauer um Papst Franziskus vereint, aber auch in großer Dankbarkeit um sein Wirken als Pontifex. Bei vielen Menschen hat er aufgrund seines Auftretens große Hoffnungen geweckt: Mit seinem hingebungsvollen Einsatz für die Würde aller Menschen und für den Frieden.
 
Er wurde zu einem Wächter der universalen Menschenrechte, des Friedens und der menschlichen Freiheit. In Zeiten nationaler Alleingänge und zunehmender Anfragen an universale Grundrechte hat er diese immer wieder verteidigt und ihre Einhaltung angemahnt – nicht zuletzt auch angesichts der vielen Millionen Geflüchteten weltweit und den Diskussionen um Migrationsvermeidung.
 
Er hat sich an viele Orte begeben, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen, auch mit jenen, die seinen Glauben nicht teilen, die aber sehr wohl seine Grundhaltung einer auf universalen Rechten basierenden irdischen Ordnung teilten. Dafür stehen Dokumente wie das von Abu Dhabi, sowie die Begegnungen mit muslimischen und jüdischen Gelehrten. Davon geben auch zahlreiche Audienzen im Vatikan Zeugnis. Diese interreligiösen und interkulturellen Kontakte zeugen von der großen Offenheit des Papstes. Innerkirchlich zeigte sich dies in seinem synodalen Verständnis und dem Austausch zwischen den verschiedenen Menschen und deren Anliegen in der weltweiten Kirche.
 
Die Theologie von Papst Franziskus war von der Einsicht geprägt, dass eine eindimensionale Betrachtung der Lebensverhältnisse, des Glaubens und der Kirche nicht der Vielfalt und Komplexität der eigentlichen Lage gerecht werde. Das wurde deutlich in seinen Enzykliken. Die am breitesten rezipierte Enzyklika „Laudato si´“ verband die Sorge um ein menschenwürdiges Leben insbesondere indigener Gruppen und der Armen mit der Sorge um „unser gemeinsames Haus“. Er betonte, dass nicht nur das Recht auf ein Leben in Frieden unter den Menschen, sondern ebenso das Recht auf ein Leben in Frieden und im Einklang mit unserer Umwelt seinen eigenen Glauben geprägt hatte.
 
Die Zentrierung auf Gott, die uns in der Nachfolge Christi direkt zum Menschen führt, war ein zentraler Bestandteil seiner Sichtweise auf den Dienst der Gläubigen. Den „Geruch der Schafe“ anzunehmen, was er von pastoralen Ämtern einforderte, verband sich in der Enzyklika „Fratelli tutti“ mit einem Bekenntnis zum Dienst am Nächsten, in einer Hingabe an diesen Dienst als Auftrag an alle, ohne zwischen Menschen im Sinne von Gruppenzugehörigkeiten zu unterscheiden.
 
Er sah das ganze Volk Gottes zur Heiligkeit berufen. Dies brachte er etwa in seinem Apostolischen Schreiben „Gaudete et exsultate“ ins Wort.
 
Zugleich bewahrte er die Bedeutung der Heiligen und Seligen der Kirche als Vorbilder in der Nachfolge Christi. So wird sein Pontifikat mit der Erzdiözese Freiburg und der in Freiburg stattfindenden Seligsprechung von Max Josef Metzger am 17. November 2024 verbunden bleiben.
 
Die Ausrufung des Heiligen Jahres 2025 war ein für ihn wichtiges Signal der Umkehr der gesamten Kirche, insbesondere angesichts des Ausmaßes sexuellen Missbrauchs und dessen Aufarbeitung.
 
Die enge Verbindung zwischen sozialem Anspruch kirchlicher Lehre und göttlicher Sendung in der Liebe Christi wurde zuletzt auch in der Enzyklika „Dilexit nos“ deutlich.
 
Im Zentrum von Papst Franziskus‘ Kirchenpolitik stand die besondere Anerkennung der Menschen, die der Zuwendung bedürfen. Die Ziele pastoraler Reisen oder seine Personalentscheidungen sind deshalb als Hinweise darauf zu verstehen, die Bedrängten an den Rändern unserer Gesellschaften nicht zu übersehen, sie als neue Zentren des Christentums anzuerkennen. Franziskus versuchte die katholische Kirche zu erneuern, ohne die gewachsene Tradition zu verraten. Die Heiligkeit des Gottesvolkes zeigte sich für ihn in der Übereinstimmung von Lehre, Wirken und Handeln in der gesamten kirchlichen Gemeinschaft.
 
Was von Papst Franziskus bei all seinem Wirken und Handeln in Erinnerung bleiben wird, ist seine zugleich Gott und den Menschen zugewandte, heitere Art, die selbst in Zeiten von Krankheit und Sorge in den Begegnungen mit ihm immer wieder deutlich wurde. Das hat ihn, das hat sein Pontifikat und sein Leben geprägt und zu einem Vorbild als Hirte und Mensch werden lassen.
 
R. I. P.
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 16-18 Osterausgabe
 
 
Und was wäre…
 
Und was wäre, wenn wir lächelnd am Grab stehen würden?
Und was wäre, wenn wir dem Blühen der Sonnenblumen glauben würden?
Und was wäre, wenn wir trotzdem vertrauen würden?
Und was wäre eigentlich, wenn Du trotz Allem keine Angst hättest?
Trotz dem Gestern und den Schmerzen weit hinten in Deinem Herzen?
Trotz dem Heute mit den dunkelgrünen Stunden, die schwarz schimmern wie dunkler Samt.
Sabrina Wilkenshof
 
Dann - meine lieben Schwestern und Brüder - wäre Ostern!
Lasst uns gemeinsam vertrauen, glauben und keine Angst haben, weder vor dem Heute, noch vor dem Morgen. Lasst uns alle Wenns und Abers zur Seite schieben und feiern.
Lasst uns wahrhaft vertrauen und uns freuen,
denn Christus ist auferstanden,
er ist wahrhaftig auferstanden und hat den Tod für alle
und für allemal besiegt.
Lasst uns freuen!
 
