St. Mauritius Neufra

Quelle: ch. Würtz

 
 

Quelle: ch. würtz

 
 
 
 
 

Quelle: Sabine Wern

Der Maialtar in der Pfarrkirche in Neufra
 
 
Zur Geschichte der Pfarrkirche St. Mauritius
 
Bereits 1486 wird der Hl. Mauritius als Patron der Pfarrkirche erwähnt.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kaufte Freiherr Dietrich von Speth von den Herren von Bubenhofen die Herrschaft Gammertingen. Nach dem Bruch des Herzogs Ulrich von Württemberg musste er fliehen. Im Exil trat er zum neuen reformatorischen Glauben über und konnte 1534 mit einem starken evangelischen Heer sein Herzogtum wieder besetzen. Dabei verwüstete er die Herrschaft Gammertingen als Racheakt gegen Dietrich von Speth und führte den evangelischen Glauben ein.
Leider fehlen nähere Einzelheiten über diese Jahr, wir wissen jedoch, dass damals die neben der Pfarrkirche stehende St. Nikolauskapelle mit der Kaplanei abgebrochen und mit dem Abbruchmaterial unsere große Zehntscheuer gebaut worden ist.
 
1603-1605 Neubau der Pfarrkirche
 
Die 1603-1605 neuerrichtete Kirche war ebenfalls dem Hl. Mauritius geweiht. Sie wurde 1604 durch einen Weihbischof geweiht. Über das Aussehen dieses Gotteshauses ist kaum etwas bekannt.
Die Erbauung der neuen Kirche in Neufra steht wohl in Zusammenhang mit der 1599 neugeschaffenen selbstständigen Herrschaft des Albrecht Speth in Neufra. Albrecht Speth erhielt bei der Teilung der Speth’schen Herrschaft das Dorf Neufra, den Birkhof und das Dorf Bronnen.
Als im Jahre 1827 die gesamte Speth’sche Herrschaft an das Fürstenhaus Hohenzollern-Sigmaringen verkauft wurde, tauchen die ersten Belege für einen angestrebten Neubau der Pfarrkirche auf.
 
 
 
Neubau der Pfarrkirche St. Mauritius Neufra 1860-1862
 
1853-1879 war Felix Bürkle aus Trillfingen Pfarrer in Neufra. Unter ihm wurde die neue Pfarrkirche errichtet. Bis 1858 dauerten jedoch die Verhandlungen über die Bestreitung der Kosten und Durchführung der Arbeiten.
Am 17. Oktober 1860 fand die feierliche Grundsteinlegung durch den Dekan von Ow aus Harthausen/Scher statt. Zwei Jahre später, am 19. Oktober 1862 war die Kirche fertiggestellt und konnte von Dekan Joseph von Ow eingesegnet werden.
 
Zum heutigen Kirchenbau
 
Die neugotische Pfarrkirche St. Mauritius ist eine dreischiffige Basilika mit eingezogenem Chor mit 5/8 Chorschluß. Die Steine für den Bau wurden aus dem Steinbruch des Peter Acker am Petersberg (Rösslewirts Keller) gebrochen. Die Maßwerksteine wurden aus Bodelshausen bezogen. Allein für die Fundamente mussten die Neufraer mehr als 800 zweispännige Fuhrwerke aus dem Steinbruch zum Bauplatz leisten. Die Zimmermannsarbeiten am Kirchturm leisteten die hiesigen Zimmerleute Simon Eisele und Philipp Dietmann, die Schreinerarbeiten, vor allem Orgelgehäuse, Kanzel und Kirchenbänke besorgte Kaspar Lorch, Schlosserarbeiten übernahm Schlosser Georg Acker. Er fertigte auch das 292 Pfund schwere eiserne Kreuz, welches heute noch die Spitze des Kirchturms ziert. Die Glaserarbeit wurde von Nepomuk Huthmacher und Isidor Oßwald geleistet. Als Maurermeister arbeitete Felix Rädle. Der gesamte Bau stand unter der Leitung des Bauführers Konstantin Mayer aus Hechingen.
 
