St. Franz-Xaver Freudenweiler

Quelle: Thomas Schöller

Quelle: Ch. Würtz

Quelle: Ch. Würtz

 
Kapelle Franz Xaver in Freudenweiler
 
Auch wenn die neugotische Kapelle, die dem großen Indienmissionar Franz Xaver geweiht ist, größenmäßig nicht zu den herausragenden Gebäuden Freudenweilers gehört, so ist sie dennoch heute wie früher so etwas wie der geistige Mittelpunkt der ganzen Siedlung.
 
Über die Stiftung und Erbauung der Kapelle berichtet Lehrer Muschal im Band 1 seiner Ortschronik: „Der frühere Obervogt von Gammertingen Franz Xaver von Mehrhard (daher also das Kapllenpatronat) stiftete ein Kapital von 500 fl zu Erbauung einer Kapelle auf Freudenweiler. Anno 1850 wurde endlich nach einem geprüften Riß des Werkmeisters Hanner jr die Kapelle von den Handwerkleuten in Neufra nach Akkordverhandlungen gebaut. Sie kostete 1150 fl. Die sämtlichen Hand- und Spannfrohnen (Dienste) leisteten die Freudenweiler allein.“
 
Mit der Errichtung des kleinen Gotteshauses ist sicher ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen.
Im Jahre 1958 wurde dann unter Pfarrer A. Traub die Kapelle einer gründlichen Renovation unterzogen und die vorhandenen Kunstwerke besser ins Licht gerückt. Die hellen Wände und der warme Holzton der Kassettendecke geben heute dem Innenraum ein freundliches Aussehen.
 
Schmuckstück der Kapelle ist die kleine 60 cm hohe thronende Madonna mit Kind, die einst verachtet und verdreckt auf dem Dachboden lag, später in einem Glaskasten aufgestellt wurde, nach der Restaurierung von 1958 aber sich im alten Glanz darbietet. Die rechts neben dem Chorbogen, an der Vorderwand des Langhauses angebrachte Figur ist ein überaus kostbares Kunstwerk aus der Zeit um 1830, aus der uns nur noch ganz wenige Arbeiten überliefert sind.
Leider ist nicht mehr zu erfahren, woher die Madonna in die 1850 erbaute Freudenweiler Kapelle gekommen ist. Vermutlich sind die Kronen und das Zepter der Muttergottes in der Barockzeit (also vor etwa 250 Jahren) dazu gekommen.
 
Eine zweite Kostbarkeit ist das 1,37 m hohe und 0,77 m breite Ölgemälde auf Holzuntergrund mit der Darstellung der Himmelskönigin, des Hl. Johannes Ev., Karl Borromäus, des Mannes der Kirchenerneuerung. Das Bild ist heute über dem Hochaltar angebracht und wird im Kunstdenkmälerverband in die 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts datiert. Wer jedoch mit einer Taschenlampe das Gemälde ableuchtet, entdeckt auf dem Podest zu Füßen der Muttergottes die Zahl 1628. In Konstanz hängt in der Welserkapelle des Konstanzer Münsters ein Schutzmantelbild von 3 m Höhe, das mit dem Gemälde in Freudenweiler große Ähnlichkeiten aufweist und vom Konstanzer Maler Bartholomäus Storer 1626 geschaffen wurde. Jedenfalls gehört das Freudenweiler Bild in diesem Zusammenhang dazu, möglicherweise ist es ebenfalls vom genannten Meister gemalt worden. Eine sehr interessante Entdeckung, zumal Bilder aus der Zeit des 30jährigen Krieges höchst selten sind.
 
Zum Kirchenschatz gehören auch einige barocke Figuren aus der Zeit des 18. Jahrhunderts. Wertvoll ist auch das Tabernakelkreuz aus derselben Zeit, das vermutlich aus einem ehemaligen Jagdschloss auf der Küche bei Burladingen stammt.
In der Sakristei steht in einem Schrank ein kleiner auferstandener Heiland, welcher zu Osterzeit die Kapelle schmückt.
Ebenfalls gibt es noch ein Ölgemälde auf Leinwand, welches den barmherzigen Samariter zeigt.
 
Das einzig beachtenswerte Werk aus der Entstehungszeit der Kapelle sind die 14 Kreuzwegstationen, welche lebendig und mit leuchtenden Farben gemalt sind. Vermutlich stammen diese vom Gammertinger Maler K. Hanner, der auch den Kreuzweg zum Neufraer Hochberg hinauf gemalt hat.
 
Noch 1948 verzeichnet die Kunstdenkmäler-Beschreibung in der Freudenweiler Kapelle die 1850 vom Ebinger Fidel Engel gegossene, 44 cm Durchmesser aufweisende größere Glocke. Leider ist sie ein Opfer des Krieges geworden, sie wurde durch eine neue im Jahr 1950 ersetzt.
 
 
Quelle: Pfarrer M. Hermann
(Aus dem Archiv von Manfred Tremmel)

 

 

Das Glockengeläut der St. Franz-Xaver-Kapelle können Sie anhören unter

www.ebfr-glocken.de       und auf der nationalen Glockendatenbank unter www.createsoundscape.de

 

Neben einer allgemeinen Kurzbeschreibung finden Sie hier weiterführende Informationen als Audio-, Foto-, pdf- und in einigen Fällen auch als Videodateien.