Gesegnete Ostern, wünscht Ihnen das gesamte Pfarrteam Gammertingen-Trochtelfingen
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 15
 
 
Meditieren oder degenerieren! – Oder das Geheimnis der inneren Ruhe!
 
Früher waren es die Mönche und die spirituell angehauchten Menschen, die sich mit der Praxis der Meditation beschäftigt haben und erstaunliche Bewusstseinssprünge gemacht haben auf dem Weg zu einem glücklichen, befreiten und ganzheitlichen Leben. Sie wurden gerne müde belächelt. Später waren es bekannte Persönlichkeiten, die aus dem alten Schatz der Mönche und Mystiker Schätze geborgen haben und sie in ihr Leben integriert haben. Albert Einstein sagte: “ Das wirklich Wertvolle ist die Intuition. Durch Meditation fand ich Antworten, bevor ich überhaupt die Frage stellte.“ Der berühmte Star Hugh Jackman ist seit vielen Jahren ein Meditierender und sagt: „Jeder profitiert von der Meditation, jeder, den ich je getroffen habe. Es hat mein Leben verändert. Es ist buchstäblich die einfachste Sache auf dem Planeten.“ Die Hollywood-Legende Clint Eastwood sagt: „Ich bin eine großer Unterstützer der Transzendentalen Meditation. Ich benutze sie seit über 50 Jahren  -  und ich denke, es ist ein großartiges Werkzeug gegen Stress und für jeden geeignet.“ Ein anderer Superstar Chuck Norris meditiert täglich zweimal je 20 Minuten und schreibt: „Bewegung, Gebet und Meditation sind Beispiele für beruhigende Rituale.
Es hat sich gezeigt, dass sie eine glücklichere Stimmung erzeugen und einen positiven Weg durch die täglichen Frustrationen des Lebens weisen.“ Heute sind es die Hirnforscher die nachweisen können, dass sich das regelmäßige Meditieren äußerst positiv auf unsere Hirnstruktur auswirkt. Im MRT kann man Gehirnregionen beim Meditieren beobachten und ihre Wirkweise auswerten. Lernen, Gedächtnis und emotionale Bereiche werden stimuliert. Gefühle wie Wut, Traurigkeit und Stress werden nachhaltig gedämpft. In der Meditation werden Güte, Nachsicht und Wahrhaftigkeit gestärkt und führen den Menschen aus dem Egotunnel. Der bekannte Schlagzeuger und Liedschreiber Sterling Campell beschreibt das so: „Nachdem ich damit angefangen habe zu meditieren, hörte ich innerhalb von drei Wochen auf zu rauchen, Alkohol zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe es einfach nicht mehr getan. Ich habe meine persönlichen Standards erhöht – man lernt, andere vor sich selbst zu stellen. Es geht ganz um dein Herz.“ Der Philosoph und Bewusstseinsforscher Thomas Metzinger von der Uni Mainz ist deshalb der Ansicht: „Meditation kann Menschen auf eine neue Stufe der Aufklärung führen, denn heute ist die meditative Praxis ein nicht-intellektueller Weg, der zu einer Ehrlichkeit, zu einer umfassenden Wahrhaftigkeit sich selbst gegenüber führen kann.“ Der renommierte Hirn- und Meditationsforscher Ulrich Ott vom Bender Institute of Neuroimaging in Gießen benutzt ein sehr schönes Bild, um die Wirkweise der Meditation zu beschreiben: „Es ist wie mit einem Ausflug auf einen Berg: Man geht nach oben und schaut ins Tal seiner selbst. Man nimmt seine Gedanken und Gefühle wahr und lässt sie vorbeiziehen, ohne sie zu bewerten. Tiefe Entspannung macht sich breit. Sie wirkt so tief, dass auch der Körper reagiert. Die Muskulatur entspannt sich – bis hin zu den winzigen Muskeln, die unsere Blutgefäße umschließen. Der Blutdruck sinkt.“ „Für erfolgreiches Handeln ist diese Fähigkeit des Menschen ein großer Vorteil.“ 
 
Meditation hilft dem Immunsystem, stärkt die Konzentrationsfähigkeit, baut Stress ab, mildert depressive Gefühle und Ängste und steigert die Fähigkeit, sich besser in Menschen einfühlen zu können. Man kommt sich und Gott näher. Meditation ist ein sich selbst verstärkender Prozess auf dem Weg zu einem gesünderen und besseren Menschsein. Vielleicht sollten wir der stillen Kraft des Nichts-Tuns in unserem Leben eine Chance geben. Meditieren oder degenerieren! Raus aus dem Egotunnel! Wann fängst DU an?  
 
Jesus war einer, der meditiert hat. Jeden Morgen zog er sich in die Einsamkeit zurück und gönnte sich das Geheimnis der Ruhe. Er konzentrierte sich auf sich selbst, sein Leben und auf Gott. Im heutigen Evangelium tut er es sogar tagsüber während einer harten Auseinandersetzung mit seinen Gegnern: „Jesus aber bückte sich und schrieb auf die Erde… „und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.“ Wer sich die Zeit nimmt, mitten im Alltag zu meditieren, der trifft weise Entscheidungen. Wann fängst DU an?
 
Matthias Kopp, Pastoralreferent der SE Gammertingen-Trochtelfingen
 
 
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 14
 
 
Der Vater liebt. Und was wird aus den Brüdern?
 
Papst Franziskus spricht gerne und überzeugend von Gottes Barmherzigkeit. Ein großes Zeichen der göttlichen Barmherzigkeit ist für ihn die Vergebung der Sünden. Wie Jesus von der Barmherzigkeit Gottes denkt, hat er uns heute im Evangelium erzählt.
 