Zur Innenausstattung
 
Teile der heutigen Innenausstattung wurden sicherlich aus der Vorgängerkirche übernommen. Vor allem der Bestand an figuralen Plastiken weist einige sehr alte Exemplare auf. Der Hochaltar im Chorraum wurde vom Sigmaringer Bildhauer Marmon 1862 geschaffen. Im Chor sind in die Wände drei Epitaphien eingelassen. An der nördlichen Chorwand befindet sich das Grabmal des Erbauers der Vorgängerkirche von 1603, Albrecht Speth von Zwiefalten, zu Neufra und Bronnen und seiner Gattin Maria Anna von Riedheim, gest. 1608.
Hinter dem Hochaltar verborgen ist in die Ostwand das Epitaph des Johann Franziskus Speth von Zwiefalten eingelassen. Dieser starb 1632 im Alter von einem Jahr. In die südliche Chorwand eingelassen ist das Grabmal des Johann Dietrich Speth von Zwiefalten (gest. 1704) und seiner Frau Anna Eleonora, geb. von Bolsweil (gest. 1703). Johann Dietrich von Speth hat im Jahre 1689 am Ende der Kirchstraße das „Schlössle“ erbauen lassen. Auf der untersten Platte dieses Epitaphs sind noch die Erinnerungen an Joseph Aloys und Maria Antonia Emeritiana von Speth angebracht.
Die drei großen Chorfenster waren ursprünglich nur einfach verglast. 1904 erst wurden die schönen bemalten Glasfenster eingesetzt und gleichzeitig der Fußboden im Chor mit Fliesen belegt.
Im Zusammenhang damit steht die Renovation des Hochaltars. Die farbigen Fenster bei den Seitenaltären wurden im gleichen Jahr von wohltätigen Personen gestiftet. Die farbige Ausmalung des Gotteshauses wurde im Jahre 1895 vom Maler Lorch aus Sigmaringen fertiggestellt. Er benötigte dazu gerade mal 2 Monate.
1909 wurden die beiden farbigen, runden Fenster im Westteil der Kirche von wohltätigen Bürgern gestiftet.
Im nördlichen Seitenschiff steht der Taufstein, den der Erbauer der Kirche, Fürst Carl Anton von Hohenzollern um 1863 stiftete. Der damalige Adlerwirt fuhr den neuen Taufstein von Sigmaringen nach Neufra. Der Marienaltar in diesem Seitenschiff wurde von der Schwester Carl Antons, Prinzessin Caroline von Hohenzollern bei Bildhauer Marmon in Sigmaringen 1865 in Auftrag gegeben. Als Gegenstück zum Marienaltar stiftete die Gemeinde für das südliche Seitenschiff den Josefsaltar. Auch dieser wurde von Bildhauer Marmon in Sigmaringen gearbeitet.
Die schöne Kanzel an einer Säule zum nördlichen Seitenschiff wurde vom hiesigen Schreiner Kaspar Lorch hergestellt. Sie trägt die Statuen der vier Evangelisten. Auf beiden Seiten des Mittelschiffs befinden sich hoch über den tragenden Säulen die Figuren von Kirchenheiligen. Die Apostel Petrus und Paulus an den Seiten des Triumphbogens bilden den Anfang der Aufstellung, die über den Hl. Franz Xaver bis zum Bischof Ambrosius von Mailand reicht. Im Westen des Kirchenbaues befindet sich über dem Hauptportal die Empore mit der Orgel. Die Orgel wurde in Ebingen gekauft. Sie stand vorher in der dortigen Stadtkirche St. Martin und wurde von Orgelbauer J. Klinger von Stetten/Haigerloch umgebaut und vergrößert und nach Neufra gebracht. Das Orgelgehäuse fertigte Kaspar Lorch.
Auch eine neue Glocke wurde angeschafft. Diese goss Ferdinand Engel in Ebingen, sie wog 1443 Pfund und wurde von Aloys Nolle aus Freudenweiler unentgeltlich von Ebingen nach Neufra gefahren. Am 30. November 1862 wurde die neue Glocke von Pfarrer Felix Bürkle geweiht und am darauffolgenden Tag in den Glockenstuhl hochgezogen. Am 6. Dezember läutete die neue Glocke zum ersten Mal.
Am 29. Juni 1862, am Fest Peter und Paul, wurde der erste Gottesdienst in der noch nicht ganz fertiggestellten Pfarrkirche gehalten. Anton Knupfer, Lammwirt, war der letzte, der in der alten Pfarrkirche getraut wurde. Am 1. Juli heirateten Gebhard von Freudenweiler und Thekla Wern aus Harthausen/Scher. Am 6. Juli wurde Angelika Wittner, Tochter des Luithold Wittner als erstes Kind in der neuen Kirche getauft.
Am 22. September 1873, am Fest des Hl. Mauritius und Gefährten, wurde die neue Pfarrkirche durch den Freiburger Weihbischof Lothar von Kübel feierlich geweiht. 1978 wurde das gesamte Gotteshaus renoviert und soweit möglich wieder in den Originalzustand zurückversetzt.
 
 
Quellen:
125 Jahre St. Mauritius Neufra (Rudolf Dehne)
Berckher, Edmund: die Kirche-,Kapellen- und Altarpatrozinien im Kreis Sigmaringen, 1969, 102
Burkarth, Herbert: Geschichte der Herrschaft Gammertingen-Hettingen 1983, 193
Daikeler, Christian: Chronik von Neufra, Enthaltend: Die Merk- und Denkwürdigen Begebenheiten von Neufra und Umgebung seit dem Jahre 1785, Getreuen Berichten entnommen. Neufra 1891
Genzmer, Walter: Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns 2; Der Kreis Sigmaringen 1948
Haid, Wendelin: Liber decimationis cleri Constantiensis pro papa de anno 1275; Freiburg Diöz. Archiv 1865 lff.
Muschal, Johannes: Orts- und Schulchronik von Neufra; Bd. I 5-12, Neufra 1912
Pfarrarchiv Neufra
 
 
 

Das Glockengeläut der Pfarrkirche St. Mauritius können Sie anhören unter

www.ebfr-glocken.de       und auf der nationalen Glockendatenbank unter www.createsoundscape.de

 

Neben einer allgemeinen Kurzbeschreibung finden Sie hier weiterführende Informationen als Audio-, Foto-, pdf- und in einigen Fällen auch als Videodateien.