
Quelle: C.Würtz
Die Kirche Zum Heiligen Joseph
Das Kloster Mariaberg ließ 1708 eine Kirche in Bronnen errichten. Dass der Neubau ohne Unfälle errichtet werden konnte, schrieben die Klosterfrauen der Fürsprache des Heiligen Joseph zu, dem Patron der Zimmerleute. Daher erwählten sie ihn nun zum Patron der neu zu erbauenden Kirche.
Der Erwerb der Ortsherrschaft änderte nichts an der Rechtsstellung Bronnens in pfarrlicher Hinsicht. So blieb Bronnen weiterhin der Pfarrei St. Leodegar Gammertingen zugehörig. Als 1733 der Konstanzer Weihbischof Franz Johann Anton von Syrgenstein auf einer Reise nach Bronnen kam, weihte er die Kirche und den Altar am 6. September zu Ehren der seligen Jungfrau Maria und des Heiligen Joseph, ihres Gemahls. Bei dieser Gelegenheit entschied der Bischof, dass Bronnen eine Filiale Gammertingens bleibe. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Allerdings kam Bronnen nach der Aufhebung des Klosters Mariaberg durch den Reichsdeputationsbeschluss 1803 an Württemberg, während Gammertingen an das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen fiel.
Dies hatte zur Folge, dass bei der Neuordnung der Diözesen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die den staatlichen Grenzen folgte, Bronnen der Diözese Rottenburg zugeteilt wurde, während Gammertingen zur Erzdiözese Freiburg kam. Zuvor hatten beide Pfarreien zum Bistum Konstanz gehört.
Die Kirche liegt am Hang über dem Laucherttal etwas abseits der Durchgangsstraße Bronnens. Östlich der Kirche erstreckt sich seit 1837 der Friedhof mit einem Kriegerdenkmal, das der Sigmaringer Bildhauer Franz Marmon 1955 schuf. Bei der Kirche handelt es sich um einen Saalbau mit achtseitigen Dachreitertürmchen mit einer Zwiebelhaube. Diese Kirche steht damit in der Tradition der Zwiefalter Kapellen, die das Kloster Zwiefalten in seinem Herrschaftsbereich errichten ließ. 1972 wurde im Westen der Kirche im Rahmen der Renovation ein Sakristei Anbau errichtet.
Die Altararchitektur mit ihrem reich gestuften Säulenaufbau und zwei seitlichen Türen nimmt die gesamte Ostseite ein. Glanzstück des Altars ist das Hauptbild, das die Verlobung Mariens mit dem heiligen Joseph zeigt. Das Ölgemälde malte Franz Joseph Spiegler (1691-1757) im Jahre 1722. Spiegler gehört zu den bedeutendsten Barockmalern in Süddeutschland.
Im Auszug des Hochaltars findet sich ein weiteres Werk Spieglers, nämlich ein rundes Gemälde, das die heilige Anna und den heiligen Joachim, die Eltern Mariens, zeigt.
Neben diesem Bild stehen Statuen des heiligen Johannes d.T. sowie der heiligen Barbara. Diese beiden Figuren stammen von einem Renaissancealtar der Klosterkirche Mariaberg, der in der Werkstatt des Ehinger Bildhauers Melchior Binder (um 1550-1615) um 1610 entstand.
Die Altarvorderseite ist mit einem gemalten Antependium verziert. Auf ihm ist ein rundes Bild mit der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten zu sehen. Es malte der in Trochtelfingen ansässige Maler Johann Schlander (+1737) im Jahre 1719.
Die Decke im Chor hat als Thema die sieben Schmerzen Mariens, während neben reichem Rankenwerk das Motiv im Schiff das Herz Jesu in der Mitte sowie die weiteren Wundmale an den Füßen und Händen Jesu sind. Die Bilder der Decke sind Ausdruck der Herz-Jesu-Verehrung, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts in den Klöstern Zwiefalten und Mariaberg besonders gepflegt wurde. Diese Decke ist die einzige Barockdecke Deutschlands, welche die Wundmale zeigt.
Auf der Empore hat 1982 eine kleine Orgel mit fünf Registern vom Orgelbauer Späth in Mengen-Ennetach Platz gefunden.
Zum Kirchenschatz von Bronnen gehören – wohl teilweise noch aus dem Kloster Mariaberg – ein Kelch, ein Speisekelch und ein kleines Wettersegenskreuz aus dem 18. Jahrhundert sowie ein neugotischer Speisekelch, eine Hostienschale und eine Monstranz aus dem 20. Jahrhundert.
Quellen:
Gotteshäuser auf der Alb (Christian Würtz)