Einen jungen Mann packt die Abenteuerlust. Er nimmt sein Erbteil und schafft es, alles in kurzer Zeit durchzubringen. Am tiefsten Punkt kommt dann die Frage: trotzig so weitermachen und vor die Hunde gehen – oder zugeben, dass man sich verrannt hat. Wir kennen die wunderbare Szene der Heimkehr und die liebevolle Aufnahme beim Vater.
Manch einem mag die ganze Geschichte zu schön und zu rund sein. Darum sind auch immer wieder etwas andere Geschichten vom guten Vater und dem verlorenen Sohn entstanden. Eine dieser Geschichten findet sich zum Beispiel im Schauspiel „Die Räuber“ von Friedrich Schiller. Da ist es der ältere Sohn, der von zu Hause weggeht. Als er ziemlich heruntergekommen ist, schreibt er an seinen Vater. Aber der jüngere Bruder fängt den Brief ab und schreibt sozusagen im Auftrag des Vaters an seinen älteren Bruder: „Du sollst hingehen, lässt dir der Vater sagen, wohin dich deine Schandtaten führen. Auch, sagt er, werdest du dir keine Hoffnungen machen, jemals Gnade zu seinen Füßen zu erwimmern. Im untersten Gewölbe seiner Türme wirst du mit Wasser und Brot traktiert.“
 
Es ist interessant, wie hier die Geschichte vom liebenden Vater zu einer Geschichte der feindlichen Brüder wird. Aber ist das nicht auch die Geschichte des Evangeliums? Natürlich will Jesus seinen Zuhörern sagen, dass der Gott, auf den sie sich berufen, unendlich liebevoll und barmherzig ist. Er will aber auch deutlich machen, dass dieser liebende Vater die Menschen untereinander verbinden möchte. Man kann sich vorstellen, dass der heimgekehrte Sohn wahrscheinlich die Hölle im Vaterhaus hätte, wenn sein Bruder sich nicht umstimmen ließe. Und auch der Vater würde wohl des einen Freund und des anderen Feind werden, wenn keine Veränderung stattfinden würde.
 
Den Sohn, der in der Fremde herunterkam, hat das Leben mit seiner Härte bekehrt. Was wird den Bruder umstimmen, der ordentlich in Traditionen gelebt hat?
Das Evangelium erzählt uns, wie die Versöhnung zwischen dem Vater und dem verlorenen Sohn ausgeht. Leider erfahren wir nichts darüber, wie die beiden Brüder miteinander zurechtkommen.
Jemand hat mal gemeint, das ist der Teil des Evangeliums, an dem wir noch arbeiten jeden Tag, mit wechselndem Erfolg.
(Jürgen Jagelki)
 
Ich wünsche Ihnen allen einen gesegneten Sonntag
Pfarrer Wolfgang Drescher
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 13
 
 
Mit Gott an unserer Seite
 
Das hat Moses nun sicher nicht erwartet: dass er beim Ziegenhüten Gott begegnen würde und dass Gott sogar aus einem Dornbusch zu ihm sprechen würde. Diese Geschichte erzählt von einer Erfahrung, die das Volk Israel immer wieder gemacht hat: Gott ist nicht weit weg von uns, irgendwo im Himmel. Nein, Gott will bei uns Menschen sein; er sucht unsere Nähe. Deshalb kommt er zu uns: Er zeigt sich uns, er spricht zu uns oder er nimmt Menschen in seinen Dienst, auch heute noch! Allerdings müssen wir achtsam und neugierig sein, wenn wir – wie Moses – Gott in unserem Alltag entdecken wollen.
Gott liebt die Menschen, sie sind ihm nicht gleichgültig. Deshalb greift er ein, als Israel in Not gerät und Hilfe braucht: Er schreitet ein und beauftragt Moses, sein Volk aus Ägypten, aus der Sklaverei, zu befreien. Doch Moses hat Angst und er zweifelt, ob er da der Richtige ist. Ist er denn wirklich geeignet – er, der doch selber viele Fehler und Schwächen hat; er, der schon einen ägyptischen Aufseher erschlagen hatte und aus Ägypten fliehen musste, – ausgerechnet er sollte nun das Volk Israel in die Freiheit führen? Wer wird ihm glauben, wer wird auf ihn hören? Muss man für so eine Aufgabe nicht ganz anders sein: besser, frommer, gerechter, mutiger?
Doch unsere Geschichte zeigt: Gott denkt anders als wir Menschen. Wenn er uns ruft, dann traut er uns auch zu, dass wir das können. Es liegt an uns, es zu wagen und – wie Moses – sich Gott zur Verfügung zu stellen.
Obgleich Moses sich anfangs wehrte und den Auftrag Gottes lieber abgelehnt hätte – zum Schluss willigt er ein. Er vertraut diesem Gott und dem, was sein Name Gutes verheißt.
Gott sagt von sich selbst: „Ich bin der ‚Ich-bin-da‘ (für euch)”: ein ungewöhnlicher Name! Es ist ein Name, der etwas verspricht: Gott verspricht, für uns da zu sein und uns beizustehen. Er verspricht, alle Wege mit uns zu gehen und uns nicht zu verlassen. Das hat Moses Mut gemacht.
Und dass Gott diesen Namen zu Recht trägt, dass er wirklich zuverlässig und treu ist, dass man sich auf ihn verlassen kann, zeigt das gute Ende dieser Geschichte: Moses gelingt es nämlich wirklich, mit Gottes Hilfe das Volk Israel aus den Händen der Ägypter zu befreien und in das Gelobte Land zu führen.
Gottes Name, so heißt es am Schluss der Geschichte, hat Gültigkeit „für immer”: Gott ist nicht nur ein liebender und treuer Gott für das Volk Israel gewesen, sondern er will es auch für uns heute sein. Mit ihm an unserer Seite können wir uns viel zutrauen und vielleicht – so wie Moses – zu Helfern und Rettern für andere Menschen werden.
 
