
Quelle: Ch. würtz

Quelle: Ch. Würtz
Pfarrkirche St. Nikolaus in Feldhausen
Das 865 erstmals urkundlich erwähnte Feldhausen gehörte kirchlich gesehen bis 1474 zur Pfarrei Gammertingen, ehe Hans von Bubenhofen mit Zustimmung des Konstanzer Bischofs eine eigene Pfarrei errichtete. Die Urkunden haben sich im Pfarrarchiv erhalten. Diese Pfarrei umfasst bis heute die Ortschaften Harthausen und Feldhausen.
Der Neubau der Kirche wurde unter tatkräftiger Mithilfe der Bevölkerung in den Jahren 1737 bis 1739 ausgeführt. Am 8. Oktober 1742 konnte der Konstanzer Weihbischof Franz Fugger die neue Kirche konsekrieren.
Zwischen 1969 und 1971 wurde die Kirche vergrößert und der Kirchturm umgebaut. 2000 erhielt die Kirche zudem einen Windfang, außerdem wurden die Außenanlagen neu angelegt.
Vor der Kirche steht ein bemerkenswertes Kriegerdenkmal für die Gefallenen aus der Pfarrei des deutsch/französischen Krieges 1870/71.
Der Innenraum ist durch kräftige Wandpfeiler in 4 Joche geteilt. Durch je 4 hohe Rundbogenfenster auf beiden Seiten erhält das Schiff reichlich Licht. Es ist vom Chor durch einen Rundbogen getrennt. Über seinem Scheitelpunkt sind die Wappen des Freiherrn von Speth und seiner Ehefrau sowie die Jahreszahl der Erbauung 1738 angebracht.
Der Chor wird dominiert vom Hochaltar, den der Hettinger Schreiner Baltus Widmann (1684-1768) in strengen Formen kurz nach Fertigstellung der Kirche schuf, der aber dann erst 1751 gefasst wurde.
1937 schufen der Sigmaringendorfer Klemens Rebholz sowie der Restaurator Andreas Knupfer einen neuen Altartisch sowie den Tabernakel. Das große Altarbild schuf – wie auch das Altarbild in Bronnen – Franz Josef Spiegler.
In dem bis an die Decke reichenden Aufsatz steht in einer Muschelnische der heilige Bischof Nikolaus, der in seiner Rechten in Buch hält. Zu beiden Seiten sitzen große Engelfiguren, die Mitra und Stab des Bischofs halten. Diese Figuren sind Werke des Mariaberger Klosterschreiners Balthasar Wild (1694-1751).
1971/72 schuf der Ravensburger Bildhauer Josef Henger (geb. 1931) einen neuen Zelebrationsaltar, einen Taufstein, ein Weihwasserbecken aus rötlichem Trientiner Marmor, ferner einen Ambo und ein Relief für den Taufstein mit der Taufe Jesu aus Bronze. Den Altar konsekrierte der damalige Weihbischof und spätere Erzbischof Oskar Saier.
Das Altarbild schuf der Trochtelfinger Maler Johann Baptist Brommer (1705-1778).
Zur Ausstattung der Entstehungszeit gehört die Kanzel. Ihr achteckiger Korb ist mit Skulpturen der vier Evangelisten geschmückt, die an ihren Symbolen zu erkennen sind. Die Evangelisten sind jeweils von Säulen eingerahmt. Sie stammen von dem Riedlinger Bildhauer und Stuckateur Johann Joseph Christian oder seinem Umkreis (1706-1777). Er gehört zu den bedeutenden Künstlern des Barock und Rokoko in Oberschwaben. Auch mehrere Figuren stammen von diesem Künstler, unter anderem der heilige Johannes der Täufer und der heilige Sebastian, sowie die heilige Apollonia am linken Altar.
Gegenüber der Kanzel steht auf einem modernen Steinsockel ein weiteres besonderes Schmuckstück der Kirche: die Feldhauser Madonna. Es handelt sich dabei um eine nahezu lebensgroße Muttergottes mit Jesuskind auf einer Mondsichel. Dieses bedeutende Kunstwerk entstand um 1500/1510 in der Werkstatt des Ulmer Bildhauers Michel Erhart (1440/45-1522).
Zu den weiteren Ausstattungsstücken gehören unter anderem der Kreuzweg, den der Gammertinger Maler Constantin Hanner malte (1827-1893), sowie eine lebensgroße Herz-Jesu-Figur aus der Zeit um 1900.
Die Orgel auf der Empore wurde 1975 von der Lindauer Orgelbaufirma Winfried Albiez gebaut und verfügt über 10 klingende Register auf 2 Manualen und Pedal bei mechanischer Spiel- und Registraturtraktur.
Im Kirchenschatz von Feldhausen befindet sich als besondere Kostbarkeit ein Kelch, der der Augsburger Goldschmied Josef Anton Seethaler (1737-1811) 1771/73 fertigte. Aus dem Sterbeeintrag im Totenbuch der Pfarrgemeinde geht hervor, dass es dabei um eine Stiftung des 1781 verstorbenen Antonius Rein handelt, der auch die wertvolle Monstranz (Mitte 18. Jahrhundert), einen Speisenkelch, einen Rauchmantel und anderes stiftete.
Zum Kirchenschatz gehören neben zwei Kelchen, einer Hostienschale sowie einer Monstranz aus dem 20. Jahrhundert eine Reliquienmonstranz von 1793 sowie eine Messkännchen Garnitur, ebenfalls von Seethaler 1771/73.
Quellen: Gotteshäuser auf der Alb (Christian Würtz)