Aus Gottes Wort im Kirchenjahr
 
Wir wünschen Ihnen einen gesegneten Sonntag
Pastoralteam der SE Gammertingen-Trochtelfingen
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 12
 
 
„Jetzt schlägt’s Dreizehn“ – „Jetzt sag i aber nix me“
Wenn es plötzlich aufblitzt und strahlt: persönliche Sternstunden – besondere Momente!
 
So ziemlich jeder und jede hat es schon mal erfahren und erlebt, dass man von einer Begebenheit, einer vielleicht sogar zufälligen Situation oder in einer Begegnung mit wem auch immer, so fasziniert, oder neudeutsch ausgedrückt so „ge-flash-ed“ wurde, dass es einem die Sprache verschlagen hat und man ein absolut tiefgehendes Gefühl von etwas Wunderbarem erahnt. Die Welt steht für den Moment still und in diesem Augenblick ist kurzzeitig alles gut, ja sogar vollkommen. Was passiert in solchen Momenten? Von außen angestoßen, wird man im Innern so angesprochen, dass die eigentliche unaussprechliche Tiefe in einem selbst sich regt, sich zeigt und sich ganz bei sich und der Welt fühlen lässt. 
Und in dieser Spur kann das heutige Evangelium gesehen werden. Kurzzeitig strahlt, ja verklärt sich Jesus im ganz Durchdrungensein von seinem Vater. Kurzzeitig zeigt, ja offenbart sich der Vater, Gott selbst, dem Sohn, Jesus, und ruft ihm seine ihm eigene Bestimmung zu: „Du bist mein geliebter Sohn“ (Lk 9,35). Die Jünger bekommen das irgendwie mit und wissen nicht so recht, wie sie sich dazu verhalten sollen. Es verschlägt ihnen den Atem; vielleicht etwas hilflos wird Petrus aktiv, erkennt aber, dass dies doch nicht eine gute Idee war.
Ja, wenn es plötzlich aufblitzt und strahlt, wenn so etwas wie Sternstunden aufblitzen, eben besondere Momente erlebt werden, kann man doch nur demütig verstummen. Es sind göttliche Momente, die menschlich zwar registriert werden, doch jeden verstummen lassen. Oder sagen wir es so: Es erscheint das Göttliche im Menschlichen. Und somit sind wir bei der Frohen Botschaft dieses Evangeliums: „Ja, durch Gott selbst, der dich liebt, erstrahlst du in deinem Leben, weil du einmalig bist!“ Drei Konsequenzen könnten dazu inspirierend gezogen werden: 1. Sich klar sagen, dass dieser Moment eine göttliche Offenbarung ist. 2.Sich bewusst-sein, dass Gott selbst uns auf diese Weise nahe ist, und dies nun ganz in uns aufnehmen. Und 3. Mit diesem Schatz und Lebensfundament im Innern nun leben.
In dieser Haltung kann ich dann mein Leben selbstbewusst leben, eben in dem Bewusstsein, geliebt zu sein, getragen zu sein und befähigt zu sein, das Gute und das Talent in mir auszuleben. Vielleicht bewahren solche Momente uns davor, den Selbstzweifel und den Zweifel in und an allem zu viel Raum zu geben und uns vielmehr die Freude an Gott, dem Nächsten und sich selbst lebbar gestalten zu lassen.
 
Ich wünsche uns solche ver-klär-ende Momente, solche Sternstunden, die einen sprachlos machen und in starker, nachhaltiger Wirkung uns motivieren und uns in Gang setzen: Halleluja!
 
Harald Stehle, Vikar Gesamtkirchengemeinde Biberach- Stadt
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 10-11 Fasnetsausgabe
 
 
Was kommt nun?
 
Die Wahl ist vorbei, die Würfel sind gefallen. Wer wird nun mit wem eine tragfähige Regierung bilden. Ich möchte nicht näher auf die Politik eingehen, das wurde ja in der Vergangenheit von allen Seiten getan. Für mich stellt sich die Frage: Was hat das Evangelium mit uns zu tun. Oft hört man, es ist überholt, es passt nicht mehr in unsere Zeit. Gibt uns Jesus nicht heute einen Denkzettel? Die Worte, mit denen er uns in Bildern und Vergleichen konfrontiert, sind sie nicht brandaktuell? Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht. Das hat sich vor kurzem in deutschen Bundestag unter den Politikern der sogenannten demokratischen Mitte gezeigt. Was gab es alles an Beleidigungen. Gegenseitige Vorwürfe, der Lüge bezichtigt, die Rede war von Schande, von Sündenfall und nicht zuletzt kam die Aussage, das Tor zur Hölle wurde geöffnet u.v.m. Hätte es da nicht ein mahnendes Wort, auch von Seite der Kirche gebraucht, denn im Evangelium heißt es: Der gute Mensch bringt aus dem Schatz seines Herzens das Gute hervor und der böse Mensch bringt aus dem bösen, das Böse hervor. Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht sein Mund. Wir alle wissen, aus bösen Worten können böse Gedanken werden und aus bösen Gedanken, können böse Taten entstehen. Und noch schlimmer, es könnte Nachahmer finden.
 
Das Evangelium muss man nicht der Zeit anpassen, sondern wir müssen uns die Worte des Evangeliums zu Herzen nehmen. Keiner kann wohl sagen, dass Jesus nicht den Nagel auf den Kopf trifft, wenn er sagt: Wie kann jemand, der mit Blindheit geschlagen ist, einem andern, der auch nichts sehen kann, den Weg weisen. Oder wie kann ein Blinder ans Ziel kommen, wenn er sich einen Blinden als Wegführer aussucht. Beides kann nicht gut gehen. Wie kann jemand, der noch Schüler ist, sich anmaßen über die Lehre seines Meisters hinaus zu gehen.
 
Mir hat jemand aufgrund eines Leitartikels folgende Geschichte zukommen lassen. Die sollten wir uns zu Herzen nehmen, sie stammt von Jacques Loew und heißt:
„Wie kann man einen Esel, der keinen Durst hat, trotzdem zum Trinken bewegen? Und wie kann man – bei allem Respekt – einen Menschen dazu bringen, nach Gott zu dürsten, wenn er diesen Durst verloren hat und sich mit Bier und Schnaps, Fernsehen und Autofahren zufrieden gibt? Soll man es mit dem Stock versuchen? Ein Esel ist aus härterem Holz als unser Stock. Außerdem, wer wird heutzutage zu einer solch autoritären Maßnahme greifen? Soll man ihm Salz zu schlucken geben? Das wäre Tierquälerei. Wie ihn dann dazu bewegen, freiwillig zu trinken? Es scheint nur eine Lösung zu geben: man muss einen durstigen Esel herbeischaffen, der ausgiebig, mit großem Genuss und Behagen an der Seite seines Artgenossen aus dem Eimer trinkt. Aber ohne jedes Theater, einfach weil er Durst hat, einen großen, unstillbaren Durst! Das wird seinen Kollegen nicht unbeeindruckt lassen. Die Lust wird ihm kommen, sich zum Eimer zu neigen und in tiefem Zug das erfrischende Wasser zu schlürfen. Menschen, die Hunger und Durst nach Gott haben, sind für ihre Mitmenschen eine bessere Predigt als viele erbauliche Reden.“
 
Zu dieser Geschichte möchte ich anfügen: Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann erzähl ihm von deinen Träumen.
 
Ihnen allen eine gute Woche und eine glückselige Fasnet.
Werner Eisele, Diakon SE Gammertingen-Trochtelfingen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 9
 
Evangelische und Katholische Kirche errichten Brandmauer gegen die AfD
 
Das Kreuz hat keine Haken, die Botschaft Jesu ist ganz klar: menschenfreundlich, menschenwürdig, barmherzig, versöhnlich. Jesus lehnt völkisch-nationales Denken ab. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz greift diese jesuanische Klarheit auf und ist absolut klar und deutlich in seinen Worten: „Wer sich mit öffentlichen Aussagen von Repräsentanten der AfD und ihren Programmen befasst, kommt zu dem Schluss, dass sie fundamentalen christlichen Grundsätzen, der Menschenwürde, dem Gebot christlicher Nächstenliebe und Solidarität widersprechen. Diese Partei will unser freiheitlich demokratisches System umstürzen. Davor muss ich Christinnen und Christen warnen. Die AfD ist eine rechtsextreme Partei und deshalb für Christen nicht wählbar“. Die EKD legt mit ihrer Ratsvorsitzenden Kirsten Fehrs nach und warnt ausdrücklich vor der Wahl der AfD mit folgenden Worten: „Wir ziehen daraus die gemeinsame Konsequenz, vor der Wahl rechtsextremer Parteien einschließlich der AfD zu warnen, weil sie Minderheiten ausgrenzen und die Demokratie gefährden“. Die EKD-Synode ruft seit Anfang Dezember 2024 dazu auf, „ausschließlich Parteien aus dem demokratischen Spektrum zu wählen, die sich für eine offene Gesellschaft der Vielfalt und ein gerechtes, demokratisches Gemeinwesen einsetzen“. Diese bischöflichen Appelle von beiden Kirchen sind bemerkenswert, denn bisher haben sich die Bischöfe bei Wahlen neutral verhalten und ausschließlich darum gebeten, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. Seit letztem Jahr bilden sie eine echte Brandmauer gegen Rechtsextremismus, Populismus und die AfD. Beide Großkirchen nehmen für sich in Anspruch, kraftvoll gegen den Rechtsruck anzukämpfen. Sie sind mutig, eindeutig und nehmen kein Blatt mehr vor den Mund, denn sie haben aus der Geschichte gelernt. Wehret den Anfängen - und das ist hier und jetzt. Das tun sie seit der Europawahl und den Wahlen in Sachsen und Thüringen und halten diese Brandmauer aufrecht. Krude Ausweisungsfantasien, die Ablehnung von Schutzangeboten für Geflüchtete, die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung, die Leugnung des menschengemachten Klimawandels und die pauschale Verächtlichmachung von politischen Akteuren und Institutionen seien mit den Grundwerten der Gesellschaft unvereinbar, mahnen die Bischöfe in Ostdeutschland in ihrem „Gemeinsamen Wort“. Viele Kampagnen wurden ins Leben gerufen, um die Wählerinnen und Wähler zu sensibilisieren, damit sie eine verantwortungsvolle Wahlentscheidung treffen können. Beispielhaft steht hierfür die ökumenische Aktion „Für Herz und Verstand“, die zu Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt aufruft. „Wir möchten dafür werben, mit Besonnenheit, aber auch mit einem soliden Wertegerüst in dieses Wahljahr zu gehen“ sagte der katholische Bischof Timmerevers aus Dresden.
 
 Die Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke betreibt die Aktion „Finger weg! Rechts regiert - Deutschland verliert“. Auch die Caritasverbände und die evangelische Aktion „Kirche für Demokratie“ setzen sich engagiert für eine solidarische Gesellschaft ein und kämpfen gemeinsam für mehr Vielfalt. Ihre Aktion hat den bezeichnenden Namen „Unser Kreuz hat keine Haken“.
 
Wir Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche vor Ort unterstützen unsere Bischöfe und unsere kirchlichen Institutionen mit aller Entschiedenheit und bitten die Wählerinnen und Wähler vor Ort, ihr Wahlrecht am 23. Februar 2025 zu nutzen und sich für die demokratischen Kräfte zu entscheiden. Bauen Sie mit an der Brandmauer gegen Rechts- und Linksextremismus. Matthias Kopp
 
Hilde Butscher, PGR-Vors. (kath.), Bärbel Danner, Pfarrerin (ev.), Wolfgang Drescher, Pfarrer (kath.), Matthias Kopp, Pastoralreferent (kath.), Renate Nottbrock, Diakonin (ev.), Sabine Teufel-Rick, Gemeindereferentin (kath.)
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 8
 
 
Von Bergen, Gewässern und Gurken
 
Die Lewis-und-Clark-Expedition war die erste Überlandexpedition der Vereinigten Staaten zur Pazifikküste und zurück und fand im Zeitraum von 1804-1806 statt. Die Expeditionsleiter Meriwether Lewis und William Clark stießen auf ihrer Expedition auf Gewässer, Gebirge und andere Herausforderungen und mussten immer wieder nüchtern eingestehen: „So wie wir hierhergekommen sind, so kommen wir nicht weiter.“ Da sowohl Lewis, als auch Clark kluge Expeditionsleiter waren, änderten sie ihre Vorgehensweise und passten ihre Fortbewegungsmittel den landschaftlichen Gegebenheiten an. Was bei Lewis und Clark so selbstverständlich und einleuchtend klingt, kommt aber spätestens dann an seine Grenzen, wenn es um mich selber geht. Ich ertappe mich selbst viel zu oft dabei, dass ich gewissen Mustern in meinem Leben folge und diese auch gar nicht hinterfrage, und das nicht einmal aus einem bestimmten Grund, sondern einfach aus Gewohnheit. Zum Beispiel schneide ich Gurken und Tomaten grundsätzlich ohne Schneidebrett in der Hand, denn so wurde es mir schon als Kind beigebracht. Und ja, es klingt nicht nur so, sondern ist tatsächlich relativ ineffizient und auch nicht ganz ungefährlich. Trotzdem tue ich es immer wieder.
 
Herr Kopp hat im letzten Leitartikel sehr verständlich erklärt, was schon im nächsten Jahr auf unsere Kirchengemeinden zukommen wird. Er hat ganz klar und anschaulich geschildert, dass wir in Zukunft mit weniger Personal auskommen und in größeren Gebieten denken werden müssen und so wie Clark und Lewis werden auch wir vor neue Herausforderungen gestellt werden. Auch wir werden uns immer wieder sagen müssen: „So wie wir hierhergekommen sind, so kommen wir nicht weiter.“ Leider gibt es keine Patentrezepte, die wir uns jetzt schon zurechtlegen und befolgen können um den Transformationsprozess 2030 zu meistern. Leider, aber vielleicht auch Gott sei Dank. Denn alles was wir zum jetzigen Zeitpunkt wirklich sagen können ist, dass Gott für uns sorgen wird. Patentrezepte und Strategien wären natürlich hilfreich, doch sollten sie uns auch Platz für Gottvertrauen lassen. Wir sind gar nicht in der Lage, unsere Geschicke vollkommen alleine zu lenken. Deshalb ist es umso tröstlicher zu hören, dass Gott für die Armen sorgt und ihnen das Reich Gottes in Aussicht stellt. Biblisch gelesen, sind die Armen diejenigen die sich demütig von Gott leiten lassen und sich von ihm abhängig machen. Den Hungernden, die nicht aufhören sich für Frieden, Gerechtigkeit und Wahrheit einzusetzen, verspricht er Sättigung und allen Weinenden und Trauernden, sagt er, dass Schmerz und Leid nicht das Ende sind, sondern Freude auf sie wartet. In unserem Evangelium folgen auf die Seligpreisungen Wehrufe, die als Einladung zu verstehen sind. Sie sind als Gedankenanstoß zu verstehen, die eigenen Prioritäten zu überprüfen und nach Bedarf anzupassen.
 
Auch wir werden in den nächsten Jahren sinnbildlich vor Gewässern oder Gebirgen stehen und es wird an uns liegen, zu kapitulieren oder umzudenken und nach neuen, kreativen Lösungen zu suchen. Doch wir können uns gewiss sein, dass Gott uns bei all unseren Mühen und in allen Herausforderungen nicht alleine lässt, sondern für uns sorgt. Wahrscheinlich besteht die größte Herausforderung darin, die Zügel auch mal aus der Hand zu geben und Gott zu vertrauen. Denn das fällt uns Menschen oftmals schwer, darauf zu vertrauen, dass all unser Engagement, all unser Herzblut und unsere Liebe, nicht vergebens investiert sein werden. Ich glaube fest daran, dass wir als Gemeinde durch den Transformationsprozess 20230 wachsen können und beginne selbst damit, meine eingefahrenen Wege zu verlassen und die Augen für all das Neue zu öffnen, das ich bisher noch nicht gesehen habe. Und wenn ich schon dabei bin, hole ich am besten auch das Schneidebrett aus der untersten Schublade meines Küchenschrankes hervor, um künftig meine Gurken darauf zu schneiden.
 
Ich wünsche allen einen gesegneten Sonntag.
Pastoralreferentin, Alena Wassmer
 
 
 
 
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 7
 
Alles wird anders!? Quo vadis? Wohin geht‘s?
 
Das magische Datum einer bisher nie dagewesenen Strukturveränderung in der Erzdiözese Freiburg ist der 1.1.2026. An diesem Tag werden die bisherigen Pfarreien und Kirchengemeinden ca. 1053 der Diözese per sogenannter Union in 36 Pfarreien zusammengeführt. Aus klein wird groß! Die Mehrheit unserer Pfarrgemeinderäte haben sich entschieden, dass das bisherige Dekanat Sigmaringen-Meßkirch als Raum der künftigen Pfarrei Neu Herz Jesu Sigmaringen gelten soll. Das sind 58.160 Katholik/innen bei 113.573 Einwohnern auf diesem Gebiet. Die Fläche beträgt 1207 Quadratkilometer und man muss teilweise über 60 km fahren, wenn man von einem Ende der Pfarrei Neu zum anderen Ende kommen möchte. Dennoch war es eine kluge Entscheidung innerhalb des vorgegebenen Rahmens, weil uns diese Raumschaft und der Landkreis SIG bekannt und vertraut ist und funktionierende Netzwerke und Kooperationen bestehen. Kirchenleute und Kommunenleute kennen sich, Caritasverbänden, Sozialstationen, Schulen, Krankenhaus Bildungswerke, Wallfahrtsorte, Senioreneinrichtungen, Notfallseelsorge, Beratungsstellen und die Ökumene sind miteinander vernetzt. Eine Zuordnung nach Hechingen wäre für uns sehr befremdlich gewesen.
Den Begriff „Großpfarrei“ für dieses neue Konstrukt soll nicht benutzt werden, denn er würde erschrecken. Aber der Begriff „Pfarrei Neu“ wird unsere Kirchenmitglieder der noch bestehenden SE Gammertingen-Trochtelfingen nicht trösten, denn viele Kirchenmitglieder und Hauptamtliche haben Verlustängste und machen sich begründete Sorgen, wie das alles werden soll und gut gelingen kann. Ja, wir kennen die Gründe. Die Diözesanleitung muss handeln, weil es Fakten gibt, die zum Handeln zwingen. 1. In Zukunft gibt es immer weniger Hauptamtliche, weil die Zahlen drastisch in den Keller gehen. 2. Die Gottesdienstbesucherzahl nimmt stetig ab, Taufen, Eheschließungen und andere pastorale Dienste sind rückläufig. Leere Kirchen, schwindendes Gemeindeleben vor Ort und die vermehrte Interesselosigkeit lassen sich nicht kleinreden. 3. Die Zahl der Ehrenamtlichen kann vermutlich nicht gehalten werden. Abbrüche kündigen sich an. 4. Die finanziellen Ressourcen gehen aufgrund der Kirchenaustritte zurück. Die Alterspyramide schlägt zu. 5. Die Kirche ist aufgrund vieler Krisen im System in einer tiefen Vertrauenskrise. Sie verliert ihre gesellschaftliche Prägekraft. Sie wird zu einer Randfigur, ein Player unter vielen. Das Bistum sah sich genötigt, angesichts dieser Realitäten zu reagieren und stieß einen großen Reformprozess „Kirchenentwicklung 2030“ an, der mit dem 1.1.2026 an den Start geht.
 
Konkret wissen wir heute folgendes: Das Pfarrbüro Gammertingen bleibt ein wichtiger Knotenpunkt und eine wichtige Anlaufstelle für alle persönlichen und seelsorgerlichen Dienste. Es gibt verlässliche Öffnungszeiten, bekannte Gesichter und vertraute Stimmen, die ihnen in allen Fragen und Anliegen weiterhelfen. Es wird in Gammertingen verlässliche Eucharistiefeiern am Sonntag geben. In den Gemeinden um GA wird es ein Gottesdienstangebot im Wechsel geben. Ab und zu werden hoffentlich auch hier Hl. Messen gefeiert werden können. Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen werden weiterhin auch vor Ort stattfinden oder in nächster Nähe. Auch die Weißen Sonntage werden für unsere Kinder in der Region gefeiert und nicht in Sigmaringen. Sicher werden wir nicht mehr so flexibel und wunschentsprechend handeln können wie bisher, aber es wird ein gesichertes und verlässliches Angebot geben. Wichtige kirchliche Festtage wie Fronleichnam und andere werden kreative Ideen brauchen, damit sie am Leben gehalten werden können. Hier sind die Gemeindeteams vor Ort gefragt und haben sicher passende Ideen. Mit dem Renteneintritt von Pfarrer Drescher im Sommer 2026 und dem von Pastoralreferent Matthias Kopp am 1.1.2026 wird die Personaldecke lichter. Das heißt aber nicht, dass niemand mehr da ist. Frau Teufel-Rick und Frau Wassmer sowie Diakon Eisele werden bleiben, es sei denn, dass es zu persönlichen Wechselfällen des Lebens kommt. Mit der Weihe von Herrn Klein aus Steinhilben zum Diakon, wird eine weitere nebenamtliche Diakonen Stelle geschaffen. Der in der Nachbarseelsorgeeinheit residierende Pfarrer Winter in Veringenstadt wird höchstwahrscheinlich als Priester unsere zukünftige Ansprechperson sein und Teil unseres Seelsorgeteams am Knotenpunkt Gammertingen werden. Sicher bekommt er hier in Gammertingen ein Büro und ist zu festgelegten Zeiten vor Ort ansprechbar.
 
Das Leitungsteam der Pfarrei Neu setzt sich aus dem Leitenden Pfarrer Stefan Schmid aus Meßkirch, dem stellvertretendem Pfarrer Simon Dreher aus Krauchenwies und dem Leitenden Referenten Frank Scheifers, sowie dem Pfarreiökonom (Verwaltungschef) Andreas Rösch zusammen. Im Herbst 2025 werden die bisher gewählten Pfarrgemeinderäte der Seelsorgeeinheiten ihre Amtszeit beenden und der neue Pfarreirat gewählt. Vermutlich wird jede Seelsorgeeinheit 2 bis 3 Personen in diesen Rat entsenden, die vor Ort gewählt werden. Dieser Reformprozess ist mit dem magischen Datum 1.1.2026 nicht an sein Ende gekommen und alles steht fest, sondern dort beginnt er erst richtig. Es bleibt also vieles noch im Fluss, manches klärt sich erst im Laufe der Zeit. Vieles wird holprig laufen, manches bleibt auf der Strecke liegen, etliches wird gut, Neues kann wachsen, alte Zöpfe können abgeschnitten werden, Kostbares geht auch verloren. Die Angst vor dem was kommt und wie es wird, wird uns alle begleiten. Niemand wird es schaffen, uns diese Unsicherheiten und diese Befürchtungen zu nehmen. Es wird offene Baustellen geben und für diese offenen Baustellen suchen wir engagierte Bauarbeiter/innen. Wir brauchen viel Mut, eine große Portion Durchhaltevermögen und Hoffnungsblitze, die uns neue Energie schenken. Vielleicht sind unsere Ängste und Befürchtungen in ein paar Jahren verflogen oder erweisen sich als völlig unbegründet. Das wäre schön! Wohin geht’s? Machen wir das Beste daraus und vertrauen wir auf das Jesuswort vom kommenden Sonntag: “Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.“
 
Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich einen anderen Weg im Reformprozess gegangen wäre. Ich hätte den § 517,2 im Codex des kanonischen Kirchenrechtes als Bischof genutzt, um die bisherigen gewachsenen Pfarreien am Leben zu erhalten. Dieser Kanon lässt folgende Option zu: “Wenn der Bischof wegen Priestermangels glaubt, einen Diakon oder eine andere Person, die nicht die Priesterweihe empfangen hat, oder eine Gemeinschaft von Personen an der Wahrnehmung der Seelsorgeaufgaben einer Pfarrei beteiligen zu müssen, hat er einen Priester zu bestimmen, der, mit den Vollmachten und Befugnissen eines Pfarrers ausgestattet, die Seelsorge leitet.“ Meiner Einschätzung nach wäre diese Maßnahme beim Kirchenvolk auf eine höhere Akzeptanz gestoßen. Ich hätte sie für gewinnbringender und zielführender gehalten. Vielleicht gehen andere Diözesen diesen Weg. In der Schweiz wird so seit Jahren verfahren und die Ergebnisse sind durchweg gut.
 
Matthias Kopp, Patoralreferent SE Gammertingen-Trochtelfingen
 
 
 
 
 
 
 
Leitartikel zum Kirchenblatt Nr. 6
 
Darstellung des Herren
Fest der Begegnung
 
Viele Namen für ein Fest
An diesem Sonntag feiert die Kirche das Fest der Darstellung des Herrn, oder wie es auch genannt wird, Maria Lichtmess.
Was das Evangelium schildert, entspricht zunächst einmal jüdischer Tradition.
Wie jede jüdische Mutter bringt Maria 40 Tage nach der Geburt ein Reinigungsopfer dar, weshalb der heutige Tag früher auch „Mariä Reinigung“ genannt wurde oder eben „Mariä Lichtmess“, ein Lichtfeier zu Ehren der Gottesmutter.
Und weil Jesus als Erstgeborener nach Brauch seines Volkes Gott gehörte, musste er im Tempel vor Gott gebracht und ausgelöst werden. Daher der Name: Darstellung des Herrn.
In ostkirchlicher Tradition trägt das Fest den Namen: Fest der Begegnung.
Jesus begegnet der Erwartung / Sehnsucht des Volkes Israel, verkörpert in diesen beiden alt gewordenen Menschen, Simeon und Hanna. Beide sind sie getragen von einer Sehnsucht, der Erwartung das Kommen des Messias noch zu erleben.
Simeon erkennt - unter der Führung des Hl. Geistes - in diesem unscheinbaren Kind einfacher, armer Eltern, den, auf den er schon so lange wartet, den Retter, das Heil für das Volk Israel und das Licht zur Erleuchtung der Heiden. Bereits hier, noch bevor Jesus sein Werk begonnen hat, weitet sich der Blick hinein in die Welt, auf alle Menschen. 
Auch Hanna erkennt die Sendung / Würde dieses besonderen Kindes, aber sie sieht vor allem auch den Anteil der Mutter an seinem Auftrag, an seinem Geschick – sie wird mit ihm leiden.
Das Gebet des greisen Simeon ist Teil des kirchlichen Gebets geworden.
„Meine Augen haben das Heil gesehen.“ Können wir / kann ich am Abend, am Ende eines Jahres, am Ende des Lebens einmal so sagen: Ich habe das Heil gesehen?
 
In eigener Sache
Im Blick auf die Veränderungen, die mit der Umstrukturierung der vielen Pfarreien / Seelsorgeeinheiten zur „Pfarrei neu“ am 01. Januar 2026 anstehen, begegnet mir immer wieder die Frage: „Und wie lange sind sie noch da?“ Meine Antwort darauf, dass es der Wunsch des Bischofs ist, bis 70 im aktiven Dienst zu sein, wenn es die Gesundheit zulässt. Nun darf ich am 16. Februar 2025 meinen 70. Geburtstag feiern, werde aber nicht zum 17. um meine zur Ruhesetzung bitten. Vielmehr werde ich den Übergang zur Pfarrei neu noch mitbegleiten und dann in der ersten Jahreshälfte 2026 meinen Rückzug einleiten – wann genau und wohin, das weiß ich selbst noch nicht so genau.
Den Geburtstag werde ich in erster Linie mit der Familie feiern. Nachdem sich die Familie im Laufe des Sonntages verabschiedet hat, werde ich am Abend in Gammertingen mit Ihnen, der Gemeinde, den Gottesdienst feiern. Im Anschluss daran wird Gelegenheit zur zwanglosen Begegnung bei einem Glas Glühwein oder Punsch auf dem Kirchplatz sein. Ich plane den Geburtstag mit der Gemeinde etwas kleiner, bescheidener, auch weil in diesem Jahr die Verabschiedungsfeier für Herrn Kopp und im nächsten Jahr meine Verabschiedungsfeier ansteht, die dann die Gemeinde stärker betreffen und einbinden wird.
 
Wolfgang Drescher, Pfarrer